Fragen & Antworten

Gewerkschaft fürchtet um 920 Arbeitsplätze im Bremer Airbus Werk

Während Airbus von 441 Stellen spricht, die in Bremen abgebaut werden, kommt die Gewerkschaft auf 920 Arbeitsplätze, die bedroht sind. Wir erklären, wie das zustande kommt.

Die Fassade des Airbus Zentrums mit dessen Schriftzug darauf.
Im Bremer Airbus Werk gibt es fünf verschiedene Unternehmen – und noch ist unklar, wo genau wie viele Stellen abgebaut werden. Bild: Radio Bremen
Wie viele Airbus-Beschäftigte arbeiten überhaupt in Bremen?
Auch dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Nach einer Airbus-Präsentation aus dem Jahr 2018 sind es insgesamt rund 4.500. Sie sind in fünf verschiedenen Unternehmen beschäftigt. In der Airbus Commercial Aircraft arbeiten 2018 2.400 Beschäftigte, aktuell sind es 2.300. Bei Airbus Defence and Space waren es 2018 1.100 Beschäftigte, jetzt sind es knapp 1.500. In der ArianeGroup sind 550 Beschäftigte, bei Premium Aerotec arbeiten 350 Menschen und in den Airbus Headquarters 100.
Und wie viel Arbeitsplätze stehen bei Airbus in Bremen auf dem Spiel?
Unternehmen und IG-Metall nennen unterschiedliche Zahlen. Bei der Airbus Operations GmbH sollen in den verschiedenen norddeutschen Standorten 3.160 Stellen wegfallen. Das sagte der Personalchef des Unternehmens, Marc Wagner, bei einer Telefonkonferenz am Donnerstag.

Doch am nächsten Tag konterte die IG Metall, in Wirklichkeit stünden im Bezirk Küste 5.200 Stellen auf dem Spiel. Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich weitgehend aufklären. Die Aussage von Arbeitsdirektor Wagner bezieht sich nur auf die Zivilflugzeugsparte Airbus Operations GmbH, in der tatsächlich die meisten Jobs bedroht sind. In Hamburg 2.260, in Bremen 440, in Stade 360, in Buxtehude 60 und noch einmal 38 Stellen der Hauptverwaltung an verschiedenen Standorten. Macht zusammen 3.158 Arbeitsplätze in allen norddeutschen Airbus-Standorten.

Geplanter Stellenabbau bei Airbus in Bremen

Zahlen von:AirbusIG Metall
Airbus Operations GmbH441441
Airbus Defence & Space305319
Premium Aeroteckeine Angaben160
Gesamtkeine Angaben920
Von welchen Zahlen geht die Gewerkschaft aus?
Die IG Metall schaut neben dem zivilen Flugzeugbau auch auf den bereits angekündigten Stellenabbau in anderen Sparten. So hatte Airbus Defence und Space im Februar erklärt, allein in Bremen 305 Stellen streichen zu wollen. Inzwischen seien es sogar 319 Stellen, so die Gewerkschaft.

Außerdem berücksichtigt die IG Metall die drohenden Jobverluste bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec. Dies treffe im Bezirk Küste weitere 1.860 Beschäftigte. Das wäre jeder dritte Aerotec-Beschäftigte. In Bremen sollen rund 160 Arbeitsplätze bedroht sein, in Varel 540 und in Nordenham 1.170. Wenn man diese Zahlen jedoch alle zusammenaddiert, weicht die Zahl um 10 Stellen von der Gesamtzahl an, die die Gewerkschaft angibt.

Für den Standort Bremen kommt die IG Metall so auf insgesamt 920 bedrohte Stellen, während Airbus eine solche Gesamtrechnung bisher nicht aufgemacht hat.
Wie viele Arbeitsplätze sollen insgesamt bei der Airbus-Tochterfirma Premium Aerotec wegfallen?
Inzwischen meldet der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf die Firmenzentrale von Premium Aerotec in Augsburg, dass an allen deutschen Standorten 2.800 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Wie sich das auf die Werke verteilt sei noch unklar.
Wie ist die Situation der Leiharbeiter in den Aribus-Werken?
Während die Verhandlungen über den Stellenabbau in der Stammbelegschaft erst beginnen, ist er im Bereich Leiharbeit bereits in vollem Gang. Airbus-Personalchef Wagner sagte am Donnerstag, das Unternehmen habe sich von über 1.100 Leiharbeitskräften trennen müssen. Die IG Metall befürchtet dagegen, dass insgesamt tausende Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen sowie befristet Beschäftigte ihren Arbeitsplatz entweder bereits verloren haben oder verlieren werden.

Airbus streicht Stellen: Traurigkeit und Ernüchterung bei Mitarbeitern

Video vom 3. Juli 2020
Die Straße zum Airbus-Werk in Bremen. Am Gebäude ist ein großes Airbus-Logo zu sehen.
Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autor

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 3. Juli 2020, 17 Uhr