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Warum die Corona-Mutante in Bremen wütet – und in Bremerhaven kaum

Jüngste Zahlen zeigen, dass über die Hälfte der Bremer Corona-Infektionen auf die Mutante B.1.1.7 zurückgehen könnten. In Bremerhaven sieht das noch ganz anders aus.

Eine britische Flagge, davor ein Warnschild mit  einem Virus und der Aufschrift "Corona-Mutante".
Die britische Corona-Mutante erschwert die Nachverfolgung von Infektionen. Bild: DPA | Chromorange / Christian Ohde

In der Stadt Bremen scheinen sich Corona-Mutanten schneller auszubreiten als anderswo in Deutschland. Neuere Zahlen deuten sogar darauf hin, dass die Mutante schon jetzt mehr als die Hälfte der Bremer Fälle ausmachen könnte. Dies geht aus Testungen hervor, die der Laborverband ALM gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) an diesem Mittwoch veröffentlichen wird.

Die britische Mutante hat sich schon durchgesetzt und wird weitere Anteile erobern.

Andreas Gerritzen, Leiter des Medizinischen Labors Bremen

Zum ALM-Verbund gehört auch das Medizinische Labor Bremen. Dort waren in der vergangenen Kalenderwoche bereits rund 56 Prozent der ausgewerteten Proben positiv auf die britische Mutante getestet worden. In der letzten Serie mit Proben vom 26. und 27. Februar lag die Quote sogar bei 68 Prozent, sagt Laborleiter Andreas Gerritzen.

Bremerhaven bislang weniger betroffen

Anders ist die Situation bislang in Bremerhaven. Dort lässt sich der aktuell hohe Inzidenzwert nicht ausschließlich auf die B.1.1.7-Mutante zurückführen. Denn in der achten Kalenderwoche gingen von 201 überprüften Corona-Fällen nur 33 auf die Mutation zurück, sagt Magistratssprecher Volker Heigenmooser. Die Quote lag demnach in der vergangenen Woche bei 16,4 Prozent. Das liegt derzeit deutlich unter dem bundesweiten Schnitt.

Sollte sich die hochansteckende Mutation jedoch auch in Bremerhaven durchsetzen, hätte das wohl Folgen für die Pandemie-Bekämpfung in der Seestadt. "Wenn wir eine hochansteckende Mutationen haben, ändert sich die Situation", sagt Heigenmooser. Bislang könnten Ausbruch-Cluster gut eingegrenzt werden – und damit vier Fünftel der Bremerhavener Fälle. Im Falle einer ansteckenderen Mutation könnte es hingegen erforderlich sein, bisherige Kontaktpersonen der Kategorie 2 wie Kontaktpersonen der Kategorie 1 zu behandeln. "Wenn schon eine flüchtige Begegnung das Potenzial hat, eine Infizierung auszulösen, wird die Kontaktverfolgung schwieriger", so Heigenmooser.

Bremen weitet Kontaktverfolgung bereits aus

"In Bremen hat das Gesundheitsamt bei ersten Fällen, bei denen die Mutation festgestellt worden war, die Kontaktnachverfolgung bereits ausgeweitet", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Lukas Fuhrmann. Auch längere Quarantäne-Pflichten wurden inzwischen eingeführt. Letztlich mache allerdings das RKI die Vorgaben, wie Gesundheitsämter mit entsprechenden Fällen umgehen sollten. "Wenn es dazu neue Empfehlungen gibt, wird Bremen sie umsetzen", so Fuhrmann.

Dass sich gerade in Bremen die britische Mutante so schnell verbreitet, während sie in Bremerhaven weniger häufig vorkommt, ist Experten zufolge am ehesten damit zu begründen, dass in der Hansestadt früher als andernorts erste Fälle aufgetreten waren. "Wenn man dann erstmal ein gewisses Niveau erreicht hat, kommt man eher in das exponentielle Wachstum rein", sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. Da sei Bremen keine Ausnahme. Auch andere Städte wie zum Beispiel Flensburg würden schon jetzt eine hohe Zahl an Mutationen aufweisen.

Was wir in Bremen sehen, wird es auch in anderen Regionen geben.

Hajo Zeeb, Epidemiologe

Auch Zeeb empfiehlt, angesichts der höheren Ansteckungsrate der Mutation, Corona-Fälle noch strenger zu kontrollieren und die Kontaktverfolgung auszuweiten. Dafür empfiehlt der Forscher vor allem den vermehrten Einsatz von Schnelltests. "Wenn es gelingt, Cluster gut einzudämmen und zu kontrollieren, dann werden auch bei der neuen Variante die Zahlen insgesamt wieder abnehmen."

Als wichtigsten Faktor schätzt er jedoch das Impfen ein. "Damit ändert sich das ganze Geschehen", sagt Zeeb. Zumal es auch immer mehr wissenschaftliche Hinweise gebe, dass Menschen mit Impfung andere Menschen seltener ansteckten.

"Nicht zuletzt wirken die bisherigen AHA-Regeln auch gegen die britische Virus-Variante", sagt Zeeb – also Abstand, Hygiene und Alltagsmaske. Diese gelten genauso wie zuvor. "Ich habe jedenfalls noch keine wissenschaftliche Beweisaufnahme gesehen, die besagt, es müsste jetzt zwei statt 1,5 Meter Abstand eingehalten werden."

Steht Bremen vor der dritten Corona-Welle?

Video vom 22. Februar 2021
Der Epidemiologe Hajo Zeep im Interview bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Kristian Klooß Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. Februar 2021, 19:30 Uhr