Meinungsmelder

Zu früh oder zu spät? Lockerungs-Timing spaltet Meinungsmelder

So denken Bremerinnen und Bremer über mögliche Corona-Lockerungen

Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt, um Corona-Maßnahmen zu lockern, spaltet die Meinungsmelder in drei etwa gleich starke Lager. Das sind ihre wichtigsten Argumente.

Sollten die Länderchefs am 16. Februar Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschließen? Oder ist es dafür noch zu früh, beziehungsweise schon zu spät? Die Radio Bremen Meinungsmelder sind bei dieser Frage uneins wie selten.

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38 Prozent der fast 4.600 Personen, die sich an unserer Befragung beteiligt haben, finden, dass es noch zu früh ist, um Schutzmaßnahmen aufzuheben. 27 Prozent dagegen sagen, dass dies bereits hätte geschehen müssen. 31 Prozent der Befragten schließlich halten den jetzigen Zeitpunkt für den richtigen, um Corona-Maßnahmen zu lockern. Dies sind die wichtigsten Argumente der drei Lager:

1 "Es ist zu früh für Lockerungen"

Mit 38 Prozent der Befragten findet eine knappe Mehrheit der Befragten, dass es für Lockerungen der Corona-Maßnahmen Mitte Februar noch zu früh ist. Sie begründen ihre Meinung häufig damit, dass die Zahlen der Neuinfektionen derzeit noch steigen.

Die 68-jährige Hilde Kohake aus dem Bremer Viertel mahnt zudem zur Vorsicht, "weil nun schon mehrfach im Verlauf der Pandemie die Erfahrung gemacht wurde, dass zu frühe Lockerung das Geschehen wieder anheizen. Warum nicht zur Abwechslung mal die Lehren daraus ziehen?" Andere Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder äußern sich ähnlich.

Einige Befragte argumentieren zudem mit der Belastung des Gesundheitssystems. Zwar müssten nicht mehr so viele Corona-Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden wie noch vor einigen Wochen. Auf den übrigen Krankenhaus-Stationen aber gebe es weiterhin sehr viele Corona-Patienten. Auch falle das Personal in den Krankenhäusern oft aus, weil es entweder infiziert oder in Isolation beziehungsweise Quarantäne sei. Geplante Operationen müssten häufig verschoben werden.

2 "Der Zeitpunkt für Lockerungen ist richtig"

Mit 31 Prozent hält ein knappes Drittel der Befragten den Zeitpunkt des Bund-Länder-Treffens für richtig, um Corona-Maßnahmen zu lockern. Viele Befragte verweisen auf die Nachbarländer. Auch England oder Dänemark hätten viele Corona-Maßnahmen aufgehoben, ohne dass die Gesundheitssysteme dieser Länder deswegen zusammengebrochen wären.

Den Grund dafür sehen viele in der Omikron-Variante. Diese führe zwar zu vielen Infektionen, aber vergleichsweise selten zu schweren Krankheitsverläufen. Daher könne man es riskieren, Corona-Maßnahmen zu lockern.

Schließlich finden einige Meinungsmelder die Diskussion über mögliche Lockerungen wichtig, damit die Menschen merken, dass etwas geschieht und die Politik versucht, Perspektiven aufzuzeigen. So sagt der 54-jährige Olaf Müller aus der Gartenstadt Vahr: "Ich finde es gut, dass man sich jetzt über die Maßnahmen schon Gedanken macht. Erst dann haben die Leute ein Ziel und können darauf hinsteuern."

3 "Es hätte längst gelockert werden müssen"

Mit 27 Prozent ist mehr als ein Viertel der Befragten der Meinung, dass die geltenden Corona-Maßnahmen schon jetzt zu scharf sind und daher bereits hätten gelockert werden müssen. Viele argumentieren damit, dass die Politik den Bürgerinnen und Bürgern mehr Eigenverantwortung zutrauen könne und sollte. Nicht wenige fühlen sich gar durch die Schutzmaßnahmen ihrer Freiheit beraubt. Andere wiederum argumentieren mit den wirtschaftlichen Schäden, der gerade dem Einzelhandel durch Corona-Maßnahmen entstehe.

Beispielhaft sagt die 61-jährige Regina Kleingrothe aus Bremens Stadtteil Findorff: "Ganz offensichtlich haben die bisherigen Maßnahmen ja nur sehr bedingt den gewünschten Effekt erzielt. Gleichzeitig wurden viele Betriebe, insbesondere im Bereich der Gastronomie, Veranstaltungsbranche sowie des Einzelhandels in eine außerordentlich schwierige Situation gebracht." Daher sei es höchste Zeit, Corona-Schutzmaßnahmen aufzuheben oder zumindest zu lockern.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 11. Februar, 19:30 Uhr