Die Arbeitnehmerkammer Bremen feiert Geburstag: So feiern Sie mit!

Bremer Arbeitnehmerkammer feiert 100. Geburtstag

Video vom 7. Juli 2021
Bildmontage: Eine Beratungssituation, das Logo der Arbeitnehmerkammer und eine Person beim Schweißen.
Bild: DPA / Christin Klose, Zhai Huiyong / Costfoto | Radio Bremen / Cengiz Kültür
Bild: DPA / Christin Klose, Zhai Huiyong / Costfoto | Radio Bremen / Cengiz Kültür

100 Jahre Rechtsberatung? Das klingt trocken. Aber wissen Sie auch, was die Kammer mit Cartoons, Kino und Musik zu tun hat? 8 erstaunliche Tipps und Fakten zum Jubiläum.

"Etwas später und etwas sanfter" ist die Arbeitnehmerkammer in ihr Jubiläumsjahr gestartet. Wegen der Pandemie konnten einige Events nicht wie geplant stattfinden, erklärt Natalie Sander von der Arbeitnehmerkammer. Doch jetzt soll es einige Höhepunkte geben, für die Kammer selbst gehört vor allem die Ausstellung in der Bürgerschaft dazu: "Also dem Ort, an dem die Kammer vor 100 Jahren gegründet wurde", so Sander weiter. Wir haben ein paar Fakten und besondere Events zum Geburtstag zusammengefasst, von denen Sie vielleicht bis jetzt noch nicht wussten.

1 (Fast) einzigartig in Deutschland

Es braucht den politischen Willen, eine Arbeitnehmerkammer zu gründen.

Natalie Sander, Arbeitnehmerkammer Bremen
Friedrich Ebert, Foto um 1918.
Friedrich Ebert legte im Februar 1901 in der Bremischen Bürgerschaft einen Antrag vor, der mit "Arbeiterkammer" überschrieben ist. Bild: DPA | akg-images

Fangen wir mit etwas Geschichte an. Nur ein bisschen, denn dann ist es umso einfacher zu verstehen, weshalb dieser 100. Geburtstag etwas Besonderes ist. Die Arbeitnehmerkammer gibt es in so einer Form nämlich bundesweit nur zwei Mal. In Bremen und im Saarland. Wer hat ihr hier den Weg geebnet? Friedrich Ebert war's, der spätere Reichspräsident. Er setzte sich schon früh in der Bremischen Bürgerschaft dafür ein, dass Arbeiter und später Angestellte stärker Gehör finden, wenn es um politische Entscheidungen geht.

Die Arbeiterbewegung habe hier großen Einfluss gehabt, sagt Natalie Sander von der Arbeitnehmerkammer Bremen. "Bis dahin gab es die Wirtschaftskammern, aber keine gesetzlich verankerte Vertretung von Arbeiterinnen und Arbeitern. In Bremen gab es zur richtigen Zeit eine politische Mehrheit für die Arbeitnehmerkammer."

2 Humor

Rechtsberatungen zu arbeitsrechtlichen Themen – das klingt nicht sehr lustig. Ist es auch nicht, die Probleme von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind oft ernst und deshalb berät die Kammer ihre Mitglieder in persönlichen Gesprächen und digital. Und doch findet Humor einen Platz: im Magazin der Arbeitnehmerkammer Bremen. Dafür zeichnet Mario Lars seit etwa zweieinhalb Jahren Cartoons.

Cartoon zum Thema Gleichberechtigung von Bezahlung in der Pflege von Mario Lars
Mario Lars zeichnet seit etwa zweieinhalb Jahren Cartoons für die Arbeitnehmerkammer Bremen. Bild: Mario Lars

Mario Lars verstehe es gut, sich in unterschiedliche Themen einzudenken und sie ironisch zu karikieren, sagt Natalie Sander. So legt der Zeichner den Finger in die Wunde, sodass sich das Lachen mischt mit den ernsthaften Empfindungen über die Situationen, die die Bilder schildern.

3 Kreativ auf Youtube

Ja, die Arbeitnehmerkammer berät ihre Mitglieder. Aber hätten Sie gewusst, dass sie das auch auf Youtube tut? Vermutlich nicht, es sei denn Sie gehören zu den bisherigen 29 Besuchern dieses kleinen Filmchens, das mit Leichtigkeit schwere Informationen übermittelt. "Lange Texte auf einer Website wollen viele Leute nicht mehr lesen, sondern sie suchen nach schnellen und einfachen Erklärungen per Video", sagt Natalie Sander.

