Interview

Bremer Psychologin: Mit diesen Tipps werden gute Vorsätze eingehalten

In einem Notizkalender klebt ein Zettel mit der Aufschrift "Weniger Alkohol trinken!"
Auch eine regelmäßige Erinnerung kann helfen. Bild: Imago | McPhoto

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Gute Vorsätze werden erst gefasst, dann vernachlässigt, dann verflucht. Was kann man anders machen? Eine Bremer Psychologin gibt Tipps.

Die Professorin Sonia Lippke lehrt Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University Bremen und forscht zu Gesundheitsverhaltensweisen. Mit welchem Verhalten man sich mit seinen Neujahrsvorsätzen am geschicktesten anstellt, erklärt sie im Interview.

Frau Lippke, nach hehren Zielen zu Beginn des Jahres folgt gerne mal Frust. Wie lässt sich der vermeiden?
Auf jeden Fall erstmal realistische Ziele setzen. Also nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig – die Ziele müssen schon spannend bleiben. Und wenn man merkt, dass man schnell Frust empfindet, wenn etwas nicht genauso klappt oder erreicht wird, auch ruhig ein wenig Flexibilität bei den Zielen an den Tag legen. Und sich auch selber mal belohnen für das, was klappt! Mal innehalten und sich auf die Schulter klopfen. Und sich entweder selber sagen: "Mensch, das habe ich richtig gut hingekriegt" – oder es eben anderen erzählen und sich ein Stück Lob von außen einholen.
Sonia Lippke
Sonia Lippke lehrt Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University Bremen und forscht zu Gesundheitsverhaltensweisen. Bild: Jonas Ginter/WFB
Hilft es da womöglich, Komplizen mit einzubinden? Also zum Beispiel das, was man sich vorgenommen hat, bei Social Media bekannt zu machen, damit man Druck verspürt?
Das kann schon auch helfen, aber man sollte wirklich sich selber verpflichten oder auch wichtigen Personen davon erzählen. Und das kann dann eben dazu führen, dass die einem auch mal den Rücken freihalten. Oder fragen: "Hey, hast du es jetzt wirklich gemacht?" Man kann auch eine Wette abschließen und dann miteinander Ziele haben, auch so ein bisschen wetteifern. "Gamification", so eine Art Spiel daraus zu machen, ist immer gut. Aber das einfach irgendwo zu posten, kann womöglich eher zu Frust führen.
Wenn es einem schwer fällt, Vorsätze alleine umzusetzen, sollte man es vielleicht auch zusammen mit seiner Partnerin oder seinem Partner versuchen?
Ja, auf jeden Fall. Gerade jetzt zur Pandemie ist es natürlich so, dass viele Menschen das Gefühl haben, ein bisschen abgehängt zu sein oder weniger mit anderen Menschen zusammenzukommen. Da hilft es auf jeden Fall, sich zu verabreden. Und wenn es der Partner ist, mit dem man zusammen wohnt: Auch einfach mal etwas anderes machen. Das heißt, darüber eben auch wieder zueinander zu finden und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Es hilft also nicht nur, die Ziele wirklich in die Tat umzusetzen, sondern vielleicht auch dieses Gefühl der Einsamkeit oder des "sich-nicht-verstanden-Fühlens" zu überwinden.
Was halten Sie von To-Do-Listen, sich die Dinge also einfach aufzuschreiben?
Die halte ich für sinnvoll. Wir sind ja auch alle gut geübt darin, To-Do-Listen anzufertigen, zum Beispiel vom Job. Da ist es eben wichtig, einen gewissen Transfer herzustellen. Also aus dem zu lernen, was wir eh schon gut können. Unsere Forschung zeigt da: Viele Menschen haben positive Erfahrungen in bestimmten Bereichen. Und wenn sie sich an das erinnern, dann können sie sich auch neue Ziele besser vornehmen und in die Tat umsetzen.

Bremer Gesundheitspsychologin: "Bei manchen sind die Batterien leer"

Bild: Radio Bremen

Dieses Thema im Programm: ARD Morgenmagazin, 3. Januar 2022, 6 Uhr