Fragen & Antworten

Was der geplante Mietspiegel für Bremer Mieter und Vermieter bedeutet

Audio vom 23. November 2021
Mietvertrag mit Geldscheinen (Symbolbild)
Bild: Imago | Chromorange
Bild: Imago | Chromorange

Ab Januar 2024 soll das Land Bremen einen Mietspiegel bekommen. Heute will der Senat das Projekt auf den Weg bringen. Was ist ein Mietspiegel und welche Folgen hat er?

Was kostet die Miete in Gröpelingen, der Überseestadt, Huchting, Findorff oder Schwachhausen im Schnitt? Bisher gibt es in Bremen keinen Überblick durch einen Mietspiegel – in anderen Großstädten dagegen schon. Auch in Bremerhaven gibt es ihn bereits. Nun kommt Schwung in die Debatte. Über das ab Januar 2024 geplante Projekt berät heute der Senat. Was der Mietspiegel künftig für Bremer und Bremerinnen bedeutet und wem er nützt – hier die Antworten.

Was ist ein Mietspiegel?
Der Mietspiegel ist seit dem Beschluss der Großen Koalition im Sommer 2021 Pflicht für Städte und Gemeinden mit mehr als 50.000 Einwohnern. Er ist eine Übersicht, mit der sich ortsübliche Monatsmieten in einem Stadtteil vergleichen lassen. Für diese Übersicht werden die Daten von Mietern und Vermietern ausgewertet. Um die Mietpreise in einem Stadtteil sinnvoll vergleichen zu können, werden die Wohnungen dabei nach Merkmalen wie Art, Größe, Ausstattung, Zustand und Lage eingeordnet. Aus den Ergebnissen kann dann für verschiedene Wohnlagen der jeweilige Durchschnitt der Mietpreise abgelesen werden. Alle zwei Jahre soll der Mietspiegel der Marktentwicklung angepasst werden.
Profitieren Bremer Mieter von dem Mietspiegel?
  • Pro: Einerseits ja. Mit dem Mietspiegel ist der Wohnungsmarkt transparenter. Jeder kann einsehen, ob der Mietspiegel der eigenen Wohnung über oder unter dem Durchschnitt des Stadtteils liegt. Für Mieter hieße das auch mehr Rechtssicherheit, erklärt Kornelia Ahlring, Geschäftsführerin des Mietvereins Bremen. Denn Vermieter seien mit dem sogenannten "qualifizierten Mietspiegel", wie Bremen ihn will, verpflichtet, den Mietspiegel bei Mieterhöhungen zu berücksichtigen. Außerdem werde er nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt. Rechtlich ist so zum Beispiel festgelegt, dass die Miete bei Neuvermietungen maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf. Das regelte zwar seit 2015 bereits die Mietpreisbremse in Bremen. Aber ein Verstoß dagegen konnte ohne Mietspiegel vor Gericht bislang kaum belegt werden.
  • Contra: Andererseits – mit dem Mietspiegel könnten private Vermieter ihren Mietpreis auch anpassen und gegebenenfalls erhöhen. In Bremen gibt es viele private Vermieter mit wenigen Objekten: Knapp 60 Prozent der rund 175.000 Bremer Mietwohnungen gehören privaten Kleineigentümern. Oft erhöhten private Vermieter die Miete nur bei einem Wechsel der Bewohner. Das könne sich allerdings ändern, wenn es einen Mietspiegel gäbe und damit auch Rechtssicherheit für eine Anpassung, erklärt Ahlring.
Was bedeutet der Mietspiegel für Bremer Vermieter?
"Der geplante Mietspiegel verpflichtet Mieter und Vermieter, Auskunft über ihre Immobilie zu geben", erklärt Lina Neddermann, Sprecherin der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Angaben zum Mietpreis der Lage, Größe, Zustand und Art der Immobilie seien davon eingeschlossen. Für Vermieter bedeutet der Mietspiegel aber auch: Ihr Mietpreis kann unkomplizierter an den Mietspiegel angeglichen werden. Statt – wie bisher – Mietpreise durch Vorlage dreier vergleichbarer Objekte zu begründen oder ein Sachverständigengutachten, reicht dann ein Verweis auf den Mietspiegel. Mögliche Streitereien zwischen Mietern und Vermietern könnten mit dem Mietspiegel vermieden werden, sagt Ingmar Vergau Geschäftsführer des Vermieterverbands Haus & Grund in Bremen.

Mietspiegel soll Mieten in Bremen vergleichbar machen

Video vom 23. Juni 2021
Balkone an einem Mietshaus aus den 60er-Jahren in der Bremer Neustadt.
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden
Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Autorin

  • Anna Görner Volontärin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 23. November 2021, 8 Uhr