Bürgerbüro-Frust in Bremerhaven: So soll sich die Situation bessern

Lange Wartezeiten, Überlastung, Probleme mit Diskretion, Datenschutz und Arbeitsbedingungen – das Bürgerbüro Bremerhaven erntet viel Kritik. Nun soll es besser werden.

Eingang des Bürgerbüro Mitte mit Hinweis-Schildern
Am Eingang des Bürgerbüros Mitte hängen Hinweis-Schilder: Wegen Personalmangels kann es zu längeren Wartezeiten kommen.

Bürger haben Pflichten, fühlen sich bei der Erfüllung jedoch vernachlässigt. Wer spontan ein Anliegen hat, muss quasi vor der Tür campen, um dranzukommen. Diskretion und Datenschutz leiden aus Platzgründen. Anschuldigungen, die in sozialen Medien jüngst wieder diskutiert wurden. Kunden wandten sich wegen vermeintlich unzureichender Arbeitsbedingungen im Bürgerbüro auch an buten un binnen. Ein FDP-Antrag zu "unzumutbaren Zuständen" wurde mittlerweile zurückgezogen. Der Sprecher des Magistrats, Volker Heigenmooser, stellt sich der Kritik und berichtet, wie die Stadt dem Frust beikommen will.

1 Vorwurf: Mitarbeitermangel und Terminsituation

"So viele Beschwerden sind es gar nicht", sagt Heigenmooser. Er kündigt dennoch mehr Personal an. Insgesamt hat das Bürgerbüro in Bremerhaven 35 Mitarbeiter, 16 in Mitte, eine halbe Stelle soll dort hinzukommen. In Nord sind es 19 Beschäftigte, drei zusätzliche sind geplant. Eine weitere Stelle im Backoffice soll den Kundenkontakt entlasten. In Vorbereitung sind zudem zwei mobile Stellen. Für die Terminvergabe empfiehlt Heigenmooser den Online-Service. Zu einem kürzlichen Aufreger sagt er: "Dass jemand angeblich über 600 Kilometer nach Bremerhaven fährt, um ein Auto zu kaufen, und dann bei der Zulassung abgewiesen wird, das ist dumm gelaufen." Es sei immer schlau, sich vorher zu informieren.

2 Vorwurf: Zu wenig Platz

Nach dem Auszug der Ausländerbehörde wurde laut Heigenmooser eine Umgestaltung für das Bürgerbüro Mitte angeschoben.

Der Wartebereich wird vergrößert, ein Extra-Schalter zur Abholung von Ausweisen kommt hinzu, auch bei den Arbeitsplätzen gibt es bauliche Veränderungen.

Volker Heigenmooser, Sprecher des Magistrats

Dieser Umbau ginge allerdings nicht von heute auf morgen. Vorher hätte es keine Möglichkeiten für solche Maßnahmen gegeben. Zum 1. April verlässt außerdem Bremerhaven Bus seine Räumlichkeiten am Bürgerbüro. "Diese werden zunächst zur Abwicklung der anstehenden Briefwahl genutzt. Später entsteht hier ein Info-Schalter, um die räumliche Situation zu entspannen." Auch in Nord läuft demnach der Umbau. "Es wurde gestrichen und der Teppich gereinigt, neue Türen wurden in Auftrag gegeben."

3 Vorwurf: Probleme mit Diskretion und Datenschutz

Die Arbeitsplätze sind so gestaltet, dass man nicht ohne weiteres hören kann, was dort gesprochen wird, sagt Heigenmooser.

Datenschutz spielt beim Magistrat eine große Rolle.

Volker Heigenmooser, Sprecher des Magistrats

So habe der Amtsleiter mit zwei Mitarbeitern der Landesdatenschutzbeauftragten das Büro besucht. Die Datenschützer seien überrascht gewesen – positiv. Sie hätten sich die Situation nach anonymen Schreiben schlimmer vorgestellt. Zwei Hinweise gab es dennoch: Folien auf Bildschirmen wurden zum Schutz vor seitlicher Einsicht empfohlen, ebenso das Verrücken zweier Schreibtische. Das Aufrufsystem sei für die Datenschützer ohne Beanstandung gewesen, da nur Namen und nicht Anliegen genannt werden. Laut Heigenmooser soll künftig dennoch mit Nummern gearbeitet werden.

4 Vorwurf: Unzureichende Arbeitsbedingungen

Im Internet kursieren Fotos die einen mit Kopierpapier aufgebockten Schreibtisch im Bürgerbüro zeigen – nach Angaben des Magistratssprechers eine scherzhafte Maßnahme. Einer Kollegin habe umgehend ein in der Höhe adäquater Arbeitsplatz ermöglicht werden sollen. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist bestellt, so Heigenmooser. Schuld an der teilweise monierten schlechten Luft im Bürgerbüro Mitte sei eine fehlerhafte Be- und Entlüftungsanlage. Die Verwaltung des Columbus Centers sei informiert, das Problem soll behoben werden. Außerdem sollen sich künftig die Fenster öffnen lassen.

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. März 2019, 23:30 Uhr