City im Wandel: Was demnächst in Bremens Innenstadt geschehen soll

Eingang zum Parkhaus Bremen-Mitte
Das Parkhaus-Mitte sieht seinem Abriss entgegen. Noch aber ist es Teil der Lloyd-Passage, zu der auch Opti-Wohnwelt gehört. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Ein Möbelhaus eröffnet im Kaufhof-Gebäude, Mini-Wohnungen entstehen in der Obernstraße, ein "lebendiges Haus" im Lloydhof: Es tut sich was in der Bremer City. Ein Ausblick.

Es machte monatelang einen ziemlich tristen Eindruck: das weitgehend leerstehende Kaufhof-Gebäude im Herzen der Bremer Innenstadt. Doch damit ist nun Schluss. Mit Opti-Wohnwelt eröffnet dort am morgigen Donnerstag ein Möbelhaus. Geschäftsleute hoffen, dass auf diese Weise möglicherweise sogar in der ganzen Bremer Innenstadt wieder ein bisschen mehr Leben einkehren könnte.

Zumal es eine ganze Reihe weiterer kleiner und großer Projekte in Bremens City gibt, die ihre Schaffen vorauswerfen, wenn auch teilweise nicht erst seit gestern. An diesen Orten der Bremer Innenstadt dürfte sich in den kommenden Jahren etwas tun.

1 Möbelhaus im Kaufhof-Gebäude

Fassade der Opti-Wohnwelt in der Bremer Innenstadt
Saturn ist nicht länger allein in ehemaligen Kaufhof-Gebäude. Auch ein Möbelhaus sitzt nun in der Immobilie. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Die Filiale im einstigen Kaufhof-Gebäude in der Bremer Papenstraße wird die erste innerstädtische Filiale überhaupt, die das fränkische Familienunternehmen Opti-Wohnwelt eröffnet. Geschäftsführer Oliver Föst sprach offen von einem "Experiment", dass das Unternehmen damit wage, als der das Konzept vorigen März buten un binnen vorstellte. Er sagte aber auch: "Wir glauben generell an die Innenstädte. Opti ist der Meinung, dass die Innenstadt als Raum von Begegnung bleibt. Je größer Stadt, desto größer die Chance, dass es so kommen wird."

Opti-Wohnwelt bezieht drei Etagen in dem einstigen Kaufhof-Gebäude, insgesamt etwa 15.500 Quadratmeter. In den beiden oberen Stockwerken des Gebäudes, das der DIC Asset-AG mit Sitz in Frankfurt gehört, bleibt das Technik-Kaufhaus "Saturn".

Wie Oliver Föst, so setzt auch Carl Zillich, seit zwei Monaten Bremens Innenstadtbeauftragter, große Hoffnungen in Opti-Wohnwelt in der Papenstraße: "Durch das Möbelhaus könnte sich die Besucherfrequenz in der Innenstadt erhöhen", sagt er. "Die City wird außerdem für Einrichtungskäufe noch attraktiver." Möbel Flamme im Ostertorsteinweg und Opti-Wohnwelt in der City lägen dicht beieinander. Eine Reihe weiterer Möbelgeschäfte in der Innenstadt kämen hinzu. Diese Konzentration von Einrichtungsgeschäften lasse ihn hoffen, dass die Kundinnen und Kunden künftig vermehrt in der Innenstadt Sofas, Betten oder Lampen kaufen werden statt etwa in großen Möbelhäusern am Stadtrand.

2 Parkhaus-Mitte-Areal

Ehe die DIC Asset-AG einen über fünf Jahre laufenden Mietvertrag mit der Opti-Wohnwelt geschlossen hatte, wollte der Unternehmer Kurt Zech die ehemalige Kaufhof-Immobilie kaufen. Er wollte das Grundstück in seine Pläne rund um das angrenzende Parkhaus-Mitte einbeziehen, das er bereits gekauft hat, das aber in ein paar Jahren abgerissen werden soll.

Wo derzeit das Parkhaus steht, soll ein Mix aus Wohnen, Kultur, Gastronomie und Einzelhandel entstehen. Wie dieser Mix konkret aussehen könnte – dazu wird im September ein Werkstatt-Verfahren mit Architekten starten. Die Ergebnisse dieses Verfahrens werden wahrscheinlich im Frühjahr 2023 auf dem Tisch liegen, hofft zumindest der Innenstadtbeauftragte Zillich. Wie auch immer das Ergebnis aussehen werde – er wünscht sich grundsätzlich, dass in der Innenstadt mehr Wohnungen auch für die langfristige Nutzung entstehen.

