Impfung von Schülern in Bremen: Bremst Impfkommission die Pläne aus?

Video vom 26. Mai 2021
Jugendliche mit Masken sitzen in einem Klassenraum.
Bild: Radio Bremen
Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will offenbar nur für wenige vorerkrankte Jugendliche Impfungen empfehlen. Für Bremens Schulimpfkonzept hätte das Folgen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) will offenbar den Impfstoff von Biontech-Pfizer nicht grundsätzlich für Jugendliche empfehlen. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, tendiert die Stiko derzeit dazu, das Impfen bei den 12- bis 15-Jährigen nur für Jugendliche mit bestimmten chronischen Erkrankungen zu raten.

Trotzdem bereiten erste Bundesländer, darunter Bremen und Niedersachsen, bereits die Impfung aller Schülerinnen und Schüler vor.

Bremen plant bislang Impfung von gut 36.000 Schülern

In Bremen gibt es dafür zwar noch keinen konkreten Zeitplan. Klar ist aber: Es wird in den Impfzentren und durch mobile Teams geimpft. Auch Kinder- und Hausärzte sollen einbezogen werden. Bisher plant Bremen, gut 36.000 Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren zu impfen, wenn entsprechende Impfstoffe bis voraussichtlich Anfang Juni zugelassen und verfügbar sind und die Stiko eine entsprechende Empfehlung abgibt. Nach dieser will sich Bremen dann richten.

Dass diese nun anders ausfallen könnte, sei für die Vorbereitungen des Gesundheitsressorts "nur nebensächlich relevant", sagte Gesundheitssprecher Lukas Fuhrmann. "Uns ist es wichtig, dass wir in Bremen gut auf eine mögliche Zulassung und Empfehlung vorbereitet sind – ob es sich dabei um eine sofortige Empfehlung für die 12-17-Jährigen handelt oder in einem ersten Schritt nur eine Empfehlung für die 16-18-Jährigen."

Wir kennen die Äußerungen einzelner Stiko-Mitglieder und entwerfen dazu jetzt genaue Pläne: mit welchen Altersgruppen könnten wir starten? Was braucht es, um die Vorerkrankten unter 16 Jahren zu impfen?

Lukas Fuhrmann äußert sich im Interview zu den Rechten von vollständig geimpften Bremern
Lukas Fuhrmann, Sprecher Gesundheitsressort

Sollten sich die Empfehlungen der Stiko ändern, wäre Bremen "dann auch in der Lage, diese geänderten Empfehlungen umzusetzen und auch Jüngere zu impfen", erklärte Fuhrmann gegenüber buten un binnen.

Empfehlungen für Kinder unter 16 Jahren schwierig

Für Ärzte ist die Zurückhaltung der Stiko keine Überraschung. "Ich erwarte es erstmal genau so, dass die Stiko eine Empfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen gibt", sagt Stefan Trapp, Landesvorsitzender des Bremer Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Eventuell könne die Empfehlung auch bei Reisen in bestimmte Risikogebiete ausgesprochen werden. Trapp zufolge seien allgemeine Empfehlungen für Kinder unter 16 Jahren schwierig.

Es gibt dazu bislang zu wenige Impfstudien. Und Kinder sind ja auch ganz selten von schweren Verläufen betroffen.

Kinderarzt Stefan Trapp
Stefan Trapp, Landesvorsitzender des Bremer Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Bis Mitte Mai habe es dem Robert Koch-Institut zufolge in Deutschland lediglich 18 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona von Jugendlichen gegeben. Bei den 13 Fällen, die nachträglich dokumentiert werden konnten, habe es sich durchweg um Fälle mit Vorerkrankungen gehandelt, sagt Trapp.

Das Vorgehen der Bremer Politik lobt der Mediziner. "Die Senatorin hat uns im Vorfeld einbezogen", sagt Trapp. Dabei sei es seinem Verband wichtig gewesen, dass vor einer finalen Entscheidung über Impfungen von Schülern eine Stiko-Empfehlung vorliege. "Denn wir brauchen diese Empfehlung einfach als Beratungsgrundlage."

Auch der Bremer Kinderarzt Marco Heuerding weißt darauf hin, dass eine Empfehlung wichtig sei. Aber die Stiko müsse eine solche Empfehlung eben auch sehr genau prüfen, weil zum jetzigen Zeitpunkt noch eine klare Datengrundlage fehle. Und man dürfe die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern nicht davon abhängig machen, ob sie geimpft sind oder nicht, so Heuerding.

"Freiheiten der Kinder nicht von Impfungen abhängig machen"

Video vom 26. Mai 2021
Der Kinderarzt Marco Heuerding steht mit einem Stethoskop um den Hals in einem Flur.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Mai 2021, 19:30 Uhr