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Bremerhavener Forscher warnen: 5 Fakten zur Plastikmüll-Gefahr im Meer

Studie aus Bremerhaven zeigt große Plastikverschmutzung in Ozeanen auf

Bild: Radio Bremen

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts haben die Auswirkungen von Plastikmüll auf Arten und Ökosysteme der Ozeane untersucht. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Bis 2050 droht eine Vervierfachung der Plastikmüllkonzentration im Meer – das ist nur eine der Aussagen der neuen Meta-Studie des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven. Die Wissenschaftler haben im Auftrag der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) die Auswirkungen von Plastikmüll auf Arten und Ökosysteme des Ozeans untersucht. Dafür haben sie bereits vorhandene Studien zum Thema zusammengefasst. Der WWF fordert nun ein weltweites UN-Abkommen gegen die Plastik-Verschmutzung der Meere.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie

1 So schlimm ist die Plastik-Verschmutzung

Die Plastik-Verschmutzung der Ozeane wächst exponentiell und wird weiter zunehmen. Die Kunststoffproduktion wird sich bis 2040 voraussichtlich mehr als verdoppeln, sagen die Forscher. In der Folge vervierfacht sich das Makroplastik in den Ozeanen in den kommenden 30 Jahren. Dieses zersetzt sich mit der Zeit in immer kleinere Teile bis hin zum Mikro- und Nanoplastik. Die Folge: "Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnten Meeresgebiete von der zweieinhalbfachen Fläche Grönlands ökologisch riskante Schwellenwerte der Mikroplastikkonzentration überschreiten, da die Menge des marinen Mikroplastiks bis dahin um das 50-fache zuzunehmen droht", heißt es in der Studie.

Fast zwei Lkw- Ladungen pro Minuten gelangen weltweit in die Gewässer. Das entspricht fast zwei Lkw-Ladungen p r o Minute. 19 bis 23 Millionen T onnen Plastikmüll gelangen weltweit p r o Jahr v om Land in die Gewässe r .
Quelle: WWF und AWI

Der Müll werde häufig direkt ins Meer gekippt oder bei Hochwasser von Deponien weggespült. Einwegplastik mache 60 bis 95 Prozent der Verschmutzung aus. Mikroplastik gelange auch über das Abwasser in die Meere. Zwar hielten moderne Klärwerke 90 bis 97 Prozent der Partikel zurück, aber in einer Großstadt bedeute ein Prozent immer noch eine große Menge, betonen die Experten: Laut der Studie haben sich schon zwischen 86 und 150 Millionen Tonnen Kunststoff in den Weltmeeren angereichert.

2 Kritischer Wert in einigen Regionen schon überschritten

In einigen Regionen wie dem Mittelmeer, dem Gelben Meer, dem Ostchinesischen Meer und dem Meereis der Arktis hat die Mikroplastikkonzentration den ökologisch kritischen Schwellenwert bereits heute überschritten, sagen die Forscher. Besonders gefährdet seien Korallenriffe und Mangrovenwälder. Für jede Region und Art würden unterschiedliche Schwellenwerte gelten, erklärt Melanie Bergmann, Meeresbiologin vom Alfred-Wegener-Institut. "Wir gehen davon aus, dass die Werte noch unterschätzt sind. Wahrscheinlich ist es noch schlimmer", sagt sie.

Die Durchdringung des Ozeans mit Plastik ist unumkehrbar.

Heike Vesper, Leiterin des Fachbereiches Meeresschutz beim WWF Deutschland

"Die Durchdringung des Ozeans mit Plastik ist unumkehrbar", sagt Heike Vesper, Leiterin des Fachbereiches Meeresschutz beim WWF Deutschland. "Einmal im Meer verteilt, lässt sich Kunststoffmüll kaum zurückholen. Er zerfällt stetig, sodass die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik noch jahrzehntelang ansteigen wird."

3 Fast alle Arten im Meer von Plastikmüll bedroht

Eine Schildkröte im Meer hat eine Plastiktüte im Maul.
Nach wissenschaftlichen Schätzungen verschlucken schon heute bis zu 52 Prozent aller Meeresschildkröten Plastikmüll. Bild: Imago | Paulo Di Oliviera

Plastikstücke im Magen, tödliche Schlingen um den Hals, chemische Weichmacher im Blut: Plastik führt zu inneren und äußeren Verletzungen oder gar zum Tod von Meerestieren, es schränkt die Fortbewegung oder das Wachstum ein, mindert die Nahrungsaufnahme oder die Fortpflanzungsfähigkeit und ändert ihr Verhalten. "Plastikmüll durchdringt das gesamte System des Ozeans – vom Plankton bis zum Pottwal. Für fast alle Artengruppen des Meeres sind bereits negative Auswirkungen von Kunststoffmüll nachweisbar", erklärt Vesper. Das Ausmaß der Verschmutzung variiert regional stark. Nur für wenige Arten wurden die schädlichen Effekte gezielt erforscht, aber die bisherigen Ergebnisse zeigen: Bei fast 90 Prozent der untersuchten marinen Arten wurden negative Auswirkungen von Plastik festgestellt.

Erfasst und erforscht ist erst ein Bruchteil der Folgen, doch die dokumentierten Schäden durch Plastik sind beunruhigend und müssen als Warnsignal für ein weit größeres Ausmaß verstanden werden.

Melanie Bergmann, Meeresbiologin vom Alfred-Wegener-Institut

4 Arten sind auch ohne Plastik schon in Gefahr

Plastik trifft auf einen bereits überlasteten Ozean. Laut AWI und WWF dürfen die Auswirkungen des Mülls auf Arten und Ökosysteme nicht isoliert betrachtet werden. In vielen Regionen herrschen bereits Bedrohungen durch globale Erhitzung, Überfischung, Überdüngung oder Schifffahrt. Für stark gefährdete Arten wie Pottwale oder Mönchsrobben im Mittelmeer könnte Plastik-Verschmutzung das gefährliche "Zünglein an der Waage" sein.

5 Experten fordern globales Abkommen gegen Plastik-Verschmutzung

Der WWF fordert von den Regierungen, auf der UN-Umweltversammlung im Februar den Vereinten Nationen ein Verhandlungsmandat für ein rechtsverbindliches globales Abkommen gegen die Plastik-Verschmutzung der Meere zu erteilen. Ein solcher globaler Vertrag müsse sich mit allen Phasen des Lebenszyklus von Plastik befassen und die Verschmutzung der Meere durch Plastik bis 2030 stoppen. "Wie die Klimakrise betrifft auch die Plastik-Flut den gesamten Planeten. Die Emissionen sind nicht rückholbar und regionale oder freiwillige Maßnahmen reichen nicht aus, um die Krise zu bewältigen. Es bedarf einer global koordinierten Anstrengung, um die Plastik-Flut einzudämmen", sagt Vesper.

Die Ursachen der Plastik-Verschmutzung im Keim zu bekämpfen ist viel effektiver, als die Folgen im Nachhinein zu beseitigen. Wenn Regierungen, Industrie und Gesellschaft jetzt geschlossen handeln, können sie die Plastik-Krise noch eindämmen

Heike Vesper, Leiterin des Fachbereiches Meeresschutz beim WWF Deutschland

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. Februar 2022, 19:30 Uhr