Interview

Bogedan sieht Schulen gerüstet: "Kein Unterricht muss ausfallen"

Am Donnerstag startet das neue Schuljahr. Im buten un binnen-Interview erklärt Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan, wie trotz Corona der Schulbetrieb gesichert werden soll.

Video vom 25. August 2020
Bildungssenatorin Claudia Bogedan im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Frau Bogedan, es ist ein großes Versprechen, das sie vor den Sommerferien gegeben haben: Regelunterricht für alle Schülerinnen und Schüler. Das heißt: Unterricht ab acht bis womöglich 16 Uhr. Können Sie das Versprechen einhalten?
Das können wir einhalten. Wir haben Gott sei Dank eine Lage, dass die Infektionszahlen immer noch so sind, dass es möglich ist, tatsächlich für alle Schülerinnen und Schüler wieder Unterricht nach Regel anzubieten. Das heißt, kein Unterricht muss ausfallen. Wir wissen auch, dass wir Lehrkräfte haben, die nicht im Präsenzunterricht sein können.

Wir haben Wege gefunden und finden weitere, damit auch sie eingesetzt werden können. Die digitalen Endgeräte sind eine Möglichkeit, dass eine Lehrkraft auch von zu Hause Schülerinnen und Schüler betreuen kann und womöglich gar nicht selber präsent sein muss.
Wie realistisch ist es, dass Schülerinnen und Schüler die Corona-Regeln einhalten und Lehrer dies auch kontrollieren?
Ehrlich gesagt ist das sehr realistisch. Wir haben sehr gute Erfahrungen vor den Sommerferien gesammelt. Bei der schrittweisen Schulöffnung haben wir gesehen: Insbesondere die kleineren Schülerinnen und Schüler sind sehr gut darin, sich an die Regeln zu halten. Wir hatten den ganz normalen Betrieb schon in den Grundschulen und das hat vorbildlich geklappt. Wir sehen es in der Öffentlichkeit eher, dass die Erwachsenen größere Probleme haben, sich an die Regeln zu halten oder auch die Mund-Nasen-Bedeckung richtig aufzusetzen.

Bei den älteren Schülerinnen und Schülern muss man manchmal auch noch ein bisschen hinterher sein. Da gehört es ja manchmal auch zum "Coolsein" dazu, dass man gegen eine Regel verstößt. Aber genau das ist normale pädagogische Arbeit, darauf einzuwirken, dass die Schülerinnen und Schüler im Sinne der Solidarität diese Regeln einhalten.
Coronafälle in anderen Bundesländern haben zu Schulschließungen geführt. Können Sie sich auch vorstellen, dass in Bremen Schulen bald wieder geschlossen werden könnten?
Was wir auf jeden Fall verhindern wollen, sind pauschale, komplette Schulschließungen. Alle Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, mit kleinen Schritten Infektionen zu begrenzen. Wir können nicht ausschließen, dass jemand, der Reiserückkehrer ist, womöglich eine Infektion in die Schule trägt. Aber wir haben alle Vorkehrungen getroffen, dann schnell reagieren zu können und die Vergangenheit hat gezeigt, dass dann auch kein weiterer Ausbruch mehr stattfindet. Es ist in der Vergangenheit gelungen, so schnell zu reagieren, dass nicht weitere Schülerinnen und Schüler infiziert worden sind.
Sie versprechen einen Regelunterricht – das heißt aber auch, dass alle Ressourcen gebraucht werden. Jetzt fallen viele Lehrerinnen und Lehrer in die Risikogruppe. Wie gehen Sie mit diesen um?
Ich muss erstmal sagen, ganz großes Kompliment: Viele Lehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, sind trotzdem zum Unterricht erschienen. Unsere Schulleitungen sind sehr kreativ gewesen und haben Mittel und Wege gefunden, wie auch diese Lehrkräfte eingesetzt werden können.

Beispielsweise muss eine Lehrkraft, die zur Risikogruppe gehört, nicht gleich in der großen Gruppe unterrichten. Es gibt viele Förderangebote an den Schulen, wo man in Kleingruppen arbeiten kann. Wir haben Schülerinnen und Schüler, die der Risikogruppe angehören, die auch Betreuung bedürfen. Also es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Das heißt: Diejenigen, die zur Risikogruppe gehören, sind im Dienst und können eingesetzt werden – müssen aber nicht zwangsweise im Präsenzunterricht sein.
Sie haben am Montag iPads ausgeteilt – das heißt, das Equipment ist vorhanden. Welche digitale Strategie verfolgen Sie? Gibt es da ein einheitliches Konzept?
Es gibt ein einheitliches Konzept, denn mit dieser Ausgabe sind alle Lehrkräfte verpflichtet, unsere Lernplattform "its learning" auch zu nutzen. Wir haben eine ganze Reihe von Fachkonzepten über die Ferien in der Behörde entwickelt, die dort für die Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Handreichungen, wie man mit den digitalen Medien arbeitet, aber auch wie fachlich guter Unterricht über die Distanz funktionieren kann. Es sind Mathe-Tools erarbeitet worden, mit denen Lehrkräfte auf die Distanz die Möglichkeit haben, gut zu unterrichten. Für den Fall einer Quarantäne oder für den Fall, dass wir womöglich wieder Halbgruppenunterricht machen müssen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. August 2020, 19:30 Uhr