Holocaust-Gedenken: Bremens Bürgermeister mahnt zur Verantwortung

  • Bremens Senat hat an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert
  • Anlass war die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren
  • Bürgermeister Andreas Bovenschulte ruft zum Schutz von Grundwerten auf
Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der im rathaus an einem Pult eine Rede hält.
Andreas Bovenschulte (SPD) bei einer Rede im Rathaus. (Symbolbild)

Mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Oberen Rathaushalle hat der Bremer Senat am Donnerstag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz rief Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) dazu auf, rechtes Gedankengut in der Gesellschaft nicht hinzunehmen.

Bovenschulte sagte, wir hätten es versäumt, uns hinreichend mit unserer Täterschaft auseinanderzusetzen. Damit meint er nicht in erster Linie die offensichtlichen Täter, sondern die deutsche Gesellschaft der Normalen. Die einfachen Deutschen, diejenigen, die gesehen, mitgemacht, denunziert, profitiert, weggesehen, geduldet oder auch nur geschwiegen haben, sagte er.

Bereitschaft für Konflikte auch im Freundeskreis

Ohne diese Menschen wäre der Holocaust nicht möglich gewesen, sagte Bovenschulte. Heute, 75 Jahre nach dem politischen Ende des Nationalsozialismus, scheine die Vorstellung, einer überlegenen Gruppe anzugehören, um sich selbst aufzuwerten, für viele wieder attraktiv zu werden.

Noch sind solche Positionen in der Minderheit. Es ist unsere Aufgabe und unsere Antwort, unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie in der Minderheit bleiben.

Andreas Bovenschulte
Andreas Bovenschulte (SPD), Bremer Bürgermeister und Präsident des Bremer Senats

Der Kampf gegen rechte Gesinnungen fordere viel von uns, sagte Bovenschulte. Das fordere Engagement, die Bereitschaft Konflikte einzugehen in der Öffentlichkeit, aber oft auch im Privaten, im Freundeskreis.

Wir sind alle aufgefordert, unser demokratisches Gemeinwesen zu schützen, zu widersprechen, wenn Grundwerte unserer Gesellschaft in Frage gestellt werden.

Andreas Bovenschulte
Andreas Bovenschulte (SPD), Bremer Bürgermeister und Präsident des Bremer Senats

Nie wieder Auschwitz müsse wieder mehr als eine Floskel werden, findet Bovenschulte. "Nie wieder Auschwitz muss auch heißen, nie wieder Antisemitismus, nie wieder Rassismus, nie wieder Ausgrenzung und nie wieder Entrechtung."

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 24. Januar 2020, 7 Uhr