So unterscheiden sich die Corona-Maßnahmen in Bremen und Niedersachsen

Trotz ihrer räumlichen Nähe vertreten Niedersachsen und Bremen in Sachen Corona-Lockerungsmaßnahmen teils deutlich andere Herangehensweisen. Ein Überblick.

Der Eingang zu einem Bremer Geschäft, der mit einem Gitter zugesperrt ist.
Was hat auf, was hat zu? Bremen und Niedersachsen sind sich da nicht in jedem Fall einig. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Kontaktbeschränkungen werden in beiden Bundesländern gelockert. So können sich bald Mitglieder von zwei Haushalten treffen. Das gilt voraussichtlich ab dem 13. Mai. Wie groß die Haushalte sind, also wie viele Menschen dazu gehören, ist nicht reglementiert. So können sich auch mehrere Menschen einer Wohngemeinschaft mit mehreren einer anderen treffen, wie Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sagte. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nennt für diese Lockerung keine Höchstzahl.*

Auch das Besuchsverbot in Pflegeheimen und Krankenhäusern soll bei beiden Länder-Nachbarn gelockert werden: Jeder Patient oder Bewohner kann von einer benannten Person besucht werden. Dafür bedarf es allerdings eines Hygienekonzepts der Einrichtungen. In Bremen geht man erst von einer Lockerung ab dem 13. Mai aus.

Niedersachsens Restaurants können früher öffnen

Mehrere gestapelte Stühle vor einem Restaurant stehend.
Für die Gastronomie wird es Auflagen geben, um den Betrieb wieder aufnehmen zu dürfen.

Während in Bremen noch ein Plan für Gastronomie und Hotellerie entworfen und erst am 12. Mai besprochen werden soll, dürfen Restaurants, Gaststätten, Cafés und Biergärten in Niedersachsen schon ab dem 11. Mai öffnen. Der Fünf-Stufen-Plan der Landesregierung erlaubt sowohl im Innen- als auch Außenbereich eine maximale Auslastung von 50 Prozent. Das gab Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) bereits am Montag bekannt. Gäste müssen aber vorher reservieren und ihre Kontaktdaten hinterlegen. Bars und Diskotheken bleiben weiterhin in beiden Bundesländern geschlossen.

Ebenfalls am 11.Mai sollen dann auch Niedersachsens Ferienhäuser und -wohnungen öffnen dürfen, die Hotellerie folgt ab dem 25. Mai – und dürfen dann ebenfalls maximal bis zur Hälfte ausgelastet sein.

Die Strände von Cuxhaven werden schrittweise geöffnet. Ab sofort sind wieder Eigentümer von Zweitwohnungen und Dauercamper in der Stadt an der Nordsee willkommen und dürfen auch an die Strände kommen.  Auf die Inseln dürfen Besucher von Lebenspartnern, Eltern oder Kindern reisen und wer dauerhaft auf der Insel arbeitet. Auch Tagestouristen dürfen wieder auf die Inseln, sofern die jeweilige Kommune es erlaubt.

Unterschiedlicher Umgang mit Bußgeldern

Eine Frau sitzt mit Schutzmaske in einem Linienbus.
Einstieg nur mit Maske: Diese Vorgabe hat auch weiterhin Bestand. Bild: Imago | Petra Schneider

In Bus und Bahn sowie beim Einkaufen ist das Maskentragen in beiden Bundesländern weiterhin Pflicht. Während in Bremen allerdings bewusst auf eine Strafe für das Nichttragen verzichtet wird, droht in Niedersachsen ein Bußgeld von 20 Euro.

"Meine Erfahrung ist, dass die Maskenpflicht sehr breit eingehalten wird", urteilt Bremens Bürgermeister Bovenschulte. Deswegen sehe man von einer Strafgebühr ab. "Unter diesen Verhältnissen zeigt sich, dass die Bremerinnen und Bremer diszipliniert sind."

Freizeitmöglichkeiten laufen langsam wieder an

Seit gestern können Zoos und Tierparks, botanische Gärten, Freizeitparks, Freilichtmuseen, Outdoor-Sportanlagen und andere weitläufige Anlagen im Freien in Niedersachsen wieder öffnen – dabei muss aber auf den Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet werden. Entsprechend dürfen keine langen Warteschlangen entstehen und Hygienemaßnahmen müssen vorbereitet werden.