3 Wohn- und Geschäftshaus in der Obernstraße

Ein Entwurf zeigt einen Neubau in der Obernstraße
So soll es in zwei Jahren aussehen: das neue Wohn- und Geschäftshaus in der Obernstraße. Bild: HD Gruppe / SKAI

Zumindest ein paar neue Wohnungen, wenn auch solche für die kurzfristige Nutzung, könnten bereits bis Frühjahr 2024 in der Obernstraße 45 bis 47 entstehen. Denn dort will ein Berliner Investor das Gebäude, in dem derzeit noch eine "Esprit“-Filiale sitzt, abreißen und durch ein siebengeschossiges Wohn- und Geschäftshaus ersetzen. Oberhalb des zweiten Obergeschosses sollen Kleinstwohnungen entstehen, sogenanntes Micro-Living, ein Mittelding aus klassischem Wohnen und Hotel. Auch gastronomische Angebote sollen in der Immobilie Platz finden.

"Wir freuen uns über das Projekt", hat vorige Woche Senatsbaudirektorin Iris Reuther über das Vorhaben gesagt und dabei hervorgehoben, dass es auch ihr wichtig erscheint, für mehr Wohnraum in der City zu sorgen.

4 "Lebendiges Haus" im ehemaligen Lloydhof

Eingerüstete Häuser am Lloydhof
Ist derzeit noch eine Baustelle: der Lloydhof. Hier soll demnächst ein "lebendiges Haus" stehen. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Ein Mix aus Gastronomie, Einzelhandel, Büro, Wohnen und Hotellerie soll auch im einstigen Lloydhof entstehen. Zu den größten Mietern in dem Gebäude wird die WFB Wirtschaftsförderung Bremen zählen. Sie hätte ursprünglich bereits zum Dezember 2021 in fünf Etagen der Immobilie einziehen sollen. Doch der Umbau des Gebäudes hat sich verzögert. Als neuer Termin für den Umzug ist nun der Februar 2023 geplant, teilt die WFB mit.

5 Studis für die Sparkasse am Brill?

Übergangsweise, bis die WFB in das "Lebendige Haus" einziehen kann, wird sie die ehemalige Sparkasse am Brill beziehen. Die Immobilie gehört den Schapira-Brüdern aus Israel. Im Erdgeschoss des Gebäudes befindet sich derzeit das Impfzentrum. Wie der Innenstadtbeauftragte Carl Zillich sagt, ist zudem derzeit eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, mit deren Hilfe geklärt werden soll, inwiefern sich das Gebäude langfristig zur universitären Nutzung eignet. Die Ergebnisse sollen Ende April vorliegen.

6 Stadtmusikantenhaus für das Balgequartier?

Passage Kontorhaus am Markt
Das Kontorhaus am Markt könnte die Heimat des Stadtmusikantenhauses werden. Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Zwischen Böttcherstraße, Langenstraße und Martinistraße liegt das Balgequartier. Dazu zählt neben der Stadtwaage und dem Essighaus in der Langenstraße insbesondere auch das Kontorhaus am Markt – der bisherige Sitz der WFB. Investor Johann Christian Jacobs möchte das Quartier zur Weser öffnen und insbesondere das Kontorhaus neu entwickeln. Er hofft, dass es Heimat des Stadtmusikantenhauses wird. Der Senat hat erst am Dienstag beschlossen, dieses Projekt voranzutreiben und die Rahmenbedigungen zu prüfen.

Das Stadtmusikantenhaus soll zugleich Heimat der Touristen-Information werden sowie das Märchen der Bremer Stadtmusikanten erlebbar machen, teilt der Senat dazu mit. Zudem soll es als "Literaturhaus" ein zentraler Anlaufpunkt für die Bremer Literaturszene werden und Raum für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen bieten. Das Stadtmusikantenhaus soll einem Gutachten zufolge jährlich 86.000 Gäste anziehen. Nach einer Grundlagenermittlung der WFB schätzt der Senat das Investitionsvolumen auf netto 11,9 Millionen Euro. Auch die Kosten sollen noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden.

Ob das Stadtmusikantenhaus tatsächlich ins Kontorhaus einziehen wird, ist ungewiss. "Die Gespräche mit dem dortigen Investor sind noch nicht abgeschlossen, zudem sollen potenzielle Alternativstandorte geprüft werden", teilt der Senat dazu mit.

Senat hat entschieden: Bremen bekommt ein Stadtmusikantenhaus

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Nachmittag, 30. März 2022, 14:15 Uhr