Kommentar

Bankenschließungen: Kein Geld krieg' ich auch woanders

Die Banken ziehen sich aus der Fläche in Bremerhaven/Cuxland zurück. Dafür mag es Gründe geben. Doch es schwinden die Argumente, Kunde zu bleiben, meint unser Kommentator Boris Hellmers.

Kunde an einem Bankschalter

"Kein Geld krieg' ich auch woanders": Diesen lakonischen Kommentar ließ eine Bürgerin 2015 bei einer Gesprächssendung von Radio Bremen fallen. Damals ging es um die Schließung vieler ländlicher Volksbank-Filialen im Landkreis Cuxhaven. Viele Orte blieben damals verschont – doch viele haben sich zu früh gefreut.

Jetzt rollt die zweite Schließungswelle an – sowohl Volksbank als auch Sparkasse ziehen sich aus immer mehr Orten zurück: Von 2015 bis 2020 werden beide Institute fast 30 Standorte geschlossen haben, auch in Bremerhaven.

Klar, wirtschaftlich lässt sich das sicher begründen – Personal und Technik kosten Geld, für kleine Filialen wahrscheinlich auch mehr Geld als an Zinsen und Gebühren reinkommen – das mag sein. Aber Sellstedts Bürgermeister Rolf Wolter hat Recht: Er, der seinen Bürgern nun dezent einen Bankenwechsel empfiehlt, sieht in Sparkasse und Volksbank mehr als Wirtschaftsbetriebe.

Gebühren aus der Banken-Hölle

Müssen sie aus jeder Dorffiliale ein Profit-Center machen? Zählt nicht eher das große Ganze, das am Ende aufgehen muss? Während alle über die Landflucht klagen und die kleinen Dörfer immer mehr veröden, hätten doch insbesondere die Sparkassen die Pflicht, nicht als letzte das Licht auszumachen, sondern die Laterne am Laufen zu halten – das wäre sogar möglich, denn die Politik bestimmt darüber, in welche Richtung es geht.

Dafür, dass die Banken in ihren Orten sind, leisten übrigens auch die Kunden von Volksbank und Sparkasse ihren Beitrag. Denn sie zahlen Gebühren aus der Banken-Hölle: Hohe Grundgebühren, bei vielen Modellen kosten Buchungsposten extra, das Geld abheben kostet häufig auch an eigenen Automaten Gebühren – Guthabenzinsen gibt es auf dem Girokonto nicht mehr, dafür doppelt so hohe Dispozinsen wie bei Online-Banken. Dass sich die Wespa den neuen Service, Kunden in abgehängten Orten Geld ins Haus senden zu lassen, komplett von den Kunden bezahlen lässt, ist dann der letzte Grund zum Abwinken.

Der ehrlichste Slogan

Sellstedts Bürgermeister Wolter hat schon wieder Recht: Es gibt mittlerweile wirklich gar keinen Grund mehr, ein Konto bei der Volksbank oder der Sparkasse zu haben – jedenfalls dann, wenn einen die Institute durch ihren Weggang ins häufig gar nicht gewünschte Online-Banking zwingen.

"Meine Bank ist da, wo ich bin", so warben die Volksbanken Anfang der 2000er-Jahre. Das ist lange her, und das ist vorbei. "Kein Geld krieg' ich auch woanders": Das wäre heute tatsächlich der ehrlichste Slogan.

  • Boris Hellmers

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Dezember 2018, 19.30 Uhr