Was ein namenloser Reiter über die allerersten Bremerhavener verrät

Er war gut genährt, aber krank: Das Skelett eines Mannes wurde 1973 beim Bau des Schifffahrtsmuseums gefunden. Sensationell ist es, was man durch ihn erfuhr.

Bild: Historisches Museum Bremerhaven

Dass Geschichte sich in der Gegenwart nochmal ändert, kommt eher selten vor. Im Historischen Museum in Bremerhaven ist das passiert. Dort geht es nämlich um die Geschichte der Stadt. Ein Fund aus dem Jahr 1973 hat einiges auf den Kopf gestellt.

Im alten Hafen wurde 1973 das Schifffahrtsmuseum gebaut. Während der Bauarbeiten wurden mehrere Jahrhundert halte Skelette gefunden. Eines von ihnen, der namenlose Reiter, erzählt die Geschichte des Jahres 1600. Das Besondere daran: Bremerhaven wurde 1827 als Hafen von Bremen gegründet. Offensichtlich gab es aber vorher schon einige Aktivitäten an diesem Ort. Dass sich der Ort besonders gut zum Gütertransport für die Schifffahrt und zum Handeltreiben eignet, wussten auch schon die Schweden. Deshalb gründeten sie im 17. Jahrhundert die Stadt Karlsburg, wie Kerstin Ras-Dürschner erzählt. Möglicherweise waren sie aber nicht die Ersten, so Ras-Dürschner weiter. Sondern Menschen, die schon vorher dort in Siedlungen lebten.

Das Skelett verrät: Der Mann war chronisch krank

Kerstin Ras-Dürschner
Kerstin Ras-Dürschner weiß, was die Knochen des jungen Mannes verraten. Bild: Historisches Museum Bremerhaven

Neben dem namenlosen Reiter tauchten an diesem Ort acht weitere Skelette auf, unter anderem das eines Kindes. Alle acht Menschen seien miteinander verwandt und einzeln bestattet worden. Im Magazin des Historischen Museums liegen die Knochen dieser Menschen heute. Sie sind weit weniger gut erhalten als der Reiter und lagern deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verpackt und gut geschützt, damit sie nicht verfallen.

Anhand der Knochen des Mannes lässt sich einiges ableiten, sagt Ras-Dürschner vom Historischen Museum: "Er war 25 bis 30 Jahre alt, er war gut ernährt, das kann man an den Zähnen erkennen. Er hat zu Lebzeiten auch nur einen Zahn verloren, der vereitert war. Bei den anthropologischen Untersuchungen hat man auch herausgefunden, dass er eine chronische Kieferhöhlenentzündung hatte. Es gibt auch Hinweise auf eine Meningitis, also eine Hirnhautentzündung. Möglicherweise ist er daran gestorben."

Ein wohlhabender Mann

Skelettteile von sieben Personen im Historischen Museum Bremerhaven.
Im Historischen Museum liegen Teile von sieben weiteren Menschen, die gefunden wurden. Bild: Historisches Museum Bremerhaven

Auch die Herkunft des Skelettes ist erkennbar. So sei er ein versierter Reiter gewesen, der schon von Kindesbeinen an oft auf dem Pferd gesessen habe. Da einfache Bauern allerdings keine Pferde besessen hatten, muss es ein Mann mit einem gewissen finanziellen Auskommen sein: "Es ist auch möglich, dass er aus dem Bereich des Militärs stammt," vermutet Ras-Dürschner. Die Untersuchungen bezüglich des Alters, des Geschlechts und der Lebensumstände sind zwar abgeschlossen. Dass sie bald allerdings wieder relevant werden, sei nicht auszuschließen.

Es ist auch möglich, dass er aus dem Bereich des Militärs stammt.

Dr. Kerstin Ras-Dürschner vom Historischen Museum

Namenloser Reiter bleibt namenlos

Die Fragen bleiben: Wer waren diese ersten Bremerhavener und was haben sie gemacht? Um das genau sagen zu können, hoffen die Experten, dass irgendwann noch mehr Überreste zum Vorschein kommen. Doch Theorien gibt es bereits. "Eine Erklärungsmöglichkeit wäre, dass an der Stelle ein Bremer Vorposten war. Wir sprechen als vom 17. Jahrhundert, der Zeit des 30-jährigen Krieges. Es könnte sein, dass Bremen hier die Weser kontrollieren wollte, mit diesen Vorposten", so Ras-Dürschner. Die Frage, wer er genau war, bleibt vorerst im Dunkeln. Er soll erst einmal keinen Namen bekommen, denn einige Geheimnisse bleiben. Der namenlose Reiter – einer der ersten Bremerhavener und ein Zeuge der Stadtgeschichte.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. Januar 2021, 19:30 Uhr