China schottet sich ab – so besorgt ist Bremens Wirtschaft

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Corona bedroht die Lieferketten. Mit Beginn von Olympia und der rigiden Abschottung Chinas ist das Geschäfte machen für Bremer Unternehmen noch schwieriger geworden.

Thomas Armerding kann nicht klagen. Die Geschäfte laufen gut. 13 Prozent mehr Umsatz im Vergleich zum Vorjahr hat die Bremer Firma Hansa-Flex im abgelaufenen Jahr erwirtschaftet. Sie produziert unter anderem Hydraulikschlauchleitungen für den Weltmarkt. Das Niveau von vor der Pandemie haben sie hier schon wieder erreicht. Mehr noch: 2021 war ein Rekordjahr. Gerade hat die Firma eine neue Lagerhalle in Bremen-Mahndorf gebaut. "Das größte Schlauchlager der Welt", wie der Chef Thomas Armerding beim Rundgang stolz berichtet.

Rund 2.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Firma in Deutschland, etwa 150 in China. Asien ist ein wichtiger Markt. Als die Pandemie vor gut zwei Jahren in China ihren Anfang nahm, war das China-Geschäft der Bremer Firma wochenlang lahmgelegt. Inzwischen läuft es wieder, mit Hindernissen.

Unsicherheiten in der Zukunft

China schottet sich immer noch strikt ab. Persönlicher Austausch zwischen Bremen und Fernost ist im Prinzip unmöglich. Die wenigen Flüge, die es gibt, sind teuer. Jeder Besucher müsste in China für drei Wochen in strenge Quarantäne. Kontakt zu seinen Mitarbeitenden vor Ort kann Armerding seit zwei Jahren deshalb ausschließlich über Video und Telefon halten. "Das ist nicht gut für die Zusammenarbeit", sagt Armerding. "Es fehlt der menschliche Kontakt." Doch der Blick in die Zukunft bringt noch mehr Unsicherheiten.

Denn China bleibt bei seiner No-Covid-Strategie – jede Infektion, jeder Ausbruch soll verhindert werden und wird mit strengen Lockdowns bekämpft. Auf die Olympischen Winterspiele, von denen sich die Regierung einen Propaganda-Erfolg erhofft, will Peking trotzdem nicht verzichten.

China hat eine gespenstische Blase aufgebaut. Sportler, Betreuer, Journalisten werden streng abgeschirmt, begleitet von Menschen in Ganzkörper-Schutzanzügen. Tägliche PCR-Tests sind Pflicht. Ein bizarres Experiment mit ungewissem Ausgang. Die positiven Tests unter Athleten jedenfalls häufen sich.

China will Virus mit aller Macht draußen halten

Kann diese Blase halten? Oder wird das Virus zwangsläufig irgendwann aus der Blase überspringen in die chinesische Bevölkerung? "Wenn jemand Erfahrung damit hat, ganze Städte abzuriegeln, dann ist es China", sagt der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb. "Man kann das Risiko kleinhalten. Aber man kann es nicht ausschließen, dass das Virus doch in die chinesische Bevölkerung reingetragen wird."

Ein weiteres Problem: China verlässt sich auf seinen eigenen Impfstoff, der gegen Omikron offenbar nicht gut wirkt. Ausländische Vakzine lässt das Land aus Prestigegründen nicht zu. Die Auswirkungen einer möglichen Omikron-Welle in China sind also unberechenbar.

Während sich Omikron im Rest der Welt immer weiterverbreitet, Länder wie Dänemark gerade alle Beschränkungen aufheben, versucht China das Virus weiter mit aller Macht draußen zu halten und mit harten Maßnahmen zu bekämpfen. Erst kürzlich musste etwa die 15-Millionen-Stadt Tianjin nahe Peking in den Lockdown.

Bremer Handelskammer besorgt

Doch dauerhafte Abschottung und immer neue Lockdowns sind schlecht für die Wirtschaft. Deshalb blickt man auch in der Bremer Handelskammer mit Sorge nach China. "Wir hatten ja bisher schon Produktionsausfälle. Wenn Omikron da jetzt noch draufgelegt wird, dann wird das Ganze noch mal viel schlimmer, auch für die Lieferketten weltweit", sagt Volkmar Herr, bei der Bremer Handelskammer zuständig für internationale Handelsbeziehungen. Schon jetzt gelte: "Entweder kommen die Sachen zu spät aus China oder sie kommen gar nicht, oder sie werden viel teurer."

Das Problem der Lieferketten macht sich auch bei der Bremer Firma Hansa-Flex bemerkbar. "Vor der Pandemie haben wir vier bis sechs Wochen auf Schläuche gewartet“, sagt Thomas Armerding, der Vorstandsvorsitzende. "Inzwischen sind es 70 Wochen." Fast anderthalb Jahre also. Mit vorausschauender Planung bekomme man das noch hin, sagt er. Aber auf Dauer kann das nicht gut gehen.

Er hofft deshalb auf Entspannung nach den Olympischen Winterspielen. Auch der Bremer Epidemiologe Zeeb hat Zweifel, wie lange China seine No-Covid-Strategie noch durchhalten kann. "China ist da in einer gewissen Sackgasse." Lieferengpässe, Reiseverbote und nun noch eine drohende Omikron-Welle nach den Olympischen Winterspielen. Wer Geschäfte mit China macht, braucht derzeit starke Nerven.

Autor

  • Steffen Hudemann Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. Februar 2022; 19:30 Uhr