Umstrittener Pastor Latzel zieht im Mai vor das Bremer Landgericht

Ein Mann mit Mundschutz sitzt an einem Tisch. Im Hintergrund steht eine Person, auf deren Rücken der Schriftzug "Justiz" steht.
Bild: DPA | Sina Schuldt
  • Latzel war wegen homophober Volksverhetzung verurteilt worden
  • Dagegen hatte er Berufung eingelegt
  • Am 9. Mai soll das Berufungsverfahren starten

Knapp eineinhalb Jahre nach dem Urteil gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel soll das Berufungsverfahren vor dem Bremer Landgericht beginnen. Es werde am 9. Mai starten und solle vier Verhandlungstage dauern, sagte ein Gerichtssprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der evangelische Theologe war im November 2020 vom Amtsgericht Bremen wegen homophober Volksverhetzung verurteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt.

Ein Grund für die lange Frist zwischen Urteil und Start der Berufung seien Abstimmungsfragen gewesen, nachdem sich der Gutachter Christoph Raedel zurückgezogen habe, hieß es. Der Theologieprofessor war von der Bremer Staatsanwaltschaft als Gutachter abgelehnt worden, weil sie ihn für möglicherweise befangen hielt. So hatte Raedel auf Nachfrage des epd erklärt, er vertrete die Auffassung, dass Homosexualität nicht mit der christlichen Lehre vereinbar sei und als Sünde bezeichnet werden müsse. Dies hatte zu heftiger Kritik von Theologen, Kirchenrechtlern und Verfassungsexperten geführt.

Schließlich sei die Terminplanung mit allen Beteiligten "nicht ganz einfach" gewesen, ergänzte der Gerichtssprecher. Zur Frage eventueller Gutachter oder anderer inhaltlicher Dinge wollte er vor Beginn des Verfahrens keine Stellungnahme abgeben.

Gegen Latzel läuft auch ein Disziplinarverfahren

Latzel hatte nach Überzeugung des Bremer Amtsgerichts in einem auf Youtube verbreiteten "Eheseminar" zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt. Im Verlauf des Seminars warnte er unter anderem, Homosexualität sei eine "Degenerationsform von Gesellschaft" und "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day". Der Theologe wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Gegen den Pastor der Bremer St.-Martini-Innenstadtgemeinde läuft außerdem in der Bremischen Evangelischen Kirche ein Disziplinarverfahren, das allerdings ruht, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Eine vorläufige Dienstenthebung wurde zwischenzeitlich wieder aufgehoben.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. Februar 2022, 23:30 Uhr