Bremer Flughafen-Chef von Aufgaben entbunden

  • Vorsitzender des Aufsichtsrats spricht von "schweren Störungen"
  • Entscheidung fiel am Freitag
  • Chef des Flughafens wird Fehlverhalten bei Tarifverhandlungen vorgeworfen
der ehemalige Bremer Flughafen-Chef Jürgen Bula auf dem Rollfeld

Der Chef des Bremer Flughafens, Jürgen Bula, ist von seinen Aufgaben entbunden worden. Das hat der Aufsichtsrat am Mittag bekanntgegeben. Bula war Fehlverhalten bei Tarifverhandlungen vorgeworfen worden: Im Juni soll er bei wichtigen Gesprächen betrunken gewesen sein. Das Kontrollgremium hatte bereits am Donnerstag bis in die Nacht über die Zukunft Bulas beraten. Am Freitag war die Sitzung fortgesetzt worden.

Die Begründung für die Abberufung Bulas fällt spärlich aus. Der Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats, Ekkehart Siering, erklärte, dass es schwere Störungen zwischen Geschäftsführer und Mitarbeitern gegeben habe. Der Flughafen brauche nun einen personellen und organisatorischen Neuanfang. Zu den Vorwürfen gegen Bula machte Siering keine Angaben.

Verschiedene Vorfälle am Flughafen haben gezeigt, dass es schwere Störungen zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt, und eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.

Ekkehart Siering, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Bremer Flughafens

Der Aufsichtsrat beschloss aber eine Sonderprüfung am Flughafen. Externe Gutachter sollen dem Vernehmen nach vor allem dem Umgang mit Investitionen nachgehen.
Bis ein Nachfolger für Bula gefunden ist, übernimmt kommissarisch die Personalchefin des Airports, Petra Höfers, die Geschäfte.

Buten un binnen hatte kürzlich über einen angeblichen Alkoholexzess des Flughafenchefs bei Tarifverhandlungen berichtet. Danach hatte der Betriebsrat seine Entlassung gefordert. Zu dem Vorfall soll es bei Tarifverhandlungen gekommen sein. Vertreter des Flughafens hatten sich mit Vertretern der Tochtergesellschaft Bremen Airport Handling (BAH) am 13. Juni 2017 getroffen. Nach Informationen von buten un binnen ging es an diesem Abend um Summen in Millionenhöhe. Verhandlungsführer auf Seiten des Flughafens sollen Finanzstaatsrat Hans-Henning Lühr und der Geschäftsführer des Flughafens, Jürgen Bula, gewesen sein. Bula soll an dem Abend im Atlantic Hotel so betrunken gewesen sein, dass Lühr ihn um 21 Uhr von der Verhandlungsführung entband.

Bula bestritt Verhandlungsführer gewesen zu sein

Bula bestritt gegenüber buten un binnen, Verhandlungsführer gewesen zu sein. Auch sei er nicht betrunken gewesen. Als er von den Vorwürfen erfahren habe, habe er sofort das Gespräch gesucht. Er bestätigte, abgemahnt worden zu sein. Das sei auch richtig so, sagte Bula weiter. Er gebe zu, dass er ebenso wie die anderen der 17 Teilnehmer auf das Ergebnis angestoßen habe. "Das ist ein Fehler, der wird mir nicht mehr passieren. Das habe ich auch öffentlich bereits mehrfach gesagt im Unternehmen."

Bula war 2009 von der Lufthansa an den Bremer Airport gekommen. Unter seiner Führung hatte sich der Flughafen zunächst gut entwickelt. Doch zuletzt gingen die Passagierzahlen zurück, und der Airport rutschte ins Minus.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 10. November 2017, 6 Uhr