Infografik

Anscheinend geringe Corona-Ansteckungsgefahr in Bremer Schulen

Von den knapp 200 Corona-Fällen an Schulen in Bremen in den letzten vier Wochen liegt nur bei einem Fünftel der Infektionsort sicher in der Schule. Das ergibt eine Auswertung des Gesundheitsamtes.

Schülerinnen und Schüler einer sechsten Klasse stehen vor Beginn des Unterrichts mit Mund-Nase-Masken vor ihrem Klassenraum.
So voll darf die Schule nicht sein, ohne zum Infektionsrisiko zu werden. Bild: DPA | Gregor Fischer

Allerdings gibt es eine nennenswerte Grauzone. In 37 Prozent der Fälle spricht das Gesundheitsressort von einem "unbekannten" Übertragungsort. Es könnte möglicherweise auch die Schule gewesen sein. Sicher hingegen sei: In fast 40 Prozent der Fälle ist die Familie der Ansteckungsort, in fünf Prozent spricht die Behörde von "sonstigen" Orten, die aber bekannt seien. Die Auswertung basiert auf 195 untersuchten Schülerinnen und Schülern mit einer Corona-Infektion.

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Zentral für die Auslegung der Daten ist somit, wohin man die "unbekannten" Ansteckungsorte packt. Werden sie vorrangig dem Infektionsort "Schule" zugeschlagen, sähe es dort nicht mehr so richtig gut aus. Legt man hingegen auch da den Wert "jeder Fünfte Fall hat seinen Ursprung in der Schule", bliebe die in einem Bereich, der noch als halbwegs unter Kontrolle eingeschätzt werden könnte.

Ähnliche Bilder in Bremen und Hamburg

Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) sitzt auf einem Podium und schaut in die Kamera.
Bildungssenatorin Claudia Bogedan. Bild: DPA | Kay Nietfeld

Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) hatte die Schule bisher als "zu den sichereren Orten" gehörend bezeichnet. Verbunden mit der Erkenntnis: Die Schutz-Konzepte funktionierten offensichtlich und würden auch von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern beachtet und vollzogen. Zu so einem Schluss kam im übrigen kürzlich auch der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD): Seine Behörde hatte das Infektionsgeschehen an den Hamburger Schulen von Anfang August bis Anfang Oktober – also im Zeitraum zwischen den Sommer- und den Herbstferien – komplett wissenschaftlich auswerten lassen. Ergebnis auch dort: Nur etwas über 20 Prozent der Corona-Fälle an Schulen hatten ihren Ursprung eindeutig an der Schule. Rabes Fazit: "Es ist nicht logisch und auch nicht empirisch belegt, dass sich infizierte Kinder und Jugendliche vor allem in der Schule infizieren. Unsere ersten Untersuchungen weisen in eine andere Richtung."

Corona-Auflagen aus den Zahlen ableiten

Der Epidemiolohe Hajo Zeeb im buten un binnen Studio.
Der Epidemiologe Hajo Zeeb. Bild: Radio Bremen

Die Ergebnisse aus beiden Städten würden qualitativ durchaus zusammenpassen. Das überrascht den Bremer Epidemiologen Hajo Zeeb, der die Bremer Bildungsbehörde berät, keineswegs. Hamburg und Bremen sind sich als Großstädte und auch in der Schulstruktur ähnlich genug, dass die Zahlen vergleichbar sein sollten. Grundsätzlich ließe sich daraus die Schule "als relativ sicherer Ort" ableiten. Allerdings sei zumindest die Hamburger Studie mit Schlussdatum 4. Oktober angesichts der Entwicklung seither möglicherweise schon überholt.

Aus medizinischer Sicht spricht für Zeeb daher vieles dafür, diese Zahlen als Beleg dafür zu nehmen, dass es sinnvoll wäre, wo immer möglich auf Halbgruppen-Unterricht und ähnliche Modelle zurückzugreifen. Ziel müsse es in jedem Fall sein, möglichst wenig Kontakt und vor allem möglichst wenig räumliche Nähe zwischen den Personen im Klassenraum zu schaffen.

Bremer bauen Abluftanlage für Klassenräume

Video vom 19. November 2020
Die Abluftanlage des Max Planck Institut in Mainz für Klassenräume.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. November 2020, 19:30 Uhr