70 Jahre Olbers-Planetarium: Bremens Chef-Sternegucker gratuliert

Ein Mann schaut durch ein modernes Teleskop auf einem Schiff

"Ich freu' mich über jeden Blick durchs Teleskop" – Andreas Vogel

Bild: Andreas Vogel

Rund 30.000 Besucherinnen und Besucher beobachten jährlich die Sterne im Olbers-Planetarium. Es könnten viel mehr sein, so der Leiter der Bremer Sternwarte.

Andreas Vogel liebt es, in die Sterne zu blicken. Er ermöglicht das auch vielen in Bremen und umzu. Eine Herausforderung bei nur 35 Plätzen pro Veranstaltung. "Wir würden sicherlich 50.000 oder 60.000 Besucher generieren, wenn wir sie auch alle einlassen könnten", erklärt der Leiter des Bremer Planetariums, der dieses Jahr am 23. Januar ein ganz besonderes Jubiläum feiern kann: Er wird 50 Jahre alt. Und seine Arbeitsstätte 70 Jahre. Und hätte er dazu einen Geburtstagswunsch frei, dann wäre das sicher ein größeres und moderneres Planetarium.

Ich wünsche mir tatsächlich für Bremen als Stadt der Raumfahrt ein größeres, ein moderneres Planetarium.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Leiter des Bremer Planetariums

In seinen Augen könnte Bremen als Standort für Luft- und Raumfahrttechnik viel mehr Werbung für den Weltraum machen: "Ich finde, das müsste Bremen trotz aller hanseatischen Bescheidenheit mal nach außen tragen." Dabei ist Andreas Vogel guter Dinge, dass es was werden könnte mit einer größeren Sternwarte. Die Idee ist bei der Stadt angekommen: Man gucke gerade gemeinsam, was in Bremen möglich ist.

Zum Jubiläum strahlt der hellste Stern

Metalhenge in Bremen Walle bei der Mülldeponie
Metalhenge: Auf der Blockland-Deponie befindet sich ein guter aussichtpunkt für Sternengucker. Bild: Radio Bremen | Martina Raake

Passend zum 70. Jubiläum der Sternwarte zeigt sich der Sternenhimmel im Januar besonders imposant: "Gerade haben wir die hellsten Sterne im Jahreslauf am Abendhimmel versammelt", schwärmt Andreas Vogel. Jetzt kann man abends gegen 21 Uhr den "hellsten Stern des Himmels, Sirius, im Südosten nah am Horizont erkennen." Und das nicht nur vom Planetarium in der Neustadt aus, sondern ausgesprochen gut auch von der Kunstinstallation "Metalhenge", einem astronomischem Aussichtspunkt, der sich in etwa 40 Metern Höhe auf einem stillgelegten Teil der Blocklanddeponie im Stadtteil Walle befindet.

Wer nicht so lange warten möchte, kann schon gegen 19:05 Uhr den "Geburtstagsgruß" der Internationale Raumstation ISS hell sichtbar am Süd-West-Himmel erkennen, so Vogel weiter. Ein besonderes Highlight für alle Astronomie-Fans: "Genau am 70. Geburtstages des Olbers-Planetarium erreicht das James-Webb-Teleskop seinen endgültigen Zielorbit im Lagrangepunkt L2. Ein schöner Zufall, der gleich zwei Anlässe zum Feiern gibt", erzählt der Sternengucker begeistert.

Voraussichtlich ab Juni wird das Weltraumteleskop einsatzbereit sein, so Vogel: "Hoffentlich dann zusammen mit dem geplanten, modernisierten Videosystem im Planetarium." Mit der Einweihung des neuen Videosystems soll dann auch das 70-jährige Jubiläum nachgefeiert werden.

Polarlichter, Sternschnuppen und Sonnenfinsternis für 2022

Sonnenfinsternis
Noch seltener als eine partielle ist eine totale Sonnefinsternis in Bremen. Die letzte war 1999, die nächste erst wieder am 3. September 2081. Bild: Dr. Hanns Selig

Neben den alljährlichen Sternschnuppen-Schauern wie im Juli gibt es dieses Jahr noch mehr am Himmel zu sehen: Für den 25. Oktober ist über Bremen eine partielle Sonnenfinsternis angekündigt, so Vogel. Wenn sich der Mond wieder zwischen Sonne und Erde schiebt, dann wirft die Sonne um die Mittagszeit einen Halbschatten des Mondes auf die Erde. So wird sie etwa zu einem Drittel verdeckt sein.

Zum Jahresende wird der Mars dann wieder auffällig rot am Himmel leuchten, kündigt Vogel an. Was nicht so leicht vorhersehbar ist, sind Polarlichter. Die kommen oft spontan und überraschend. Gerade beginne ein neuer Sonnenzyklus. Dabei häufen sich kleine Explosionen auf der Sonne und diese führen zu extremeren Polarlichtern, so Andreas Vogel.

Bremens Planeten-Erklärer liebt Star Trek und Star Wars

Die Faszination für den Sternenhimmel und die Begeisterung für den Kosmos teilt Andreas Vogel mit vielen, vor allem aber mit Kindern: "Kinder sind von Natur aus Forscher" – davon ist der Science-Fiction-Fan überzeugt, der sich sowohl für Star Trek als auch für Star Wars begeistern kann.

Die Krönung eines Forscherlebens wäre, selbst unter die Entdecker zu gehen und eine Duftmarke im Weltraum zu hinterlassen. Wie Olbers vor über 200 Jahren, als er zunächst die riesigen Asteroiden Pallas und Vesta entdeckte, später gefolgt von sechs weiteren Kometen. Darunter "13P/Olbers", der im Juni 2024 wieder an der Erde vorbeizieht.

Einen Kometen zu entdecken, das wäre natürlich eine schöne Sache. Davon träumt jeder Amateur- und auch Berufsastronom, seinen Namen im Himmel zu verewigen.

Andreas Vogel
Andreas Vogel, Leiter des Bremer Planetariums

Sein Lieblingsplanet? "Der Saturn ist am majestätischsten. Und am faszinierendsten ist eigentlich der Mars. Da haben wir die meisten Forschungssonden hingeschickt. Da fahren mehrere Roboter über die Oberfläche und trotzdem verstehen wir ihn noch nicht. Aber der Lieblingsplanet ist und bleibt die Erde."

Mondlandung auf Probe: Bremer Rover soll Mars-Monde erforschen

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 21. Januar 2022 , 18:05 Uhr