Meinungsmelder

Waffen ja, Wehrdienst nein? Das sagen Meinungsmelder zum Ukraine-Krieg

Wie auf den Ukraine-Krieg reagieren? So denken Bremer Meinungsmelder

Bild: DPA | Philipp Schulze

Der Ukraine-Krieg verunsichert die meisten Meinungsmelder. Aber soll deshalb wieder die Wehrpflicht eingeführt werden? Ein Stimmungsbild aus der aktuellen Befragung.

Fühlen Sie sich von der aktuellen Situation in der Ukraine bedroht? Halten Sie eine Aufrüstung der Bundeswehr für notwendig? Und sind Sie für eine Wiedereinführung der Wehr- und Dienstpflicht?

Auf diese Fragen haben uns binnen eines Tages gut 3.000 Radio-Bremen-Meinungsmelder aus Bremen, Bremerhaven und umzu geantwortet. Nicht in allen Punkten sind sich die Befragten einig. Bei anderen ergibt sich hingegen ein klares Bild.

1 Knapp drei Viertel der Befragten fühlen sich bedroht

Gefragt, ob sie sich von der aktuellen Situation in der Ukraine bedroht fühlen, ist das Votum auf einer Skala zwischen 0 und 10 deutlich. Eine Mehrheit von 73 Prozent fühlt sich durch die Situation in der Ukraine bedroht und ordnet sich eher Werten zwischen 6 und 10 zu.

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Als Gründe werden beispielweise die Ungewissheit über die Folgen der russischen Invasion und die Gefahr einer Ausweitung des Krieges auf weitere Länder genannt. Auch die geografische Nähe des Kriegs zu Bremen spielt für viele eine Rolle. "Das muss nur noch ein bisschen eskalieren und schon sind zum Beispiel die bremischen Häfen auch ein Ziel, und zwar sowohl für die Nato als auch Russland", sagt ein 66-jähriger Meinungsmelder aus Bremen.

Persönlich fühle sie sich direkt zwar nicht bedroht, sagt Meinungsmelderin Cornelia Gollnick aus Bremen-Walle. "So nah bei uns ist das aber schon auch eine Art innere Bedrohung."

Vielleicht sind wir etwas abgebrühter, wenn so etwas auf anderen Erdteilen stattfindet.

Porträt von Meinungsmelderin Cornelia Gollnick (61) aus Bremen-Walle
Cornelia Gollnick (61), Meinungsmelderin aus Bremen-Walle

Sie bedrücke vor allem, wenn sie Kinder, Mütter und alte Menschen sehe, die sich jetzt aus zerbombten Städten retten müssten, sagt die 61-Jährige.

2 Klare Mehrheit befürwortet eine Aufrüstung

Fast drei Viertel der Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder halten in der aktuellen Situation eine Aufrüstung für notwendig. Demgegenüber hält knapp ein Viertel der Befragten Aufrüstung für überhaupt nicht oder eher nicht notwendig.

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Die Gegner einer Aufrüstung der Bundesrepublik sprechen in ihren Kommentaren unter anderem von einer "Rüstungsspirale". Das Leisten von "zivile[m] Widerstand und Friedensdemos in der Ukraine" sei eine alternative Lösung, schreibt ein 63-jähriger Meinungsmelder aus Niedersachsen.

Meinungsmelderin Christine Brovkina stammt aus Russland. "Ich finde Aufrüstung grundsätzlich nie gut", sagt die 30-Jährige. Denn ihrer Ansicht nach ließen sich viele Probleme nicht militärisch lösen. "Das sollte mittlerweile – im Jahr 2022 – nicht die einzige Lösung sein", sagt Brovkina. Alternativ hofft sie auf eine internationale Kooperation, um solche Regime wie zurzeit in Russland tatsächlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Für mich wäre es richtig, wenn die Leute, die solche Aktionen wie einen Krieg in der Ukraine veranstalten, international als Kriegsverbrecher verurteilt werden.

Porträt von Christina Brovkina (30), Studentin an der Kunsthochschule in Bremen
Christine Brovkina (30), Studentin aus Bremen

Nach Alternativen zur Aufrüstung gefragt, nennen die Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder vor allem Diplomatie (62 Prozent), humanitäre Hilfe (56 Prozent) und Sanktionen (57 Prozent). Ein Fünftel der Befragten gab an, keine Alternativen zu den bisher getroffenen Maßnahmen zu sehen.

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3 Geteilte Meinung zur Wehr- und Dienstpflicht

Über die mögliche Wiedereinführung einer Wehr- und Dienstpflicht sind sich die Radio-Bremen-Meinungsmelder uneinig. Zwar begrüßen 45 Prozent der Befragten eine Wiedereinführung. Jedoch steht diesen mit 54 Prozent eine knappe Mehrheit ablehnend gegenüber.

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Meinungsmelder Niklas Bohnert hat selbst 2009 den Wehrdienst verweigert und sich stattdessen für den Zivildienst entschieden.

Wir können niemanden dazu zwingen, so einen Beruf zu tätigen.

Porträt von Meinungsmelder Niklas Daniel Bohnert aus Lilienthal
Niklas Bohnert (31), Unternehmer aus Lilienthal

Der Unternehmer aus Lilienthal sieht den Beruf des Soldaten als "vollwertigen Beruf" an: "Ich bin daher vollkommen dagegen, die Wehrpflicht wieder einzuführen", sagt der 31-Jährige. Die Bundeswehr brauche keine frischen Absolventen eines Abiturjahrgangs oder Menschen, die noch nicht wissen, welche Ausbildung sie machen. "Für die Bundeswehr wäre es gut, wenn sie Personal bekommt, das irgendwo schon eine Ausbildung gemacht hat."

"Putins Angriffskrieg hat unmittelbare Auswirkungen für Bremen"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. März 2022, 19:30 Uhr