Interview

Bremer Mittenmang-Festival bringt Inklusion auf die Bühne

Drei Schauspielerinnen mit Handpuppen stehen beim "Schwesternprojekt" auf der Bühne.
Das "Schwesternprojekt", das beim Mittenmang-Festival aufgeführt wird, stellt die Frage, ob Göttinnen auch behindert sein dürfen. Bild: Theater Bremen | Thilo Beu
Bild: Theater Bremen | Thilo Beu

Schauspiel, Tanz, Musik und Workshops am Bremer Theater – Karolin Oesker vom Blaumeier-Atelier verrät, was die Besucher ab Mittwoch bei dem Festival erwartet.

Am Mittwochabend beginnt das vierte Mittenmang-Theaterfestival in Bremen. Das Blaumeier-Atelier, in dem Menschen mit und ohne Behinderung an gemeinsamen Kunst- und Theaterprojekten arbeiten, ist Mitveranstalter dieser internationalen Veranstaltung. Bremen 4 hat mit Karolin Oesker vom Blaumeier-Atelier über das Festival gesprochen.

Frau Oesker, was ist das Besondere an Mittenmang?
Mittenmang ist ein Festival, zu dem ganz viele Menschen mit und ohne Beeinträchtigung kommen. Die machen deutschlandweit – und normalerweise auch auf der ganzen Welt – Kunst, und vor allem Theater. Dieses Jahr werden es sehr viel regionalere Gruppen sein, weil man nicht so gut reisen kann. Aber trotzdem wird es toll und etwas Besonders. Denn die Zeit war hart für alle inklusiven Theatergruppen. Umso froher sind wir, dass wir das jetzt machen und zeigen und so viele Gäste nach Bremen einladen können.
Was hat es mit dem Namen des Festivals auf sich?
Mittenmang heißt einfach mittendrin. Und damit gemeint ist sowohl mittendrin zu sein, indem man im Theater mitten im Getümmel steht, während da Veranstaltungen stattfinden. Es heißt aber genauso auch, dass Menschen mit Beeinträchtigung mittendrin in der Gesellschaft sind. Und dass sie Teil der Kunstszene sind.
Was gibt es in den nächsten Tagen alles zu sehen?
Es gibt ein Schwesternprojekt. Die fragen sich am 7. und 8. Juli, ob eine Göttin behindert sein darf. Und sie fragen sich auch, ob man sexy aussehen muss, wenn man die Welt retten will.
Es gibt auch zwei Tanzstücke. Da ist zum einen die spanische Gruppe Danza Mobile. Einen Abend gestalten wir auch in Kooperation mit dem Verein "tanzbar_bremen". Dann gibt es vom Theater Thikwa aus Berlin eine Performance zum Thema Autismus, das Stück heißt "Vertigo".
Eine zum Theatertreffen eingeladene Tanzproduktion heißt "Scores that shaped our friendship". Sie findet im Theater am Goetheplatz statt. Darin vermessen Lucy Wilke und Paweł Duduś ihre Freundschaft tänzerisch, um herauszufinden, was da eigentlich der Kern der Sache ist.
Schauspieler des Bremer Blaumeier-Ateliers führen das Stück "Unfassbar" auf, bei dem es um den Raub eines Weins aus dem Ratskeller dreht.
Auf dem Mittenmang-Festival wird auch das Stück "Unfassbar" vom Blaumeier-Atelier aufgeführt, bei dem es um einen Wein-Raub geht. Bild: Theater Bremen | Marianne Menke
Was trägt das Bremer Blaumeier-Atelier bei?
Wir planen die Wiederaufnahme eines Maskentheaterstück, das "Kopf über Kopf" heißt. Das ist von einer Nachwuchs-Schauspielgruppe, die sich jetzt zum ersten Mal auf einer großen Bühne zeigen darf.
Im Theatergarten spielen wir darüber hinaus den Bremer Krimi "Unfassbar". Da geht es um einen Wein, der aus dem Bremer Ratskeller entwendet werden soll. Das ist so ein bisschen inspiriert von Ocean‘s Eleven.
Eine weitere Performance heißt "Artgerecht". Sie wird im Theaterhof gezeigt. Sie kommt aus der neuen Blaumeier-Miniserie "1800 Sekunden". Da sind also 30 Minuten Programm zu einem Thema, das vorher ausgelost wurde. Und so richtig weiß keiner, was passiert. Aber es wird bestimmt interessant.
Für die Theaterstücke gibt es Tickets über das Theater Bremen. Aber es gibt auch Stücke umsonst und draußen. Wann und wo finden die statt?
Da gibt es jeden Tag etwas. Wir fangen am Mittwochabend um 18 Uhr an mit einer kleinen Eröffnung und einem Konzert von einer Brass Band aus Frankreich, die relativ witzig auch so Überraschungseffekte einbindet. Und um 21:30 Uhr haben wir dann eine Lesung über ein Blaumeier-Porträtbuch.
Ansonsten gibt es jeden anderen Tag ab 16 Uhr Programm. Freitag bis Sonntag gibt es Tanz zu sehen. Es gibt auch nochmal bis einschließlich Samstag diese französische Band jeweils um 18 Uhr. Am Sonntag um 16:30 Uhr findet ein Konzert von einer Gruppe aus Hamburg statt, die heißt "Verdienst".
Wer Lust hat, richtig mitzumachen, der kann von Freitag bis Sonntag von 10 bis 14 Uhr kostenfrei an einem Kostüm-Workshop auf dem Goetheplatz beim Theater teilnehmen. Das ist die gleiche Gruppe, die das Schwestern-Projekt macht und zum Thema Heldinnen und Göttinnen arbeitet.
Anmelden können sich Interessierte über unsere Website. Und auch ansonsten ist da aber viel los.

Mehr zum Thema:

Autor

  • Malte Janssen Moderator

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier Läuft, 6. Juli 2021, 16:45 Uhr