Erst zwei Tage später, nämlich am morgigen 8. Mai, öffnet der "Zoo am Meer" in Bremerhaven. Die Bremer Museen dürfen wieder Besucher empfangen, sobald sie ein Hygienekonzepte vorliegen haben. Unter Einhaltung von Hygienevorschriften dürfen auch Musikschulen, Volkshochschulen sowie Kosmetik- und Nagelstudios ihren Betrieb aufnehmen.

Erleichterungen für Eltern in Bremen und umzu

Zu sehen ist eine Spielplatzschaukel, im Hintergrund spielen Kinder.
Auch auch Spielplätzen gilt nach wie vor "Abstand halten".

Die Spielplätze im Freien sind in beiden Bundesländern wieder freigegeben. Dabei soll die Aufsichtsperson darauf achten, dass sich an den Abstand von 1,5 Metern gehalten wird. In Niedersachsen gilt eine Altersbeschränkung für Kinder bis 12 Jahren. Das Einnehmen größerer Mahlzeiten oder Grillen ist nicht gestattet.

In Niedersachsen ist die private Betreuung von höchstens fünf Kindern, die nicht zum eigenen Hausstand gehören, zulässig. Die Kinder dürfen aus höchstens drei unterschiedlichen Familien stammen. Außerdem darf die Betreuung nicht den ganzen Tag andauern und ist auf maximal drei Monate begrenzt.

Während in Bremen die Notbetreuung in Kitas und Schulen zwar ausgeweitet, aber auf das aus Sicht des Senats notwendige Maß reduziert bleiben soll, will das Land noch mehr Kinder, die Bedarf haben, eine Betreuung bieten.

In Bremen sollen alle Grundschüler wieder ab dem 18. Mai in die Schule gehen können. Für die Schüler von weiterführenden Schulen wird noch ein Plan entworfen. Niedersachsen verfolgt hier den Fünf-Stufen-Plan: Ab dem 11. Mai kehren die Schuljahrgänge 13, 12, 9/10, 4 und 3 stufenweise zum Präsenzunterricht zurück. Ab dem 25. Mai kommen die restlichen Jahrgänge hinzu.

Planbare Eingriffe in Krankenhäusern

Pflegepersonal mit Mund-Nasenschutz in Teambesprechung.
Corona wird noch länger Einfluss auf den Krankenhausbetrieb haben. Bild: Gesundheit Nord gGmbH | Kerstin Hase

Auch die Krankenhäuser dürfen in beiden Bundesländern wieder planbare Leistungen vornehmen. Allerdings gelten in Niedersachsen strenge Auflagen: 20 Prozent der Kapazitäten auf Normalstationen müssen für Corona-Patienten reserviert sein, 25 Prozent im intensivmedizinischen Bereich. Zudem muss sichergestellt sein, dass innerhalb von 72 Stunden weitere 20 Prozent der Betten freigemacht werden können.

Auch in Bremen muss sichergestellt sein, dass die Kliniken weiterhin ausreichende Kapazitäten für Covid19-Patienten bereithalten und kurzzeitig in der Lage sind, Intensivbetten wieder entsprechend aufzustocken.

Bei Religion und Sport herrscht Einigkeit

Zumindest im Bezug auf Gotteshäuser sind sich die beiden Bundesländer Länder einig: Religiöse Feiern in Kirchen, Synagogen und Moscheen sind nun wieder möglich, wenn sichergestellt wird, dass jede Person jederzeit den Mindestabstand einhält. Die gemeinsame Nutzung von Gegenständen wie Gesangsbüchern oder Weihwasserbecken ist nicht gestattet.

Und auch kontaktloser Sport im Freien ist jetzt sowohl in Niedersachsen als auch Bremen wieder zulässig. Auch hier gilt der Mindestabstand und Umkleideräume oder Duschen dürfen nicht genutzt werden.

*Zuvor hatten wir geschrieben, dass Bremen Treffen eines Haushalts mit einer weiteren Person pro Haushalt erlaubt. Das ist nicht korrekt und wir haben das geändert.

Mitschnitt der PK zu Corona-Lockerungen nach Bund-Länderkonferenz

Video vom 6. Mai 2020
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte spricht im Bremer Rathaus.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Autorin

  • Johanna Ewald

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. Mai 2020, 7:40 Uhr