Die Omikron-Welle rollt – Was bedeutet das für Bremen?

Eine Mitarbeiterin legt Schutzkleidung an, um auf der Intensivstation des Klinikum Mutterhaus ein Zimmer mit Corona Patienten zu betreten.
Sollte sich die Omikron-Variante weiter ausbreiten, könnte eine große Belastung auf die Krankenhäuser zukommen. Bild: Imago | Oliver Dietze

Experten vermuten, dass Omikron schon bald die vorherrschenden Corona-Variante sein wird. In Bremen könnte sich das Infektionsgeschehen drastisch verändern.

Die Omikron-Variante des Corona-Virus ist mittlerweile auch in Bremen angekommen: Nach Angaben der Gesundheitsbehörde gibt es in Bremen bisher einen bestätigten Fall sowie 38 Verdachtsfälle. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, warnt davor, dass Omikron zu noch mehr Fällen führen wird als die aktuell noch vorherrschende Delta-Variante. Was bedeutet das für Bremen? Wir geben einen Überblick.

Ist der hohe Anstieg der Neuinfektionen in Bremen auf die Omikron-Variante zurückzuführen?
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen nimmt im Land Bremen stark zu. Zuletzt stiegt auch die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich an. Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie hält es für durchaus denkbar, dass ein Zusammenhang zwischen den steigenden Inzidenzen und der Omikron-Variante besteht. "Die Sprünge sind noch größer als bei der Delta-Variante", so Zeeb. Möglich sei aber auch, dass das Verhalten der Menschen trotz aller Einschränkungen risikoreicher geworden ist, etwa bei Weihnachtseinkäufen. Eine weitere Erklärung könnte sein, dass bei vielen Menschen, die noch auf ihre Booster-Impfung warten, der Impfschutz immer mehr nachlasse.
Epidemiologe Hajo Zeeb blickt in eine Kamera
Spricht sich für frühere Auffrischungsimpfungen aus: Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Bild: Radio Bremen
Wie wird ein Verdachtsfall auf Omikron überprüft und wie lange dauert das?
Laut Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, werden stichprobenartig sogenannte Target-PCR-Tests gemacht. Leider könne Bremen bei dem Nachweis und der Sequenzierung der Omikron-Variante nicht schneller vorgehen als bisher – was rund 14 Tage Wartezeit beinhalte. Hierbei wird geprüft, ob Genmutationen vorliegen. Wenn der Test dann positiv ausfällt, muss der Fall in die Sequenzierung, wo schließlich die Bestätigung stattfindet. Das sei laut Fuhrmann dann aber auch ein technischer Vorgang, der eine gewisse Zeit dauere. Labore bekämen aus der ganzen Bundesrepublik Aufträge, deshalb könne Bremen da auch keinen Druck machen.
Wie gut schützen die Impfungen vor Omikron?
Um einen bestmöglichen Impfschutz gegen die Omikron-Variante zu haben, müssten viele Leute möglichst schnell eine Booster-Impfung erhalten, so Zeeb. Denn nach der Impfung sei der Schutz sehr hoch und die Ansteckungsgefahr deutlich erschwert. Weil im Laufe der Zeit die Schutzwirkung nachlasse, schließt Zeeb aber eine erneute Kontaktreduzierung nicht aus. Auch eine vierte Impfung ist ein Mittel, um den Schutz vor Omnikron zu erhöhen. Nach Zeebs Vermutung könnte eine solche dann schon auf die südafrikanische Corona-Variante angepasst sein. Auffrischungsimpfungen vorzuziehen und statt nach sechs bereits nach etwa drei Monaten zu empfehlen, hält Zeeb für "absolut sinnvoll": "Medizinisch ist das völlig in Ordnung."
Wie beeinflusst Omikron das Infektionsgeschehen in Bremen?
Um eine Vorstellung zu gewinnen, was Omikron hierzulande für Folgen haben könnte, lohnt ein Blick ins Nachbarland Dänemark. Dort war die Corona-Lage lange Zeit vergleichsweise entspannt. Doch jetzt hat Dänemark einen der höchsten Inzidenzwerte weltweit. "Es ist stark anzunehmen, dass wir eine schnelle Verdopplung der Fälle sehen werden", vermutet Zeeb. "Omikron wird ab Ende Januar, vielleicht auch erst im Februar die dominante Variante sein." Genau daher sei es wichtig, vorsorglich zu handeln. Gerade über die Weihnachtsferien, sprich: in den nächsten zwei bis drei Wochen müsse man sich das Infektionsgeschehen sehr genau angucken. "Wenn wir dann zu viele Omikron-Fälle haben, kommt eine wahnsinnige Belastung auf die Krankenhäuser zu."
Welche besonderen Maßnahmen ergreift Bremen, um die Omnikron-Welle zu brechen?
Wer geimpft ist und Kontakt zu Corona-Infizierten hatte, muss laut Bremer Corona-Verordnung nicht in Quarantäne. Bei Omikron-Verdachtsfällen ist das anders: "Um die Ausbreitung von Omikron zu bremsen, können bei begründeten Verdachtsfällen Kontaktpersonen für 14 Tage in Quarantäne geschickt werden. Unabhängig von dem, was in der Verordnung steht", sagt Gesundheitsressort-Sprecher Fuhrmann. Sich mit einem PCR-Test vor der Zwei-Wochen Frist freizutesten, ist in einem solchen Fall nicht möglich. Hierbei handele es sich um eine individuelle Vorsichtsmaßnahme, die nur ein einziges Ziel habe: Zeit zu gewinnen. "Bei Omikron muss davon ausgegangen werden, dass sie bald die vorherschende Variante wird." Sobald dies der Fall ist, gelten wieder die alten Regelungen. Sprich: Geimpfte müssen von da an auch bei Kontakt zu Infizierten, bei denen Omikron-Verdacht besteht, nicht mehr in Quarantäne.

Wie angespannt ist die Lage auf den Bremer Intensivstationen?

Bild: Radio Bremen

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Autorinnen und Autoren

  • Helge Hommers Redakteur und Autor
  • Lina Brunnée Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. Dezember 2021, 19:30 Uhr