Infografik

Diese Zahlen und Daten sprechen für einen harten Lockdown in Bremen

Bürgermeister Bovenschulte hielt Verschärfungen bislang nicht für notwendig. Die Zahlen sagen etwas anderes. Eine Kurzanalyse unseres Online-Redaktionsleiters Thorsten Reinhold.

Video vom 10. Dezember 2020
Ein Corona-Patient wird auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus versorgt.
Bild: DPA | HELMUT FOHRINGER
Bild: DPA | HELMUT FOHRINGER

Keine verschärften Maßnahmen, keine Rücknahme der Lockerungen an Weihnachten und Silvester und auch kein Bund-Länder-Treffen. Das ist in Kurzform die Haltung von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zur Corona-Lage. Das Infektionsgeschehen gebe dafür keinen Anlass. Wirklich nicht? Die Zahlen sagen etwas anderes.

Der Inzidenzwert hatte Anfang November in der Stadt Bremen mit 255 seinen Höhepunkt. Inzwischen ist er halbiert. Der Regierungschef hat also recht, wenn er mit dem Infektionsgeschehen nur die Neuinfektionen meint. Er irrt aber, wenn wir andere, wichtige Corona-Parameter betrachten. 

4, 4, 2, 1, 3, 1, 3 

0, 0, 0, 0, 1, 0, 0

Die erste Reihe zeigt die Zahl der mit oder an Corona verstorbenen Menschen im Land Bremen in der vergangenen Woche. Die darunter zeigt die Zahl der Corona-Toten Anfang Oktober. 18 Tote in den vergangenen sieben Tagen. Ein Toter in sieben Tagen vor gut zwei Monaten. Das ist ein eindeutiger Trend – ein trauriger.

Angespannte Stimmung in Krankenhäusern

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus? Anfang Oktober waren noch elf Patienten wegen einer Corona-Infektion stationär in einer der Bremer Kliniken. Jetzt sind es 175. So viele Menschen sind nicht erst seit ein paar Tagen im Krankenhaus. So viele Menschen sind bereits seit Beginn des "Lockdown light" in Behandlung. Ein Absinken gibt es dort nicht.  

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"Der Lockdown light zeigt keinen großen Effekt", bestätigt auch Karen Matiszick, Sprecherin von Gesundheit Nord. Die Situation sei noch beherrschbar. "Es werden aber nicht weniger Patienten, und wir blicken sorgenvoll auf die Feiertage und die 14 Tage danach." 

Bovenschulte liegt also richtig, wenn er sagt, dass der Inzidenzwert in Bremen gesunken ist. Das Virus verbreitet sich langsamer. Es gibt aber mehr Tote, und eine Entspannung in den Krankenhäusern ist nicht in Sicht.

 Niedersachsen korrigiert Kurs

Bremens Bürgermeister hat erst vor wenigen Tagen noch betont, er wolle an den Lockerungen über Weihnachten und Silvester festhalten. Genauso wie sein niedersächsischer Kollege Stephan Weil (SPD). Der hat jetzt allerdings seinen Kurs korrigiert. Ab Montag können Schüler in Niedersachsen zu Hause bleiben. Die Lockerungen über Weihnachten und Silvester hat Weil kassiert. Sie gelten jetzt nur noch an den drei Weihnachtstagen. Man dürfe sich mit dem derzeitigen Infektionsniveau nicht abfinden, sagt er zur Begründung. Welche Parameter er damit meint, ist nicht klar.  

Fakt ist aber: Niedersachsen steht bei einem Inzidenzwert von 92 – das Bundesland Bremen bei 112. 

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Video vom 10. Dezember 2020
Hajo Zeeb zu Gast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Thorsten Reinhold Redakteur und Moderator und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. Dezember 2020, 19:30 Uhr