Verspätungen und Ausfälle: Droht ein neuer Horrorsommer an den Flughäfen?

Im Juli 2018 waren 60 Prozent aller Abflüge vom Bremer Flughafen verspätet. Die Gewerkschaft deutscher Fluglotsen glaubt, dass es in diesem Sommer noch schlimmer wird.

Ein Flugzeug beim Start am Bremer Flughafen
Rund 60 Prozent der Flüge vom Bremer Flughafen waren im Juli 2018 verspätet.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat für heute zu einem Luftfahrtgipfel in Hamburg eingeladen. Der letzte fand im vergangenen Oktober statt. Damals wurden 25 Punkte beschlossen, um Verspätungen und Flugstreichungen zu reduzieren.

Beim Gipfel wird der Bremer Airport durch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen (ADV) vertreten. "Da der Bremer Flughafen kein großer Drehkreuzflughafen wie beispielsweise München oder Frankfurt ist, steht er auch nicht im Mittelpunkt des Geschehens" sagt die Pressesprecherin des Bremer Flughafens, Andrea Hartmann. Trotzdem sind auch in Bremen oft Flüge verspätet – im Juli 2018 hatten 60 Prozent der Abflüge ab dem Bremer Airport Verspätung, wie aus einer Statistik der europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt Eurocontrol hervorgeht. Hartmann sieht die Statistik kritisch, da darin bereits wenige Minuten als Verspätung gewertet werden. Im Juli 2018 startete ein Flug ab Bremen laut Eurocontrol durchschnittlich etwa 18 Minuten zu spät.

Fluglotsenmangel ist ein Grund für die Probleme

Ein Grund für die Verspätungen und Probleme ist der Fluglotsenmangel in Deutschland. Der ist bekannt und soll so schnell wie möglich behoben werden. Doch so schnell wie möglich ist nicht wirklich schnell: "Die Flugsicherung wird mehr Personal ausbilden, aber dieser Prozess dauert dann", erklärt Matthias Maas, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft deutscher Fluglotsen (GdF). In der Regel brauchen Fluglotsen vier Jahre, bis sie in selbständig arbeiten dürfen.

Und solange es noch nicht genug Fluglotsen gibt, wird es auch noch Verspätungen geben. Auch wenn Airlines und Flughäfen bereits Personal aufgestockt haben. "Die Flugsicherung gibt vor, wo geflogen wird", sagt Maas.

"Das ist wie wenn die Autobahn gesperrt wird. Dann muss man eine Umleitung nehmen und kann nicht einfach sagen: 'Ich fliege trotzdem da lang!'"

Matthias Maas, Bundesvorsitzender GdF

"In den nächsten Sommern wird es eher noch schlimmer"

Zwei Fluglotsen auf dem Tower am Flughafen in Bremen überwachen am 07.01.2014 den Luftverkehr rund um den Airport.  (Archivbild)
Ein Grund für die Verspätungen an deutschen Flughäfen: Es fehlen Fluglotsen. Bild: DPA | Ingo Wagner

Was den Fluglotsenmangel angeht, stehe Bremen nicht so schlecht da wie andere Flughäfen: "Auch in Bremen gibt es den Personalmangel, der ist aber nicht so eklatant wie an anderen Standorten", sagt Maas. Doch vor Verspätungen schützt das nicht. Flugzeuge fliegen jeden Tag bis zu zehn verschiedene Städte an: "Das Ganze ist ein Verbundsystem, wenn ein Flieger in Frankfurt verspätet startet und in Bremen landet, kann er auch von da aus nicht pünktlich starten."

Eine Verbesserung ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: "In den nächsten Sommern wird es eher noch schlimmer," so der Gewerkschaftschef.

Der Tiefpunkt wird wahrscheinlich der Sommer 2020 sein. Danach könnten die Maßnahmen und das neue Personal beginnen zu wirken.

Matthias Maas, Bundesvorsitzender GdF
  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 28. März 2019, 23:30 Uhr