Interview

Experte zu Corona: "Es gibt keine Veranlassung, unruhig zu werden"

Die Zahl der Infizierten in Deutschland steigt. Die Botschaft der Politik: Wir nehmen Corona ernst. Martin Götz vom Gesundheitsressort erklärt, was das für Bremen bedeutet.

Video vom 27. Februar 2020
In der Pressekonferenz sitzen Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn und Innenminister Horst Seehofer.
Wann rechnen Sie damit, dass Corona Bremen, Bremerhaven und umzu erreicht?
Zunächst mal die zentrale Botschaft: Wir haben keine medizinische Krise in Deutschland bezüglich Corona. Wir haben eine beginnende Epidemie, die sich langsam ausbreitet. Ich rechne durchaus in den nächsten Tagen oder Wochen mit ersten Verdachtsfällen auch in Bremen.
Und sind das dann Einzelfälle oder kommen wir schnell in den Bereich, wo es eine massenhafte Verbreitung ist?
Das ist eine gute Frage, die wir ohne Unterlass täglich mehrfach diskutieren. Im Moment  gehen wir noch von der Möglichkeit aus, jeden einzelnen Fall individuell zu behandeln und abzuklären. Wir wissen aber im Moment nicht, ob sich das nicht in den nächsten Tagen und Wochen so verselbstständigt, dass wir von einer höheren Anzahl von Betroffenen ausgehen. Was wir über das Virus wissen ist: Es ist relativ ansteckend. Es betrifft vorwiegend Menschen, die schon Vorerkrankungen haben. Viele Verläufe sind ganz gutartig. Die Bilder, die viele von uns im Kopf haben, über schreiende Menschen, die Bilder aus China, die wir nicht nachkontrollieren können – das macht natürlich im Kopf der Leute eine Art Kopfkino. Ich kann die Sorgen verstehen, aber im Moment gibt es überhaupt keine Veranlassung, unruhig zu werden. Das heißt nicht, zu bagatellisieren. Aber wir wollen uns angemessen vorbereiten und das tun wir auch.
Sie tun das. Die Frage ist aber auch: Wie können wir uns als Bürger vorbereiten?
Ich rate dazu, da kann man ja auch gar nicht entrinnen, sich wachsam über die Medien zu informieren. Sie haben ja eben selber gesagt, es ist wichtig, dass sie selbst dazu beitragen, dass die Versachlichung eintritt. Und dann gibt es die Basismaßnahmen, die jeder Mensch machen kann: Händedesinfektion. Husten-Etikette, indem man eben in die Ellenbeuge hustet. Es gibt aber keinen Grund, jetzt in Drogerien zu gehen und Hamsterkäufe zu machen. Das Einzige, was wir im Moment noch bewegen müssen, ist: Wir müssen sicherlich noch etwas mehr an die Öffentlichkeit herantreten. Die Fachebene ist ohne Unterlass damit beschäftigt. Und die persönliche Schutzausrüstung ist ein europa- und weltweites Problem. Da müssen wir versuchen, Material zu kriegen.
Die Menschen reden natürlich: Kann ich noch in den Urlaub fahren? Was ist mit den Schulen, die sind in NRW teilweise schon geschlossen worden. Kommt so etwas auch auf uns zu? Kommt es vielleicht sogar so weit, dass Stadtteile, ja vielleicht die ganze Stadt, abgeriegelt wird?
Die Fachebene sieht das sehr kritisch, ganze Stadtteile abzusperren. Das wird wirklich heftig hinterfragt. Man kann es natürlich nicht verbindlich voraussagen, aber ich glaube nicht, dass wir in Bremen soweit kommen müssen, dass wir solche Maßnahmen ergreifen. Aber wir haben den Krisenstab, den es für Gesundheitslagen und andere Lagen gibt, jetzt auf Corona angepasst. Wir haben uns heute erstmalig im kleinen Kreis getroffen. Sollte so eine Situation, wo derartige Entscheidungen anstehen, eintreffen, sind wir auf Knopfdruck innerhalb von Stunden dabei, uns mit denjenigen zu treffen, die da Entscheidungshoheit haben.

Wie Sie sich und andere vor Infektionen schützen

Video vom 27. Februar 2020
Teaserbild zur einem Video, in dem erklärt wird, wie man sich vor Viren schützen kann.

Autor

  • Felix Krömer

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 27. Februar 2020, 19:30 Uhr