Coronavirus: Warum Risikogruppen Stadion & Co. meiden sollten

Weser-Stadion, ÖVB-Arena, Arztpraxen: So sollten Bremer mit dem erhöhten Coronavirus-Risiko umgehen – vor allem wenn sie als Risikogruppe gelten.

Werderfans im Weser-Stadion.
Jüngere Werder-Fans gelten nicht als Risikogruppe bei Viruserkrankungen, chronisch Kranke und alte Menschen hingegen schon. Bild: Imago | Nordphoto

Bislang gilt für das Land Bremen kein Coronavirus-Alarm. Für bisherige Verdachtsfälle gab das Gesundheitsamt Entwarnung. Für Organisatoren von Großveranstaltungen – ob Pop-Konzert oder Messe – bedeutet dies, dass bislang alle Ereignisse wie geplant stattfinden. Das Werder-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt findet zwar nicht am Sonntag statt, das hat aber nichts mit dem Coronavirus zu tun.

Auswirkungen hat das Virus dennoch schon jetzt. Wenn auch nur im Kleinen. Ein Beispiel: An der Bremer Fachmesse "fish international" nahmen Mitte Februar mehr als 300 Aussteller aus 29 Nationen teil. Darunter hätten auch vier chinesische sein sollen. "Drei von ihnen sind allerdings nicht gekommen, weil sie nicht ausfliegen konnten. Der vierte chinesische Aussteller hat einen kanadischen Partner geschickt", sagt Messe-Sprecherin Christine Glander.

Das Thema kocht bei uns auch.

Christine Glander, Sprecherin von Großmarkt, Messe und ÖVB Arena

Glander, die für den Großmarkt Bremen und damit auch für die Messe und die ÖVB-Arena spricht, betont den engen Kontakt mit dem Bremer Gesundheitsressort. "Wenn die Gesundheitsbehörde das verlangt, werden wir verschärfte Maßnahmen treffen", sagt sie.

Besucher stehen im Eingangsbereich der Bremer Messehallen. (Archivbild)
Für Besucher der Bremer Messehallen sind bislang keine Einschränkungen geplant. Bild: DPA | Mohssen Assanimoghaddam

Wie schnell das im Messegeschäft gehen kann, zeigt das Beispiel Köln. Dort wurde die für Anfang März geplante Eisenwarenmesse auf Februar 2021 verschoben, nachdem zuvor zahlreiche Aussteller abgesagt hatten. Die Veranstalter der für Ende April geplanten Hannover Messe wollen sich mit der Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der weltgrößten Industrieschau, an der auch viele Bremer Unternehmen teilnehmen, zwar noch Zeit lassen. Doch schon jetzt wirkt sich die Angst vor dem Coronavirus auf den norddeutschen Messestandort aus. So müssen Besucher und Mitarbeiter der Reifenmesse Tire Technology Expo in Hannover, die in die Halle wollen, schriftlich bestätigen, in den 17 Tagen vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein. Auch eine Grippe oder Lungenentzündung dürfen sie nicht haben. Um dies sicherzustellen, wird beim Einlass durch ein elektronisches Screening die Temperatur gemessen.

Desinfektionsspender statt Temperaturmesser

In Bremen, wo es – etwa auf der Wein-Messe Ende März – nicht ganz so international zugeht, sind solche strengen Maßnahmen zwar bislang nicht geplant. Dennoch versuchen die Veranstalter zumindest grundlegende Vorkehrungen zu treffen. "In der Messe und der ÖVB-Arena haben wir an jeder Ecke Desinfektionsspender aufgestellt", sagt Sprecherin Glander. Hinweise für Aussteller und Messeteilnehmer würden darüber hinaus auf der Homepage verfügbar gemacht. "Wer meint, er könnte vom Virus betroffen sein, sollte natürlich zuhause bleiben."

Acht Konzerte sind allein im März in der ÖVB-Arena geplant – von André Rieu bis Peter Maffay. In den Messehallen finden im selben Zeitraum sieben Veranstaltungen statt.

Weser-Stadion ist laut Arzt nichts für Risikogruppen

Auch für das Heimspiel des SV Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag, 1. März, stehen die Zeichen derzeit noch auf grün. Das bestätigt Werder-Sprecher Michael Rudolph gegenüber buten un binnen. Der Verein tausche sich eng mit allen relevanten Stellen aus, die die Situation aufgrund des Coronavirus in Bremen bewerteten. "Nach deren Aussagen besteht im Bundesland Bremen keine Gefahrenlage", sagt Rudolph. Besondere Vorkehrungen werden deshalb bisher nicht getroffen. "Würde sich die Situation verändern, wird der SV Werder Bremen umgehend informiert und angemessene Maßnahmen einleiten", so der Werder-Sprecher.

Dem Heimspiel Werders gegen Frankfurt steht demnach nichts entgegen. Und doch ist ein Stadionbesuch wohl nicht für jeden ratsam, sagt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbands.

Wenn mich ältere oder chronisch kranke Menschen fragen, soll ich derzeit ins Weser-Stadion gehen, würde ich sagen: Nein.

Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Bremer Hausärzteverbands

Dies gelte jedoch genauso für Fahrten mit Bahn und Bus oder das Betreten enger Räume mit vielen Menschen. "Diese Empfehlung gebe ich nicht nur wegen des Coronavirus‘, sondern auch angesichts der Grippesaison", sagt Mühlenfeld.

Krankenhäuser und Arztpraxen besser meiden

Wer selbst Fieber hat, sollte zudem Krankenhäuser und Arztpraxen meiden, rät der Hausarzt. "Denn wir kommen jetzt in eine Situation, wo wir nicht mehr alle Einzelfälle abklären können." Es gehe darum, dass die Normal- und Regelversorgung nicht zusammenbricht.

Mühlenfeld empfiehlt daher Menschen, die Fieber haben, zunächst abzuwarten. "Fieber ist nichts Schlimmes und sehr verbreitet." Wenn es nicht besser wird, sollte in einem nächsten Schritt der Hausarzt per Telefon kontaktiert werden – und nicht die Notrufnummer 112. Der Grund: "Hausärzte kennen die Krankengeschichte der Patienten", sagt Mühlenfeld. Sie könnten daher am besten abklären, ob es sich um ein normales Fieber handele oder eine Virusinfektion.

"Sollte sich der Zustand des Patienten allerdings nicht bessern, kann es sein, dass ich als Hausarzt selbst hinfahre", sagt Mühlenfeld. "Erst wenn ich dann der Meinung bin, der Patient muss in einem nächsten Schritt näher untersucht und zum Beispiel geröntgt werden, sollte eine Praxis oder ein Krankenhaus aufgesucht werden."

Wie Sie sich und andere vor Infektionen schützen

Video vom 27. Februar 2020
Teaserbild zur einem Video, in dem erklärt wird, wie man sich vor Viren schützen kann.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2020, 19:30 Uhr