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Einsatz von Bodycams bei der Polizei nur bedingt erfolgreich

  • Körperkameras schrecken bei Drogeneinfluss nicht ab
  • Deeskaltion funktioniert im Schnitt in jedem vierten Fall
  • Video-Beweise helfen bei Aufklärung von Sachverhalten
Bodycam an einer Polizeiuniform
Die Kamera soll sichtbar an der Uniform getragen werden.

Die von Polizisten in Bremen eingesetzten Körperkameras führen nicht so häufig zu weniger Gewalt bei Einsätzen wie erhofft. Vor allem Menschen, die betrunken sind oder Drogen genommen haben, lassen sich dadurch offenbar nicht beeindrucken. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Polizei jetzt nach einer einjährigen Testphase vorgelegt hat.

166 Mal schalteten Bremer Polizisten in den vergangenen zwölf Monaten ihre Bodycams ein – vor allem bei Einsätzen rund um den Bremer Hauptbahnhof und an der Sielwall-Kreuzung. In vier von zehn Fällen nützte es aber nur wenig, dass die Videokamera an der Schulter lief: Betrunkene oder Menschen unter Drogeneinfluss machte das kaum weniger aggressiv – so das Fazit.

Hilfreiche Video-Beweise

Andererseits reichte es schon bei jeder vierten Situation, in der die Polizisten androhten, die Kamera einzuschalten, das Gegenüber beruhigen. Auch weil in mehreren Fällen nach Übergriffen Video-Beweise vorlagen, zieht die Behörde insgesamt eine positive Bilanz. Die Bremer Datenschutzbeauftragte Imke Sommer sagte: Die Bodycams zeigten eine geringere deeskalierende Wirkung als gedacht. Sie begrüßte aber die "sehr ehrliche Einschätzung" der Polizei. Ähnlich äußerte sich der Parlamentarier Mustafa Öztürk (Grüne) im Datenschutzausschuss der Bremischen Bürgerschaft.

Stellungnahme zum Sicherheitsdienst steht noch aus

Zum umstrittenen Einsatz der Kameras bei einem nicht-staatlichen Sicherheitsunternehmen im Bereich des Hauptbahnhofs wollen sich die Abgeordneten erst äußern, wenn sie die Einzelheiten kennen. Die Bremer Innenbehörde ermittelt derzeit die Umstände. Sommer sieht für das Vorgehen der Firma keine Rechtsgrundlage. Der polizeiliche Testlauf in Bremen war erst nach monatelangen Streitereien genehmigt worden.

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 23. November 2017, 6 Uhr