Interview

Bremer Dehoga fordert Öffnungskonzepte für Gastronomen

Die Gaststätten bleiben zu, Einnahmen brechen weg: Für die Branche ist die Lage katastrophal. Die Bremer Dehoga-Chefin fordert Maßnahmen wie in anderen Regionen auch.

Mitarbeiter eines Restaurants steht mit einem Tablett in der Hand im Gastraum (gestellte Szene).
Seit Monaten leidet die Gastronomie-Branche nach eigenen Angaben unter den Lockdown-Regelungen. (Symbolbild) Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Die Hoffnung auf einen Osterurlaub in den Nachbarländern ist gesunken, Gastronomen und Hotelbetreiber blicken mit Sorgen in die Zukunft. Was helfen könnte und warum noch nicht alles verloren ist, erzählt die Geschäftsführerin vom Berufsverband Dehoga in Bremen, Nathalie Rübsteck.

Frau Rübsteck, wie bewerten Sie die aktuelle Lage der Gastronomie- und Touristik-Branche in Bremen?
Die Lage ist katastrophal, weil es gar keine Perspektive für eine Öffnung gibt. Auch die Öffnung der Außengastronomie, die angedacht worden war, findet jetzt nicht statt. Daher weiß keiner, wie es weitergehen kann. Und wann überhaupt eine Öffnung möglich sein wird.
Was sind momentan die größten Probleme für Gastronomen und Hoteliers?
Zum einen ist es die fehlende Öffnungsperspektive, die an den Nerven zehrt. Hätte man im November gewusst, dass man vor April nicht öffnen kann, hätte man anders geplant. So hat man sich aber wochenweise weiter gehangelt, ohne zu wissen, was demnächst kommt. Es gibt keinen Plan, der Orientierung bieten kann. Und bei den Überbrückungshilfen ist in der höheren Stufe die Erstattung von maximal 90 Prozent der Fixkosten vorgesehen, die restlichen zehn Prozent muss man jeden Monat zahlen – und das eigene Überleben sichern.
Was könnte Ihrer Meinung nach in dieser Situation helfen?
Da es sich jetzt zeigt, dass die Branche länger zu sein wird, brauchen wir tatsächlich, dass das Thema "Unternehmerlohn" in der Überbrückungshilfe aufgenommen wird. Und die Betriebe, die schon länger geschlossen sind, eine höhere Kostenerstattung bekommen als 90 Prozent – wie die Diskotheken, die auch nicht zwischendurch öffnen durften. Denn irgendwann sind die eigenen Reserven aufgebraucht.
Sie haben es angesprochen: So schnell wird die Pandemie nicht vorbei sein. Wäre es nicht an der Zeit, dass man als Betrieb an Alternativkonzepte denkt?
Es gibt natürlich Ideen und Konzepte dazu im Raum. Ob sie zum Überleben reichen, da habe ich meine Zweifel. Letztendlich sind Betriebe in der Branche Gastgeber. Und Gastgeber kann man nur sein, wenn man Gäste empfangen darf. Das soziale Miteinander, das uns gerade gesellschaftlich verloren geht, müssen wir uns in einer Weise – oder auch in geänderter Form – in der Pandemie oder nach der Pandemie zurückerobern. Wir brauchen das, als soziale Wesen. Und auch die Branche braucht das.
Was halten Sie von den "Öffnungsexperimenten" in Ländern wie Tübingen oder Rheinland-Pfalz?
Wir fordern das auch. Es gibt verschiedene Testregionen bundesweit, die nach Ostern mit verschiedenen Konzepten öffnen wollen. Tübingen, wo ein Besuch der Gastronomie möglich ist, wenn man einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test hat. Ich glaube, dass wir auch wie solche Regionen denken müssen. Denn leider ist der Impffortschritt nicht so, dass wir kurzfristig einfach so wieder aufmachen können. Insofern ist die Öffnung mit Testung ein notwendiger Zwischenschritt, den wir machen müssen.
Wären Sie für eine Testvorlagepflicht in der Gastronomie?
Gerade in Bezug auf die Außengastronomie kann ich das wenig verstehen, denn zwei Paare können zum Beispiel im eigenen Wohnzimmer oder Garten zusammensitzen, zusammen ausgehen, aber in der gleichen Konstellation müssten sie in der Außengastronomie einen Test vorlegen. Das macht im Außenbereich wenig Sinn.
Es gab auch sehr viele Diskussionen über Inlands- und Auslandsreisen. Wie sehen Sie das?
Es war schon ein Schlag ins Gesicht der Branche: zu hören, dass man nach Mallorca fliegen darf, aber nicht ein paar Tage an der Nordsee verbringen kann. Das ist extrem schwer zu ertragen. Insofern kann ich nachvollziehen, dass jetzt ein Test vor der Einreise vorgenommen werden soll. Jeder, der im Moment nicht reist, sorgt natürlich dafür, dass die Ansteckungsrate niedriger wird und die Pandemie vielleicht schneller vorbei ist. Mein Wunsch wäre natürlich, dass man im Inland reisen kann.
Gibt es momentan überhaupt noch Touristen oder Tagesausflügler in Bremen?
Nein, die gibt es nicht. Touristen wollen auch etwas Anderes sehen als nur die schönen Gebäude in Bremen und Bremerhaven oder den Hafen. Sie wollen auch mal irgendwo einen Kaffee trinken oder etwas essen gehen können. Terminshopping ist nicht das, was Ausflügler lockt.
Wie blicken Sie in die Zukunft?
Die Prognosen hängen arg davon ab, ab wann wir wieder öffnen dürfen. Da fehlt mir im Moment die Glaskugel, durch die ich das sehen kann. Ich glaube aber, dass es viele Menschen da draußen gibt, die darauf warten, dass die Restaurants wieder öffnen, um sich auch mal wieder dort verwöhnen zu lassen. Ich glaube schon, dass es eine Chance gibt, dass sich die Branche wieder erholt.

Könnte Bremen zum Modellprojekt für Öffnungskonzepte werden?

Video vom 24. März 2021
Der Außenbereich der Gastronomie an der Schlachte.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Serena Bilanceri

Dieses Thema im Programm: Der Tag, 29. März 2021, 23:30 Uhr