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Bovenschulte: "Bin noch nie auf Corona gestestet worden"

Bremens Bürgermeister Bovenschulte musste sich seit Beginn der Pandemie noch keinem Test unterziehen. Er betont, dass es für den Senat keine Sonderregeln gibt.

Video vom 29. Oktober 2020
Andreas Bovenschulte im Interview.
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ist persönlich in der Corona-Pandemie bislang glimpflich davon gekommen – er musste noch nicht auf eine Infektion getestet werden, sagte er im buten-un-binnen-Interview. "Ich war noch nicht Kontaktperson und auch die App hat bei mir noch nicht angeschlagen, bisher habe ich da Glück gehabt." Vorsorgliche Corona-Tests gibt es für die Senatsmitglieder nicht, machte der Bürgermeister klar. Für ihn und seine Kollegen gälten dieselben Regeln wie für alle anderen im Land Bremen. "Wir wollen keine Sonderrolle für Senatsmitglieder haben, die dann Tests verbrauchen, die anderswo dringender gebraucht werden."

Um seine eigene Person macht sich der SPD-Politiker keine Sorgen. Seine Angst halte sich in Grenzen, aber seine Sorge mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung sei groß. Da sieht sich Bovenschulte in der Pflicht: "Ich will meine Vorbild-Rolle einnehmen." Wichtig sei es, einen guten Mittelweg zu finden. Man kann sich nicht komplett aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen, findet der SPD-Politiker. Aber man müsse eben alles einhalten, was rechtlich vorgegeben ist –zum Schutz der anderen.

Das was erlaubt ist, das muss auch möglich sein

Andreas Bovenschulte im Interview.
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte

"Corona-Geschehen lässt keine regionalen Lösungen mehr zu"

Unterschätzt hat der Senat aus Bovenschultes Sicht die Pandemie nicht. Mit Blick auf die wieder drastisch steigenden Infektionszahlen verweist er darauf, dass Bremen immer als eines der ersten Bundesländer die vereinbarten Maßnahmen ergriffen habe, oft schärfere als andere. Er habe sie als verhältnismäßig und effektiv empfunden, erklärte der Bürgermeister. "Ich bin tatsächlich immer davon ausgegangen, dass wir damit das Ausbruchsgeschehen in den Griff kriegen. Das hat sich als falsch herausgestellt."

Die Zeit der regionalen Lösungen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus ist nach Ansicht von Bovenschulte erst einmal vorbei. Weil sich inzwischen 75 Prozent der Infektionen nicht mehr zurückverfolgen lassen und die Zahlen bundesweit drastisch nach oben schnellen, muss aus seiner Sicht auch eine bundesweite Lösung her. "Jetzt ist es so, dass ein nationaler Kraftakt mit einheitlichen Regeln notwendig ist." Das bisherige Vorgehen habe nicht gereicht – möglichweise auch weil sich viele im privaten Raum offenbar nicht an die Corona-Vorgaben gehalten hätten. Das könne man nur schwer kontrollieren, sagte Bovenschulte. Es sei in einem Rechtsstaat auch nicht wünschenswert, in die Wohnzimmer der Leute zu schauen, machte er deutlich.

Die Strategie der Kontaktreduzierung funktioniert nur, wenn die Menschen sie mittragen

Andreas Bovenschulte im Interview.
Bremens Bürgermeister Bovenschulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 29. Oktober 2020. 19:30 Uhr