Dauer-Stau in Bremen: Unternehmer zieht nach Niedersachsen

Carsten Burfeind reicht es: Weil er zu viel Arbeitszeit in den Staus rund um Bremen verbrachte, zieht er nun mit seiner Firma von Burgdamm nach Groß Mackenstedt.

Stau auf der B75 in Bremen.

Bereits um 6:30 Uhr ist Carsten Burfeinds Ehefrau mit ihrem Wagen vom Hof des schicken Schwedenhauses gerollt, um die 30 Kilometer Fahrweg ins Gewerbegebiet am Steindamm in Burgdamm anzutreten. Dort ist der bisherige Firmensitz des Familienbetriebs, das Schiffsmasten vertreibt. Momentan stecken die Burfeinds mitten im betrieblichen Umzugsstress, von Bremen-Nord ins niedersächsische Groß Mackenstedt. Den Umzug begründen sie mit dem Dauer-Stau rund um Bremen.

Als Carsten Burfeind dann selbst die Kaffeetasse in die Spüle stellt und die Reise antritt, ist es kurz nach sieben. "Das ist jetzt schon eine Risikozeit um loszufahren, wenn man sicher gut durchkommen will", sagt er. Aus dem Ort schafft er es ganz gut, über die A28 rüber zur B75 kommt er auch noch ganz zügig. Aber vor dem Blitzer in Huchting beginnt dann das Stop-And-Go-Fahren.

Gerne erinnert sich Burfeind an 2001, als er die Firma zusammen mit seiner Frau von Gründer Günter Hahnfeld übernommen hat.

Da haben wir morgens mal 30, mal 35 Minuten für die Strecke gebraucht – und es war nicht anstrengend. Heute stehst Du oft, hast im besten Fall zähfließenden Verkehr und brauchst selten unter einer Stunde, aber eben oft auch mal anderthalb Stunden.

Carsten Burfeind, Unternehmer

Ihn nervt, dass sich wegen der Staus kaum noch etwas zeitlich verlässlich planen lasse.

Vergeudete Zeit auf der Straße

Für sich, seine Frau und seinen Sohn Ole kommt er hochgerechnet auf 14 zusätzliche Stunden auf den Straßen – pro Woche. "Das sind zwei Arbeitstage, die man da pro Woche nicht effektiv nutzen kann. Das geht einfach nicht", sagt Carsten Burfeind. Er sei genervt wegen des Baustellenmanagements in Bremen, wie er es als Nutzer des Verkehrssystems erlebt. Das gehe einfach nicht mehr, wenn man mit Masten und Material auch mal nach Kiel, Rostock oder Emden müsse.

In Bremen dauert alles gefühlt viermal so lange wie nötig. Wir mussten uns etwas einfallen lassen.

Carsten Burfeind, Unternehmer

Inzwischen ist sein Minivan aus dem zähfließenden Verkehr rund um die Autobahnauffahrt Überseestadt auf der dreispurigen A27 angekommen und er kann etwas schneller fahren – bis kurz vor die Lesumbrücke, wo eine Spur wegfällt. Wieder muss er warten. Nach fünfzig Minuten steht er bei Hahnfeld-Masten auf dem Hof und sagt spöttisch: "Das war richtig gut heute."

Mit seinem Sohn Ole wird er jetzt drei Stunden lang Masten auf den Spezialanhänger laden und es dann mittags zurück zur neuen Halle in Groß Mackenstedt wagen. Die erstreckt sich auf 560 Quadratmeter, Empore und Büro noch nicht eingerechnet. Die alte Halle hatte 400 Quadratmeter.
"Natürlich bekommen wir auch mehr Möglichkeiten und können mit dem Wagen jetzt komplett in die Halle fahren. Aber deshalb machen wir den Umzug nicht. Wir waren auch immer gerne in Bremen-Nord. Man mietet sich doch keine Halle und geht aus dem Eigentum raus, wenn mit dem Standort alles gestimmt hat", sagt Burfeind.

Kein Kommentar vom Wirtschaftssenator

Der Sprecher des Wirtschaftssenator will den Wegzug des ersten Nordbremer Unternehmens mit dem Grund Verkehrsfrust nicht kommentieren. Dabei handele es sich schließlich um einen Einzelfall, heißt es. Carsten Burfeind widerspricht entschieden: "Das zeigt doch die ganze Ignoranz der Politik und Behörden gegenüber unseren Problemen in der Wirtschaft."

Im April will er seine neue Halle in Groß Mackenstedt eröffnen. Im Oktober soll hier das 40-jährige Jubiläum von Hahnfeld-Masten gefeiert werden – einem vormals Urbremer Unternehmen.

  • Volker Kölling

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. März 2019, 19:30 Uhr