Ab jetzt gilt das 9-Euro-Ticket – große Nachfrage in Bremen

Handy, auf dem das 9-Euro-Ticket bestellt wird. Im Hintergrund ein Zug
Bild: DPA | Julian Stratenschulte

Sieben Millionen der Tickets sind bisher bundesweit verkauft worden. Auch in Bremen gibt es einen Ansturm. Die meisten Verkehrsbetriebe bleiben dennoch entspannt.

Ab diesem Mittwoch können Bremerinnen und Bremer für schlanke neun Euro im Monat Busse, Straßenbahnen und regionale Züge nutzen. Das 9-Euro-Ticket, mit dem dies in den kommenden drei Monaten möglich ist, ist entsprechend beliebt. Der aktuellen Meinungsmelder-Befragung von Radio Bremen zufolge befürwortet eine deutliche Mehrheit von 63 Prozent die Umsetzung dieser politischen Maßnahme.

Und auch an den Verkaufsstellen der Verkehrsbetriebe hat sich schon vor dem Start des günstigen ÖPNV-Monatstickets abgezeichnet, dass die Nachfrage groß ist. Bis kurz vor dem offiziellen Start ging der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bundesweit von rund sieben Millionen Verkäufen der Sonderfahrkarten aus – rund drei Millionen verkaufte Tickets entfallen allein auf die Deutsche Bahn.

Große Nachfrage bei Nordwestbahn und Co.

Der Ansturm schlägt sich aber auch in den Zahlen der ÖPNV-Anbieter in Bremen und umzu nieder. So wurde allein die Nordwestbahn mehr als 15.000 Tickets an Automaten und in den Verkaufsstellen los. Wobei die online gebuchten 9-Euro-Tickets für die Nordwestbahn über den Verkehrsverbund VBN gebucht werden. Dieser meldete schon zu Wochenbeginn mehr als 21.000 Verkäufe über die eigene "FahrPlaner"-App.

Auch die Zahlen der der BSAG sprechen für sich. Das Bremer Verkehrsunternehmen meldete am Montag, seit dem Verkaufsstart mehr als 50.000 der 9-Euro-Tickets verkauft zu haben.

"In einigen Verkaufsstellen wie Kiosken und Zeitschriftengeschäften ist es den Inhabern zum Teil wohl vorgekommen, als wäre das 9-Euro-Ticket ein Mitnahmeartikel", sagt BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. "Das lässt bei uns den Rückschluss zu, dass es sich bei vielen noch nicht um unsere eigenen Kunden handelt." Ob die BSAG die neuen Kunden überzeugen kann, hänge nun davon ab, wie es in den kommenden drei Monaten laufe.

BSAG informiert Kunden auf Website über Alternativen

Mit vollen Bahnen rechnet die BSAG dabei am ehesten zu den Hauptzeiten, also wenn früh morgens und spät am Nachmittag Berufstätige oder auch Schulkinder unterwegs sind. Um überfüllte Busse und Bahnen zu verhindern, habe die BSAG sogar einen zusätzlichen Posten in der Leitstelle eingerichtet. "Unser Ziel ist es, dass wir uns schnell ein Bild davon schaffen, wenn es sich irgendwo knubbelt", sagt Meyer. Dann würden den Fahrgästen direkt online auf der BSAG-Website Empfehlungen gegeben, zum Beispiel eine alternative Bahn ein paar Minuten später zu nehmen, die dann nur halb so voll sei.

Insgesamt sei die Situation aber auch deshalb vergleichsweise entspannt, weil die Auslastung der BSAG im Vergleich zur Zeit vor Corona noch immer nur bei rund 80 Prozent liege.

VBN empfiehlt Fahrten in den Randzeiten

VBN-Sprecher Eckhard Spliethoff geht ebenfalls davon aus, dass volle Busse, Bahnen und Züge auch mit dem 9-Euro-Ticket nicht die Regel sein werden. "Die Aktion findet während der Sommermonate statt, in denen zunächst grundsätzlich weniger Menschen mit Bus und Bahn unterwegs sind als in den Wintermonaten", sagt er.

Spliethoff rechnet am ehesten auf einigen Bahnverbindungen damit, dass es enger wird. "Hier appellieren wir an die 9-Euro-Ticket-Kunden, wenn sie die Freiheit haben zu wählen, eher dienstags bis donnerstags zu fahren und dann auch eher in Zeiten, wenn nicht die Pendler und Pendlerinnen unterwegs sind."

Nordwestbahn warnt vor Fahrradmitnahme

"Wie groß der Ansturm für uns wird, das ist enorm schwierig einzuschätzen", sagt Nordwestbahn-Sprecher Steffen Högemann. Das Unternehmen erwarte vor allem im Freizeitbereich hohen Andrang. "Vor allem bei Fahrten an die Nordseeküste könnte es voll werden", sagt der Sprecher. Gerade Fahrradfahrern rät er, gut darüber nachzudenken, ob sie das Rad zum Beispiel direkt am Pfingstwochenende mitnehmen müssen. "Schon ohne 9-Euro-Ticket haben wir in Stoßzeiten Probleme, alle Fahrräder mitzunehmen."

Ob auch Städtetrips, zum Beispiel nach Bremen, zu überfüllten Bahnen führten, sei hingegen noch offen, sagt Högemann. "Bei unseren normalen Städteverbindungen, zum Beispiel von Osnabrück nach Bremen, erwarten wir keine deutlich steigenden Fahrgastzahlen", sagt der Sprecher. Und auf den ohnehin hochfrequentierten Strecken wie der RS1 zwischen Bremen-Vegesack und dem Bremer Hauptbahnhof gebe es vermutlich auch nicht so viele Umsteiger vom Auto auf die Bahn, die das Angebot nicht schon jetzt nutzen würden.

So lief der Verkaufsstart vom 9-Euro-Ticket in Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. Juni 2022, 19:30 Uhr