Interview

Meyer-Heder im Talk: Einmal Bürgermeister und zurück?

Im Interview mit buten un binnen spricht Carsten Meyer-Heder über seine Enttäuschung über das Jamaika-Aus und verrät, wie er sich seine Zukunft in der Bremer Politik vorstellt.

Carsten Meyer-Heder umringt von Reportern.
Herr Meyer-Heder, haben Sie die Entscheidung der Grünen schon verdaut?
Ja, das habe ich. Es ist zwar nun schon ein paar Tage her, es war am Anfang allerdings schon sehr enttäuschend.
Die erste Reaktion war einfaches Unverständnis, da die Signale in den Sondierungsgesprächen doch durchaus gut gewesen sind. Auch die von den Grünen angesprochenen inhaltlichen Differenzen sehe ich nicht. Alles in allem ist das schon sehr enttäuschend. Ich bin als Neueinsteiger in der Politik natürlich sehr stolz auf die vielen persönlichen Stimmen, die ich bekommen habe. So viele haben Herr Sieling, Frau Vogt und Frau Schäfer zusammen. Für mich ist das schon ein klares Signal der Bürger, dass sie mich gerne in der Regierung gesehen hätten.
Brauchten Sie etwas Zeit, um sich zu sammeln, zu reflektieren und Wut zu schnauben?
Ich bin eigentlich ein entspannter und gelassener Typ. Ich gucke immer schnell wieder nach vorne und das habe ich auch dieses Mal so gemacht. Und ich habe mich natürlich auch an mein Wahlversprechen erinnert, dass ich bei einem guten Ergebnis auch in der Politik bleibe. Und als stärkste Fraktion gewählt zu werden, ist für mich ein gutes Ergebnis. Dazu noch meine persönlichen 104.000 Stimmen, da habe ich nun entschieden, dass ich bleibe. Wir hatten eine sehr gute Stimmung in der Partei und diesen Schwung nehmen wir jetzt mit und greifen wieder an.
Glauben Sie, dass es wirklich eine reelle Chance auf Jamaika gab?
Vielleicht war es tatsächlich einen Tick weit naiv. Dass die Basis der Grünen gegen Jamaika sein würde, war uns schon irgendwie klar. Allerdings waren die Signale während der Sondierungsgespräche so positiv, dass wir schon daran geglaubt haben. Und Aufbruch sieht für mich anders aus. Jetzt wird es in der Regierung in Bremen weiter gehen wie die letzten 73 Jahre. Und das hilft Bremen nicht.
Paradoxerweise schimpfen die Grünen auf die SPD, wollen aber mit ihnen eine Koalition eingehen. Die Grünen sagen auch, wenn es im Endeffekt um Schwarz-Grün allein gegangen wäre, würden wir hier heute wahrscheinlich ein anderes Gespräch führen. Letztendlich liegt es an der FDP. Sind Sie sauer auf die FDP?
Nein. Das hat natürlich nicht geholfen, was Herr Lindner ausgerechnet am Wahlwochenende zum Thema Klimaschutz gesagt hat. Ich denke, dass Frau Steiner nichts dafür kann, was Herr Lindner sagt. Der hat sie auch vorher nicht gefragt. Frau Steiner war sehr offen, sehr gesprächs- und kompromissbereit. Da mache ich der FDP überhaupt keinen Vorwurf.
Wie bewerten Sie den Umgang mit der SPD mit dem Wahlergebnis? Stand jetzt bleibt alles beim Alten.
Ich denke, dazu ist alles gesagt. Da müssen sich die Bürgerinnen und Bürger selber ein Bild machen, ob Herr Sieling wirklich einen Regierungsauftrag hat oder nicht, das soll jeder für sich selber entscheiden. Ich bewerte das hier nicht.
Sie wollen einerseits Ihr Bürgerschaftsmandat annehmen und außerdem beim nächsten Parteitag im Juni Parteivorsitzender werden. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Das letzte Jahr hat mir Spaß gemacht, ich habe viel gelernt und ich habe versprochen weiterzumachen. Ich habe 104.000 persönliche Stimmen und denen bin ich etwas schuldig. Ich bin natürlich auch gefragt worden und bekam am Abend noch einen Anruf von Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich für meinen Verbleib ausgesprochen hat.
Mussten Sie lange überlegen?
Nein. Also nur die allererste Reaktion war so, dass ich hinschmeißen wollte. Dann habe ich mich aber schnell an das Versprechen erinnert und das gehört sich dann so, das auch einzuhalten.
Warum wollen Sie nicht direkt Fraktionsvorsitzender werden? Da könnten Sie doch eigentlich viel mehr bewegen.
Ja, aber wir haben einen sehr guten Fraktionsvorsitzenden, mit dem ich auch wirklich gut zusammen gearbeitet habe und auf eine weitere gute Zusammenarbeit freue ich mich dann auch als Landesvorsitzender.
Wie wollen Sie diese vier Jahre dann nutzen? Ist das vielleicht auch eine gute Gelegenheit, um jetzt Politik erstmal richtig zu lernen?
Natürlich. Ich habe jetzt schon viel gelernt. Es gibt da aber immer noch viele Dinge zu lernen. Auch mal konkret an die Arbeit zu gehen. Da ich bisher nur im Wahlkampf war, habe ich ja noch gar nicht politisch gearbeitet. Das ist sicher auch sehr heilsam für mich, erstmal noch tiefer reinzukommen. Ich finde, wir haben es hier wirklich gut gemacht, uns als liberale, städtische Partei hingestellt und natürlich auch das Thema Klimaschutz für unseren Wahlkampf in den Fokus genommen. Das mag nicht jeder so sehen, aber ich finde, da kann sich die CDU auf Bundesebene auch etwas abgucken. Ich glaube, dass wir hier weiterhin modern vorangehen sollten wie wir es bisher getan haben und dafür stehe ich natürlich auch.
Treten Sie in vier Jahren dann erneut als Spitzenkandidat der CDU an?
Da reden wir in dreieinhalb Jahren nochmal drüber.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Juni 2019, 19:30 Uhr