Bremer Virologe fordert wegen Omikron schärfere Maßnahmen in Bremen

Mehr Infektionen, weniger schwere Verläufe: Omikron verändert die Pandemie. Sind Bremens Corona-Warnstufen noch zeitgemäß? Nur bedingt, findet Virologe Andreas Dotzauer.

An einer Schaufensterscheibe eines Geschäfts hängt ein Hinweis auf die FFP2-Maskenpflicht.
Ginge es nach dem Bremer Virologen Andreas Dotzauer, so gäbe es wohl nicht nur in den Geschäften Niedersachsens (unser Foto) eine FFP2-Masken-Pflicht, sondern auch in Bremen. Bild: DPA | Armin Weigel

Bund und Länder werden Freitag voraussichtlich Quarantäne-Zeiten für Infizierte und für Kontaktpersonen verkürzen. Gleichzeitig formulieren Experten wie der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb oder Virologe Christian Drosten vorsichtig optimistische Prognosen zum weiteren Verlauf der Pandemie. Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer aber warnt: Damit Bremen nicht von Omikron überrollt wird, müssten schnell schärfere Maßnahmen her. Prinzipiell sei Bremens Warnstufen-Modell zwar weiterhin sinnvoll, findet Dotzauer von der Uni Bremen. Er sagt aber auch: "Das System muss angepasst werden."

So kritisiert der Wissenschaftler, dass Bremens höchste Warnstufe, Stufe 3, kaum strikter sei als Warnstufe 2. Dotzauer findet, dass zusätzliche Kontaktbeschränkungen angesichts der hohen Infektionszahlen und der Omikron-Variante nötig sind.

Man sollte die Kontakte nicht nur beschränken, sondern auch verkürzen – auf so kurz, wie möglich.

Virologe Andreas Dotzauer

Darüber hinaus müssten die Mindestabstände von derzeit 1,50 Metern auf zwei Meter erweitert werden, um Ansteckungen vorzubeugen, sagt Dotzauer. Auch sollte die Politik aus seiner Sicht mit weiteren Regeln dafür sorgen, dass die Bevölkerung konsequent FFP2-Masken an Stelle der verbreiteten OP-Masken trägt. "FFP2-Masken bieten den deutlich besseren Schutz, zumal sich Omikron so schnell im Nasen-Rachen-Raum ausbreitet", erklärt der Virologe.

"Sollten vorsichtig sein mit Entwarnungen"

Dotzauer warnt ausdrücklich davor, Omikron zu unterschätzen: "Wir sollten vorsichtig sein mit den Entwarnungen." Zwar sehe es danach aus, dass es durch Omikron relativ betrachtet seltener zu schweren Krankheitsverläufen kommt als bei anderen Varianten. Insbesondere bei Ungeimpften aber führe Omikron durchaus zu schweren Verläufen. Zum anderen könne die schiere Masse der Infizierten das Gesundheitssystem in Gefahr bringen. "Die Belastung ist ja auch schon hoch", sagt Dotzauer und verweist auf die Bremer Hospitalisierungsinzidenz (11,29 am Montag in Bremen, 3,52 am Montag in Bremerhaven).

Tatsächlich bereiten sich die Bremer Krankenhäuser bereits auf weitere Coronafälle vor. Noch mehr aber fürchten die Kliniken, dass ihr Personal aufgrund von Infektionen oder der Quarantäne-Regeln ausfallen könnte, sagt Rolf Schlüter, Sprecher des kommunalen Klinikverbunds Geno. Daher habe die Geno inzwischen eine "Taskforce Omikron" eingerichtet. Die Taskforce solle unerwartete Personalausfälle innerhalb des Klinikverbunds kurzfristig durch Personalrochaden so gut wie möglich auffangen. "Wir bereiten uns auf schnelle Lösungen vor", sagt Schlüter.

Verkürzen Bund und Länder die Quarantäne?

Virologe Andreas Dotzauer im Studio von buten un binnen.
Fordert schärfere Corona-Maßnahmen für Bremen: Virologe Andreas Dotzauer. Bild: Radio Bremen

Um dem drohenden massenhaften Personalausfall durch Quarantäne-Fälle in wichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern zu begegnen, wollen Bund und Länder voraussichtlich am Freitag beschließen, die Quarantäne-Zeiten sowohl für Infizierte als auch für Kontaktpersonen zu verkürzen. Sie rechtfertigen diesen Schritt unter anderem damit, dass die Inkubationszeit bei Omikron kürzer sei als bei anderen Varianten des Virus, wodurch Omikron zwar schnell übertragen werde, aber nicht so lang ansteckend sei wie andere Varianten.

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer aber beobachtet die Debatte um die Quarantäne-Zeiten mit Skepsis. Er ist zumindest strikt dagegen, die Quarantäne für Infizierte von derzeit 14 auf sieben oder sogar nur fünf Tage zu verkürzen. "Das fände ich leichtsinnig. Wir sollten die Gefahr durch das Virus nicht unterschätzen“, mahnt Dotzauer.

Was sagt die 7-Inzidenz noch aus?

Der Virologe zeigt sich zudem irritiert darüber, dass die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in der öffentlichen Debatte kaum noch eine Rolle spiele: "Die 7-Tage-Inzidenz ist noch immer der wirkliche Leitindikator. Sie zeigt den Trend an", betont der Virologe. Je höher die 7-Tage-Inzidenz steige, desto größer werde mit leichter Verzögerung auch die Belastung der Krankenhäuser.

Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb bewertet den Stellenwert der 7-Tage-Inzidenz in Zeiten der Omikron-Variante etwas anders als Dotzauer. "Hohe Inzidenzen müssen uns nicht mehr ganz so sehr erschrecken", sagt Zeeb. So hätten etwa England und Dänemark 7-Tage-Inzidenzen im vierstelligen Bereich überstanden, ohne dass das Gesundheitssystem in diesen Ländern zusammengebrochen wäre. Anders als Dotzauer hält Zeeb auch das Bremer Warnstufensystem aus dem Herbst sowie die damit verbundenen Bremer Corona-Maßnahmen für angemessen.

Omikron-Anteil steigt: Bremen diskutiert über neue Quarantäne-Regeln

Bild: Radio Bremen

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  • Alexander Schnackenburg Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. Januar 2022, 19.30 Uhr