Coronavirus: Behördenbrief verwirrt Bremer Eltern und Schüler

Ein Informationsschreiben der Bremer Bildungsbehörde hat zu einem Ansturm besorgter Eltern auf Kinderarztpraxen geführt. Jetzt wurde der Brief neu formuliert.

Video vom 10. März 2020
Zu sehen ist ein Schulkind welches im Patientenzimmer von seinem Kinderarzt ist und untersucht wird.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht – dies musste sich jetzt Bremens Bildungsbehörde eingestehen, die am 4. März "Elterninformationen zum Umgang mit der Coronainfektion" an Bremer Schulen ausgegeben hatte. Viele Eltern, die das Schreiben lasen, fühlten sich jedoch eher verwirrt als aufgeklärt. So stand in dem Brief unter anderem: "Bitte schicken Sie Ihr Kind nicht in die Schule, wenn es Anzeichen von Erkältung gibt." Darüber hinaus sollten Eltern in einem solchen Falle "sofort telefonisch Kontakt mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin" aufnehmen.

Die Frage, ob wirklich bei jedem Anzeichen von Erkältung und ohne vorherigen Kontakt mit Menschen, die bekanntermaßen mit dem Coronavirus infiziert waren, ein Arzt aufgesucht werden muss, sorgte ebenfalls für Verwirrung. "Das hat ordentlich Welle gemacht bei den Kinderärzten", sagt Stefan Trapp, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte.

In jeder Kinderarztpraxis waren Kinder, die da nicht hinwollten und hinsollten.

Stefan Trapp, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte

Auch die Empfehlungen, dass Eltern die Schule über den Gesundheitszustand ihrer Kinder informieren sollte, kritisiert Trapp. "Denn die Meldung von Corona-Verdachtsfällen läuft über das Gesundheitsamt", sagt der Arzt. Die Unsicherheit der Eltern führte am Ende sogar dazu, dass sogar ein Elternschreiben als vermeintliche Alternative zum Dokument der Gesundheitsbehörde kursierte.

Die Behörde hat darauf nun reagiert. "Wir haben jetzt ein neues Schreiben verfasst, das jetzt rausgeht", sagt Sprecherin Annette Kemp gegenüber buten un binnen. Es werde von den Schulen an die Eltern verteilt. Diese "Ergänzende Elterninformation zum Umgang mit der Coronainfektion" stellt, anders als das erste Schreiben, einige Hinweise klar.

Zweites Schreiben präziser

So sollten Eltern nur dann telefonisch Kontakt mit einem Arzt aufnehmen, wenn sich Kind oder Familie zusätzlich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einer Person hatten, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert ist.

Weiterhin im Schreiben enthalten ist der, allerdings leicht verschärfte, Satz: "Bitte schicken Sie Ihr Kind nicht in die Schule, wenn es deutliche Anzeichen einer umfassenden Erkältung hat." Auf die Frage, welche Anzeichen das sind, sagte Ressortsprecherin Kemp: "Kinder, die zu krank sind, bleiben wie sonst auch zuhause." Dazu zählten Symptome wie "Niesen, Husten, Schnupfen, Kopf verstopft. Also nicht nur schnoddernde Nase".

Die Änderungen im neuen Schreiben an die Schulleitungen und Eltern hält auch Kinderarzt Stefan Trapp für richtig. "Fehler erkannt, Fehler korrigiert", sagt er. Und wenn das Kind so krank sei, dass es nicht zur Schule könne, dann bleibt es eben zuhause – wie bei der Grippe auch.

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Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Bremen Vier Läuft, 10. März, 17:15 Uhr