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Zwar ersetzten die Videos keine persönliche Beratung, aber sie stillten ein erstes Informationsbedürfnis. Dass die Klickzahlen noch überschaubar sind, sei kein Problem, wie Natalie Sander weiter sagt. Als bremische Einrichtung mit arbeitsrechtlichen Fragen könne man es nicht mit Rezo aufnehmen, "aber wenn mehr als 4.000 Menschen sich ein Erklärvideo zur Grundrente angucken, dann freut uns das", sagt Sander. "Was für uns 4.000 Views sind, sind für andere 400.000."

4 Kino, Kino, Kino

Warum denn gleich dreimal? Weil es endlich wieder geht mit dem Kino, und darüber kann man sich nicht oft genug freuen. Geht es nach der Arbeitnehmerkammer Bremen, dann bricht sie zum 100-jährigen Jubliäum sogar in Jubel aus: Denn sie hat deutlich mehr als drei Filme in einer Reihe zusammengefasst. In allen geht es um das Thema "gerechte Arbeitswelt".

Zuschauer sitzen mit Abstand in einem Kinosaal (Archivbild)
Ein Höhepunkt um Jubliäumsjahr: Doku-Filmabend am 21. August im Kulturzentrum Schlachthof zum Thema "Gastarbeiter". Bild: Imago | UIG

Ein Höhepunkt ist laut Arbeitnehmerkammer der Dokuabend am 21. August im Schlachthof Bremen zum Thema "Gastarbeiter". Unter anderem mit dem Film "Heimaterde", in dem die Macher einen Mann begleiten, der 25 Jahre zuvor als "Gastarbeiter" nach Deutschland kam und nun seine letzte Ruhe wieder in der Türkei findet. Schon vorher am 27. Juli zeit das City 46 "Workingman's Death". Michael Glawogger dokumentiert Schwerstarbeiter rund um den Globus, von Arbeitern in Kohleminen in der Ukraine bis zu Arbeitern auf riesigen Schlachthöfen in Nigeria. Bei beiden Veranstaltungen wird es mit den Filmemachern eine Gesprächsrunde geben.

Die Filme der ganzen Reihe sind zu sehen bis zum 19. Oktober im kommunalen Kino City 46 und im Kulturzentrum Schlachthof.

5 Finanzen

Jetzt klingt das hier alles ja wie Werbung für dieses Jubliäumsjahr und für die Arbeitnehmerkammer Bremen. Es steht Ihnen aber auch zu, dass Sie das Angebot kennen. Schließlich bezahlen Sie das wahrscheinlich mit. "Die Arbeitnehmerkammer finanziert sich fast ausschließlich aus Kammerbeiträgen – also aus den Mitgliedsbeiträgen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", so Natalie Sander. Der Beitrag beträgt 0,15 Prozent des Bruttolohns. Ein kleiner Teil der Einnahmen – gut acht Prozent – sind etwa Zuschüsse für die öffentliche Rechtsberatung, die die Arbeitnehmerkammer seit den 1970er Jahren im Auftrag des Landes Bremen macht.

6 Musik

Jetzt, wo wir die Finanzen geklärt haben, widmen wir uns einem weiteren Geburtstags-Event. Ob gesungen wird bei der Arbeitnehmerkammer, das wissen wir nicht. Aber das hier wird ein musikalischer Abend zu Ehren der Kammer: die Musikrevue am 28. August. Und zwar im Schloss Schönebeck, mit Liedern rund um das Thema Arbeit aus mehr als einem Jahrhundert – von Hanns Eisler über Jethro Tull bis zu Kraftwerk. Jethro Tull kommen zwar nicht persönlich, aber dieses Konzert ist nach einem der bekanntesten Lieder der britischen Rockband benannt: Locomotive Breath. Hören Sie schon die Querflöte? Hier, zur Einstimmung.

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Der Eintritt zur Revue ist frei, eine Anmeldung ist aber erforderlich.

7 Und Corona?

Ja, seit Beginn der Pandemie ist der Beratungsbedarf gestiegen. Das hatte die Arbeitnehmerkammer schon vor Monaten mitgeteilt. Vor allem Kündigungen und Kinderbetreuung waren und sind wichtige Themen in diesen Zeiten. Jetzt beschäftigt sich die Kammer auch damit, wie man rausfindet aus der Krise – gerecht. Und zwar in einem Podcast.

8 Und noch ein bisschen Geschichte

Schließen wir den Kreis, mit ein paar Eindrücken von damals, von vor 100 Jahren. Die ersten Versuche, eine Kammer zu gründen, die gab es schon vor 1921. Wie die Arbeitnehmerkammer heute in einem historischen Abriss schreibt, legte ein Abgeordneter in Bremen 1888 einen Antrag in der Bremischen Bürgerschaft vor, eine Arbeiterkammer zu errichten. Er scheitert, doch der Stein ist damit ins Rollen gebracht.

Autorin

  • Birgit Reichardt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 7. Juli 2021, 19:30 Uhr