Meinungsmelder

Gegen steigende Energiepreise: Meinungsmelder drehen Heizung runter

Radio Bremen Meinungsmelder machen sich Sorgen wegen Preissteigerungen

Bild: DPA | Maximilian Schoenherr

74 Prozent der Radio Bremen Meinungsmelder wollen wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und der gestiegenen Energiepreise weniger heizen. Viele schränken sich schon im Alltag ein.

Unter den Radio Bremen Meinungsmeldern gibt es sehr viele, die in den letzten Monaten nach Russlands Angriff auf die Ukraine sparsamer geworden sind. Die meisten (74 Prozent) haben angegeben, dass sie weniger heizen würden. Einige Meinungsmelder schränken sich aber auch noch in anderen Lebensbereichen ein.

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Meinungsmelder Peter Holstein fährt zum Beispiel weniger und langsamer Auto. Er wünscht sich, dass noch mehr Menschen sich, besonders beim Autofahren, stärker einschränken.

Wenn ich auf der Autobahn unterwegs bin, sehe ich: Es wird immer noch geheizt. Ein bisschen sparen kann an und für sich jeder.

Peter Holstein (67), Radio Bremen Meinungsmelder aus Bremen-Mitte

Besonders Firmenwagen seien nach wie vor sehr schnell unterwegs, beobachtet Holstein: "Da wird immer noch geballert bis zum Gehtnichtmehr." Er wünscht sich, dass die Betriebe ihren Angestellten das Schnellfahren in der aktuellen Lage verbieten. Energiesparen ist aus Sicht von Holstein eine gesellschaftliche Aufgabe. Die Politik müsse die Bevölkerung auf den Verzicht einstimmen und dazu aufrufen: "Die Politiker müssen den Leuten sagen, was die Vorteile sind, damit auch alle mitmachen."

Holstein schränkt sich besonders für den Umweltschutz und wegen des Krieges in der Ukraine ein. Neben dem Auto, das er langsamer fährt und öfter stehen lässt, stellt er die Heizung niedriger. Die Waschmaschine ebenfalls, Holstein findet, dass 40-Grad-Wäschen oft auch reichen würden.

Als der Krieg in der Ukraine losging haben wir uns gedacht: Wenn ich Putin ärgern kann, dann damit.

Peter Holstein (67), Radio Bremen Meinungsmelder aus Bremen Mitte

17 Prozent der Meinungsmelder wollen sich nicht einschränken

Ungefähr jeder sechste Meinungsmelder will sich hingegen gar nicht einschränken. Meinungsmelder Jörn Bersebach aus Bremen sagt zum Beispiel ganz klar: "Ich will nicht frieren." Er macht sich Sorgen darum, dass Putin von sich aus Deutschland den Gashahn abdreht: "Da denke ich jeden Tag dran." Es dauere offenbar noch etwas, bis Deutschland darauf vorbereitet sei: "Putin kriegt das ja auch mit, dass Deutschland abhängig von Russland ist. Der ist unberechenbar." Die Politik hätte sich aus seiner Sicht besser darauf vorbereiten und die Abhängigkeit von russischem Gas früher angehen sollen.

Die steigenden Energiepreise spürt Bersebach nicht. Er heizt mit Fernwärme. Dafür merkt er den Kostenanstieg aber beim Einkaufen: "Von Woche zu Woche zahle ich immer mehr und bekomme dafür weniger."

Mehrheit für Importstopp von russischem Gas

Die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder teilt die Angst von Jörn Bersebach nicht, dass Russland die Gaslieferungen stoppen könnte. Vielmehr fordern 55 Prozent, dass Deutschland kein Gas mehr aus Russland beziehen soll. 27 Prozent sind für russische Gaslieferungen, 18 Prozent sind unentschlossen oder antworten nicht auf die Frage.

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Peter Holstein heizt zwar mit Öl, aber auch das Ölembargo der Politik sei aus seiner Sicht richtig, um Russland und Putin zu schaden. Auch Meinungsmelder Alexander Bachmann ist für einen Lieferstopp von russischem Gas. Er macht sich wenig Sorgen um die Auswirkungen: "Dass Preise steigen werden, das ist schon klar. Ich habe auf Gastankern gearbeitet. Das kenne ich schon", sagt Bachmann. Aus seiner Sicht sei in Bezug auf das Gas gerade viel Panikmache im Spiel. Trotzdem prangert Bachmann an, dass die deutsche Energiepolitik zu abhängig von Russland gewesen ist: "Wir haben auf den Tankern damals Gas nach England, Frankreich, Polen, in die Niederlande geliefert. Gewundert habe ich mich, dass wir hier kein Terminal hatten."

Urlaubsziel: Nordsee statt Mittelmeer

Alexander Bachmann schränkt sich ebenfalls ein, besonders in seiner Freizeit. Er sei gerne mit dem Wohnmobil an die Nordsee gefahren, das mache er jetzt mit dem Rad. "Ich fahre inzwischen fast ausschließlich mit dem Fahrrad oder Inline-Skates." Für den Sommerurlaub soll es dann nach Sahlenburg gehen – und nicht ans Mittelmeer. Ein Elektroauto habe er sich schon lange vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine gekauft. "Uns hat das einfach interessiert. Mit dem Umweltschutzgedanken haben wir damals gar nicht so stark geliebäugelt."

Auch Meinungsmelder Holstein heizt weniger, um Kosten zu zu sparen. "In der Nacht haben wir die Kälte manchmal schon gemerkt." Normalerweise hätten sie die Heizung jetzt noch länger angehabt.

Wir drehen eher mal die Heizdecke statt der Heizung auf.

Alexander Bachmann (61), Radio Bremen Meinungsmelder aus Bremerhaven-Lehe

Kein Gas mehr aus Russland? Das wären die Konsequenzen für Bremen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Mai 2022, 19:30 Uhr