Kommentar

Corona-Kredit zahlen wir 30 Jahre lang ab: Ein notwendiges Übel

Bremen leiht sich 1,2 Milliarden Euro, um die Pandemie-Folgen zu bewältigen. Das kommt uns teuer zu stehen, ist aber der richtige Weg, meint unser Redakteur Karl-Henry Lahmann.

500 Euro Scheine
Bild: Imago | blickwinkel

Statt Einstieg in die Tilgung nun also "Bremen-Fonds" zur Abfederung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. 30 Jahre lang werden nachfolgende Politiker- und Steuerzahlende-Generationen je 40 Millionen Euro auf den Tisch des Bank-Hauses legen müssen. Plus Zinsen, so gering sie auch sein mögen. Ein Kraftakt, ohne jeden Zweifel.

Und dennoch: Ein notwendiges Übel. Bürgermeister Andreas Bovenschulte und der Senat haben vollkommen Recht, wenn sie sagen, dass die Alternative noch viel teurer geworden wäre. Reiner Zusammenbruch der Wirtschaft ohne jede Chance, hier zu helfen, dort zu retten und dann auch noch zu steuern, hätte eine Situation hinterlassen, die man sich einfach nicht vorstellen will.

Klimaschützende Maßnahmen der richtige Weg

Mehr noch: Angesicht der aktuellen Situation klingt es etwas schräg, für Betroffene geradezu sarkastisch, wenn Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) meint, man solle "die Corona-Krise im besten Fall als Chance begreifen". Und doch: Sie hat Recht. Die Ausrichtung des "Bremen-Fonds" auf klimaschützende Maßnahmen ist genau der richtige Weg. Es liegt ja nur an der aktuellen Großwetterlage, dass über das Klima nicht mehr geredet wird und nicht etwa daran, dass die Aufgabe Klimarettung erledigt wäre.

Das Gegenteil ist der Fall und die Verlockung, mit althergebrachten Rezepten vom Schlage "Abwrackprämie" gegenzusteuern, in manchen Zirkeln groß. VW-Chef Herbert Diess etwa hat bereits Kaufanreize für Autos gefordert. Weshalb sollte der Staat irgendwen dazu motivieren, sich ein Auto zuzulegen, das jetzt nicht ohnehin auf dem Zettel stand, statt das möglichst so lange rauszuzögern, bis wirklich klimaneutrale Antriebskonzepte auf dem Markt sind? Genau.

Klimaschutz muss gelingen

Also: Am Projekt Klimarettung ist kein Haken dran, sondern es ist dringlicher denn je. Wenn es also gelingen sollte, über Hilfsmittel, Zuschüsse, Investitionsprogamme, Unternehmensbeteiligungen einen Beitrag dazu zu leisten, dass Firmen als Klimasünder in die Krise rein und als klimaneutrales Unternehmen aus ihr herausgehen, ist viel erreicht. Sozial, strukturell, ökonomisch, ökologisch.

Ob das gelingen wird, steht in den Sternen. Den Versuch ist es allemal wert.

Finanzielle Folgen der Corona-Krise: Bremen muss Kredit aufnehmen

Video vom 28. April 2020
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte bei einer Pressekonferenz im Bremer Senat. Neben ihm eine Gebärdendolmtscherin.

Autor

  • Karl-Henry Lahmann

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. April 2020, 19:30 Uhr