Bauland-Skandal: Als Millionen-Willy und König Richard aufflogen

Vor 50 Jahren trat der Artikel eines Jungredakteurs im Weser-Kurier eine Lawine los, die einige Politiker in Bremen in Erklärungsnot brachte.

Zu sehen ist ein schwarz weiß bild von Richard Boljahn.

"Bund verweigert Maklerprovision" lautet die erste Schlagzeile im Weser-Kurier am 24. Juni 1969. Dabei geht es um Grundstückskäufe im Auftrag des Bundes für den Ausbau der Blockland-Autobahn. Und es geht um die Rolle von Wilhelm Lohmann, Bremer Grundstücksmakler mit SPD-Parteibuch, Spitzname "Millionen-Willy". Den hat angeblich die Bremer Liegenschaftsverwaltung mit den Grundstückskäufen beauftragt – seine Provision soll der Bund zahlen.

"Das ist der Gipfel" zitiert der Weser-Kurier den Bundesrechnungshof. Denn ein Makler sei gar nicht nötig gewesen. In Bremen gerät man in Erklärungsnot. Der Bremer Rechtsanwalt, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter und Baupolitiker Hans-Ludwig Kulenkampff hat die Verträge über den Verkauf der Grundstücke mit formuliert.

Wenn der Makler Lohmann nicht eingeschaltet worden wäre, dann hätten wir heute mit dem Autobahnbau noch nicht begonnen.

Hans-Ludwig Kulenkampff, CDU

Natürlich rechtfertigt auch Lohmann seine Rolle: "Dem Bremer Staat und dem Bund sei sehr viele erspart geblieben – Zeit und Geld." Tatsächlich aber hat der Makler Gewinne gemacht zu Lasten der öffentlichen Hand. Und die Veröffentlichung des "Weser-Kuriers" zieht schnell Kreise. Auch andere Grundstücksgeschäfte unter Lohmanns Beteiligung werden jetzt genauer unter die Lupe genommen.

Kein Freispruch von Vetternwirtschaft

Die zweite zentrale Figur in dieser Geschichte ist der langjährige SPD-Fraktionschef Richard Boljahn, wegen seiner vielen Ämter und seines großen Einflusses in Bremen auch "König Richard" genannt. Ihm wird vorgeworfen, er habe seinem Freund Lohmann lukrative Geschäfte zugeschanzt.

Ich habe weder gegen Recht noch Gesetz verstoßen.

Richard Boljahn, SPD
Journalist Ulrich Manz
Das Fazit von Ulrich Manz ist ernüchternd: Stadtstaaten seien für derartige Affären besonders anfällig.

Genosse Boljahn empört sich zunächst noch, aber der öffentliche Druck nimmt zu. Die SPD fordert ihn auf, seine Parteiämter ruhen zu lassen. Diesem Wunsch kommt er nach, obwohl er der festen Überzeugung ist, "dass eine objektive Untersuchung der Vorwürfe bald zu meiner völligen Rehabilitierung führen wird." Zwei Tage später, am 9. Juli 1969, setzt die Bürgerschaft einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein. Am Ende stolpern diverse Politiker über den Bauland-Skandal. Richard Boljahn genauso wie SPD-Bausenator Blase, aber auch CDU-Mann Kulenkampff und der frühere FDP-Fraktionschef Schubert. Der Reporter Ulrich Manz wird für seine investigativen Recherchen mit dem Wächter-Preis der Tagesspresse ausgezeichnet.

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Schlagzeile in der Zeitung: Es werden Köpfe rollen...

Mehr dazu:

  • Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Chronik, 24. Juni 2019, 7:50 Uhr