Meinungsmelder

Küche, Kinder, Corona: Zahlen Frauen den Preis für die Pandemie?

Gleichberechtigung in der Krise? Bremer Frauen empfinden das nicht so

Bild: Radio Bremen

Bei den Radio-Bremen-Meinungsmeldern gibt es keinen Konsens darüber, wie Frauen durch die Pandemie gekommen sind. Auch abhängig davon, ob Frauen oder Männer antworten.

Der Weltfrauentag ist offiziell der "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" und steht dieses Jahr nicht zufällig unter dem Motto "Geschlechtergleichstellung heute für ein nachhaltiges Morgen". Wie weit ist es mit der im Land Bremen her in Zeiten von Corona?

War die Corona-Pandemie ein Treiber, alte Rollenbilder wieder zu verfestigen? Wo bleibt die Gleichberechtigung auf der Strecke? Was assoziieren die Menschen mit dem Wort "Gleichberechtigung" überhaupt? Viele nennen hier den Begriff "Bezahlung", was dazu passt, dass die Gleichberechtigung nach Meinung der Befragten vor allem auf dem Arbeitsmarkt oft auf der Strecke bleibt: Kein Bereich – sei es Bildung, Familie, Partnerschaft oder Gesellschaft allgemein – wird stärker mit einer fehlenden Chancengerechtigkeit assoziiert.

In der Regel übernehmen Frauen nach wie vor den Hauptteil der Betreuungsarbeit und müssen sich entscheiden, ob sie ihre Stunden reduzieren oder die Kinder länger fremdbetreut werden müssen, während Männer in vielen Fällen durchgehend arbeiten. Dadurch werden sowohl finanzielle Möglichkeiten als auch Aufstiegschancen eingeschränkt.

27-jährige Meinungsmelderin aus der Bremer Neustadt

Hautpsächlich "Frauensache"

Haus- und Betreuungsarbeit sei immer noch hauptsächlich "Frauensache": Zwei Drittel der Meinungsmelder senkten bei der Frage, ob die Verteilung dabei ausgewogen sei, den Daumen nach unten. Bei den Frauen waren es sogar 77 Prozent. Im Vergleich dazu: Immerhin gut ein Viertel der Männer gaben mit einem "Daumen hoch" an, die Verteilung sei ihrer Meinung nach gerecht aufgeteilt.

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Unterschiede in der Bewertung

Unterschiede in der Bewertung werden auch deutlich bei der Frage, welche Rolle die Pandemie gespielt hat. 60 Prozent der Frauen betonen, dass die Gleichberechtigung mindestens ein wenig abgenommen habe – bei Männern sind es gerade mal 32 Prozent. Das heißt prozentual sehen doppelt so viele Frauen wie Männer hier eine Verschlechterung. 47 Prozent, also fast die Hälfte der befragten Männer, gaben hingegen überhaupt keine Antwort.

Es sind wieder alte Muster entstanden. Es wird einige Zeit brauchen, diese wieder zu durchbrechen.

61-jährige Meinungsmelderin aus Nordenham

Wie sehr Frauen im Konflikt zwischen Beruf und Arbeit stehen, sorgte ebenfalls für unterschiedliche Wahrnehmungen bei weiblichen und männlichen Meinungsmeldern.

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Insgesamt 54 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder glauben, dass durch die Corona-Pandemie die Aufteilung zwischen Haus- bzw. Betreuungsarbeit und Erwerbsarbeit eher zu Lasten der Frau geht.

Wünsche für die Zukunft

Bei vielen Punkten herrscht Einigkeit: Besonders deutlich wird das bei der Frage, wer für Gleichberechtigung sorgen und sie umsetzen soll. Mit einer großen Mehrheit sagten alle Befragten, dass jede und jeder dafür verantwortlich ist, für eine Welt zu sorgen, in der Männer und Frauen nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt werden sollen. Fordernder als die Männer sind die Frauen gegenüber der Gesellschaft und der Politik.

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Auf dem Wunschzettel der Meinungsmelder stehen außerdem gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, teils eine Frauen-Quote, eine gerechte Verteilung der Hausarbeit, staatliche Förderung von Erziehungsarbeit, eine flexiblere Gestaltung der Elternzeit und die generelle Verabschiedung alter Rollenbilder bei der Erziehung.

Weltfrauentag als Feiertag

In Berlin wurde der 8. März als Weltfrauentag sogar zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Wäre das auch eine Option für Bremen? Rund die Hälfte der Befragten (53 Prozent) hält den Internationalen Frauentag für wichtig – und zwar sowohl Männer als auch Frauen. Doch einen Feiertag daraus machen? Eine knappen Mehrheit stimmte dafür. Allerdings sind auch 35 Prozent, also über ein Drittel, dagegen. In Planung ist der Feiertag zurzeit allerdings nicht, auch wenn Bremens Frauensenatorin Claudia Bernhard ihn begrüßen würde.

Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 8. März 2022, 19:30 Uhr