Warum eine Bremerin Erinnerungen aus Kleidung Verstorbener näht

Bild: Radio Bremen

Wenn geliebte Menschen sterben, bleibt ihre Kleidung oft im Schrank. Ein Vegesacker Start-Up hilft Angehörigen bei dem Trauerprozess und näht berührende Erinnerungsstücke.

Hinter jedem Kleidungsstück, das Alessia Argiolas in den Händen hält, verbirgt sich eine Geschichte von Verlust und Trauer. Zusammen mit ihrer Freundin Lisa Schmidt hat sie die Firma "Herz & Stich" gegründet. Sie nähen und verkaufen einzigartige Erinnerungsstücke aus Kleidung von Verstorbenen: ein Kuscheltier zum Beispiel oder ein Kissen — ganz nach den Wünschen der Hinterbliebenen.

Kinderkleidung liegt auf einem Tisch vor einer Frau.
An der Kleidung des verstorbenen Kindes hängen viele Erinnerungen. Bild: Radio Bremen

Melanie Thölken ist eine der Kundinnen. Ihr vierjähriger Sohn ist im März völlig überraschend an einem Leberversagen gestorben: "Als verwaiste Mutter hat man es echt schwer, so ein Kleidungsstück anzufassen, geschweige denn zu verkaufen. Hier gibt es für mich eine Möglichkeit, die Sachen in die Hand zu nehmen und etwas Schönes daraus zu machen."

Für ihr Erinnerungsstück hat sie sich für einen Body ihres Sohns entschieden. Dennoch fiel es ihr schwer, sich nun von dem Kleidungsstück zu trennen. Ihr Auswahl war deshalb wohl überlegt.

Eigene Trauererfahrungen brachten die Idee

Frau sitzt an Nähmaschine und näht.
Beim jungen Start-Up geht es um weit mehr als nur Nähkunst. Bild: Radio Bremen

Alessia Argiolas kennt den Verlust von geliebten Angehörigen aus eigener Erfahrung: Kurz vor der Geburt verlor sie ein Kind. Als dann auch ihr Schwiegervater starb, kam ihr die Idee für das kleine Start-Up: "Mein Schwiegervater war eine sehr wichtige Person in unserer Familie und ich habe mitbekommen, wie überfordert meine Schwiegermutter mit der ganzen Kleidung war, da hab ich gedacht: Man könnte ja etwas daraus machen."

Ihre Freundin Lisa Schmidt hat die Idee sofort berührt. Sie selbst hat bereits Angehörige verloren: Als sie gerade mal 21 Jahre alt war, sei ihr Vater verstorben und vor fünf Jahren dann auch ihre Mutter. Also unterstützte sie Alessia Argiolas bei der Gründung.

Kunden aus ganz Norddeutschland

Die gebürtige Italienerin sieht vor allem die positive Seite in ihrer Arbeit: Sie wolle empathisch sein, versuche aber auch die Geschichten nicht zu sehr an sich ran zu lassen. Ihre Motivation ziehe sie in erster Linie daraus, dass sie ihre Arbeit als Hilfestellung in dem Trauerprozess sehe.

Mit ihrem Angebot erreichen die beiden Gründerinnen inzwischen auch Menschen aus ganz Norddeutschland. Melanie Thölken ist beispielsweise extra aus Walsrode angereist. In etwa zwei Wochen kann sie ihre Erinnerungsstücke an ihren Sohn abholen.

Autorin

  • Marianne Strauch

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 31. Juli 2021, 19:30 Uhr