Was Bremer Jugendliche beim heutigen Corona-Kinder-Gipfel fordern

Audio vom 1. Oktober 2021
Kleine Kinder beim Fußballspielen
Bild: DPA | Georg Hochmuth
Bild: DPA | Georg Hochmuth

Heute, beim zweiten Bremer Corona-Kinder-Gipfel mischen Jugendliche mit. Sie fordern klare Regeln, verlässlichen Unterricht und ständig offene Sportplätze. Doch nicht nur das.

Das Wichtigste sei, dass die Politik die Kinder und Jugendlichen nicht noch einmal außen vor lasse, sagt Nils Gutmann. Im bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie hätten Erwachsene Minderjährige leider immer wieder übergangen oder gar vergessen, stellt der 15-jährige Gymnasiast aus dem Jugendbeirat Horn-Lehe fest. Nils zählt zu jenen Jugendlichen, die beim heutigen zweiten Bremer Corona-Kinder-Gipfel vortragen werden, was aus ihrer Sicht bislang falsch gelaufen ist in der Pandemie – und was sie sich für die Zukunft wünschen.

Stand der erste Bremer Corona-Kinder-Gipfel im Juni dieses Jahres im Zeichen einer Bestandsaufnahme, die fast ausschließlich volljährige Akteure aus der Kinder- und Jugendarbeit erstellt hatten, so möchte der Senat diesmal die Betroffenen, also Kinder und Jugendliche, stärker beteiligen. Nils hat sich nicht lang bitten lassen. Zusammen mit neun anderen Schülerinnen und Schülern aus den Jugendbeiräten und Jugendforen Bremens hat er bei einem Fachtag Anfang September eine Präsentation für den heutigen Corona-Kinder-Gipfel vorbereitet. "Keine Klausuren mit Maskenpflicht!", lautet eine der Forderungen aus der Präsentation, verrät Nils vorab.

Auch die 19-jährige Anna Udoh aus dem Jugendbeirat Vegesack war beim Fachtag zur Vorbereitung des heutigen Gipfels dabei. Die meisten Kinder und Jugendlichen forderten, dass die Schulen und die Sportanlagen grundsätzlich geöffnet bleiben sollen, auch dann, wenn sich die pandemische Lage verschlechtert, sagt Anna und fügt hinzu: "Zumindest dürfen die Schulen nicht wieder vollständig geschlossen werden."

"Wir fordern verlässlichen Unterricht"

Eine Lehrerin mit Schutzmaske erklärt Kindern mit Schutzmaske eine Aufgabe
Masken während des Unterrichts fanden die meisten Schülerinnen und Schüler noch hinnehmbar. Beim Schreiben einer Klausur aber seien sie unzumutbar, sagt ihr Sprecher Nils Gutmann. Bild: DPA | Ennio Leanza

Nicht nur, dass vielen das Miteinander in der Schule während der Lockdown-Zeiten gefehlt habe. "Es sind auch längst nicht alle Schülerinnen und Schüler gut beim Online-Unterricht mitgekommen", stellt Anna fest. Auch viele Lehrerinnen und Lehrer hätten damit Mühe gehabt, von technischen Problemen mit der Lernsoftware gar nicht zu reden. "Umso mehr hätten wir uns bessere Begründungen für die Schulschließungen gewünscht", sagt Anna. Nils ergänzt: "Mal Distanz-, mal Präsenz-, manchmal gar kein Unterricht: Darüber haben sich viele geärgert. Wir fordern einen verlässlichen Unterricht."

Vielleicht noch stärker als die Schließzeiten in den Schulen habe viele Jugendliche aber getroffen, dass die Sportangebote in der Pandemie über ihre Köpfe hinweg zusammengestrichen worden seien.

Im Fernsehen lief Profi-Fußball, und unsere Sportanlagen waren dicht.

Schülerin Anna Udoh (19)

Die Kinder und Jugendlichen wollen künftig gefragt werden, ehe die Politik derartige schwerwiegende Eingriffe in ihre Freizeit wie das Schließen von Sportstätten einfach beschließt, erklärt Anna. Auch wünschten sich viele eine bessere psychologische Betreuung in Krisenzeiten, etwa durch Vertrauenslehrer: "Viele von uns haben im Lockdown Ansprechpartner vermisst", sagt die Schülerin der Oberschule Lerchenstraße.

Jugendliche wollen mehr Geld für Kitas

Dunkelhaariger Teenager mit buschigen Augenbrauen und blauem Pulli
Sagt Senat und Abgeordneten heute, was Kinder und Jugendliche von der Politik erwarten: der 15-jährige Gymnasiast Nils Gutmann aus Bremen-Horn. Bild: Nils Gutmann

Doch nicht nur die Situation an den Schulen gibt den Kindern und Jugendlichen zu denken. Auch die angespannte Lage an vielen Bremer Kitas in der Pandemie sei ein Thema beim Fachtag gewesen, berichtet Nils. Daher wollen sich die Jungen und Mädchen beim heutigen Corona-Kinder-Gipfel dafür stark machen, dass Bremen seine Kitas mit mehr Geld ausstattet, beispielsweise um mehr Personal einstellen zu können. Zudem werden die Jugendlichen flächendeckendes W-Lan in Bremen fordern, verrät Nils. "Davon hätten auch die Erwachsenen was", fügt er lachend hinzu.

Wurden Bremer Jugendliche in der Pandemie alleine gelassen?

Video vom 9. Juli 2021
Jugendlicher fährt alleine Skateboard.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 1. Oktober, 8 Uhr