Trotz Katerstimmung: Kann sich die Bremer CDU Jamaika vorstellen?

Jamaika-Koalition oder Opposition: Was wünscht sich die Bremer CDU?

Video vom 29. September 2021
Elisabeth Motschmann, Thomas Röwerkamp und Carsten Meyer-Heder (Montage)
Bild: DPA | Christoph Hardt/Sina Schuldt/Carmen Jaspersen
Bild: DPA | Christoph Hardt/Sina Schuldt/Carmen Jaspersen

Regieren trotz Wahlniederlage? Das halten Spitzenpolitiker der Bremer CDU von einer möglichen Koalition mit FDP und Grünen.

Was da passiert ist am Sonntag, hat die CDU nicht nur kurzfristig erschüttert. Das schlechteste Bundestagswahlergebnis in der Geschichte der Union wirkt immer noch kräftigt nach: "Die CDU muss ihre schwerste Niederlage erst mal verdauen", sagt Elisabeth Motschmann, scheidende Bundestagsabgeordnete aus Bremen. "Es hat immer noch nicht jeder verinnerlicht, dass wir die Wahl verloren haben und dass wir keinen Anspruch auf eine Regierungsbeteiligung haben. Erst mal ist der Wahlsieger – und das ist Scholz – am Zug."

Thomas Röwekamp, Motschmanns Nachfolger als Bremer CDU-Abgeordneter im Bundestag, sieht es ähnlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass doch noch ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, Grünen und FDP an die Regierung kommen könnte, sieht er "eher bei 30 als bei 70 Prozent". Aber: Sollten die Sondierungsgespräche zwischen Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen scheitern, dann müsse die Union bereit sein, da sind sich Röwekamp und Motschmann einig. Bremens CDU-Vorsitzender Carsten Meyer-Heder wirbt noch einmal für die schwarz-grün-gelbe Koalition: "Ich halte Jamaika nach wie vor für die bessere Option für das Land."

Meyer-Heder: Laschet hat nicht so geliefert, wie erhofft

Wenn es denn überhaupt eine Chance für Jamaika gibt – können sich die Bremer CDU-Mitglieder diese Koalition nach der schockierenden Wahlniederlage überhaupt noch mit Armin Laschet an der Spitze vorstellen? Er habe sich ursprünglich auch für Laschet ausgesprochen, sagt Meyer-Heder, aber der habe dann nicht so geliefert wie erhofft. Elisabeth Motschmann glaubt nicht, dass Grüne und FDP sich im Falle eines Falles darauf einlassen würden, Laschet zum Kanzler zu wählen. Der sei durch die Wahl und im Wahlkampf beschädigt worden – durch die Medien, aber auch durch die eigenen Leute. Das mache es jetzt nicht einfacher.

Thomas Röwekamp stärkt Laschet zumindest etwas den Rücken: "Das Personal ist nicht die alleinige Ursache für unser schlechtes Abschneiden. Das wäre zu leicht. Und es wäre auch ein Irrglaube, wenn man annimmt, wir könnten jetzt durch eine Personalentscheidung zu alter Stärke zurückfinden." Vielmehr müsse die CDU sehr viel tiefer in die Themen einsteigen und sich fragen: "Geben wir den Menschen noch die richtigen Antworten auf die wichtigen Fragen?"

Autor

  • Jens Otto

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. September 2021, 19:30 Uhr