Meinungsmelder

Bundestag debattiert Impfpflicht – Mehrheit der Meinungsmelder dafür

Eine Pharmazeutin zieht im Impfzentrum für Fußgänger und Radfahrer eine Spritze mit dem Impfstoff von Moderna auf.
Die Mehrheit der Radio Bremen Meinungsmelder ist für eine allgemeine Corona-Impfpflicht. Bild: DPA | Oliver Berg

"Wie stehen Sie zur allgemeinen Impfpflicht?" wollten wir von den Radio-Bremen-Meinungsmeldern wissen. 57 Prozent der Befragten sind dafür, 40 dagegen. Das sind ihre Argumente.

Unmittelbar vor den ersten Debatten im Deutschen Bundestag um eine mögliche allgemeine Corona-Impfpflicht spricht sich eine klare Mehrheit der Radio-Bremen-Meinungsmelder dafür aus: 57 Prozent der Befragten fordern die Impfpflicht, 40 Prozent sind dagegen, kaum einer ist noch unsicher. Insgesamt haben sich 6.613 Personen an unserer Befragung beteiligt – so viele wie noch nie in der Geschichte der Radio Bremen Meinungsmelder.

Was hielten Sie von einer allgemeinen Corona-Impfpflicht?

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Viele Befragte sprechen sich für eine Corona-Impfpflicht aus, weil sie diesen Schritt für erforderlich halten, um die Pandemie in Deutschland irgendwann zu beenden. So bezeichnet Annette Rompel aus dem Bremer Viertel die Einführung einer Corona-Impflicht als "Gebot der Vernunft."

Die 62-Jährige lag nach eigenem Bekunden vorigen März wegen einer Corona-Erkrankung zwei Wochen im Krankenhaus. Sie habe sich gefühlt, als würde sie ertrinken: "Ich hatte Todesangst." Wäre sie vor einem Jahr schon geimpft gewesen, wäre sie sicherlich nicht so schwer an Corona erkrankt, wenn sie dann überhaupt erkrankt wäre, glaubt Rompel.

Davon abgesehen ist sie überzeugt davon, dass die Impfungen nicht nur schwere Krankheitsverläufe verhindern, sondern auch maßgeblich dazu beitragen können, die Pandemie zu beenden: "Wenn wir aus dieser Dauerschleife der immer wieder neu auftretenden Varianten rauskommen wollen, brauchen wir eine Impfpflicht", lautet ihre Schussfolgerung. Dabei stützt sie sich auch auf die Geschichte der Impfpflicht.

Man hat auch die Pocken und die Kinderlähmung mit einer Impfpflicht besiegt.

Meinungsmelderin Annette Rompel

Impfpflicht aus Respekt vor Pflegekräften?

Auch der 63-jährige Kai-Uwe vom Hofe aus Sebaldsbrück fordert die Einführung der Impfpflicht. Er sieht darin nicht zuletzt ein wichtiges Signal in Richtung der Pflegekräfte: Seit zwei Jahren würde das Gesundheitswesen, zumal die Intensivmedizin und die Intensivpflege massiv belastet.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Patientenzimmer einer Corona-Intensivstation.
Die Corona-Pandemie sorgt seit fast zwei Jahren für eine erhebliche Mehrbelastung der Pflegekräfte auf Intensivstationen. Bild: DPA | Fabian Strauch

"Die Kolleginnen und Kollegen sind erschöpft und immer mehr verlassen den Beruf", stellt vom Hofe fest. Darauf müsse die Gesellschaft reagieren. Für die Einführung einer Impfpflicht spreche auch, dass man auf diese Weise eventuell eine Reihe bislang unentschlossener Menschen für die Immunisierung gewinnen könne.

Selbst, wer sich bislang gegen die Impfung ausgesprochen habe, könnte sich mit Verweis auf die Impfpflicht doch noch impfen lassen – ohne deswegen sein Gesicht im Freundes- oder Bekanntenkreis zu verlieren.

"Wir müssen einfach irgendwie raus aus der Pandemie", sagt vom Hofe. Er kann sich zu diesem Zweck auch eine zeitlich befristete allgemeine Impfpflicht für etwa zwei Jahre vorstellen. Andere Meinungsmelderinnen und Meinungsmelder bringen eine Corona-Impfpflicht für alle ab 50 oder ab 60 als denkbaren Kompromiss ins Spiel.

Impfpflicht nicht vereinbar mit Demokratie?

40 Prozent der Befragten aber stimmen gegen die Einführung einer allgemeinen Corona-Impfpflicht. Sie begründen ihre Meinung häufig mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit oder auch mit persönlichen Freiheitsrechten, die sie durch eine Impfpflicht bedroht sähen.

"Eine Impfpflicht ist nicht vereinbar mit den Gedanken einer Demokratie. Ich habe das Recht, mich frei zu entscheiden", sagt etwa die 69-jährige Bianca Feldmann (Name von der Redaktion geändert) aus Schwachhausen. Sie möchte sich nicht gegen Corona impfen lassen, weil sie den Impfstoffen nicht traut: "Wir wissen nicht, was die Impfung langfristig anrichten kann. Daher möchte ich auch nicht dazu verpflichtet werden."

Die Rentnerin legt in diesem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass sie nicht grundsätzlich gegen Impfungen sei. Im Falle von Corona und den mRNA-Impfstoffen fehlten ihr aber Erfahrungswerte.

Führt Impfpflicht zur Radikalisierung?

Auch der 37-jährige Frank Hochmeyer (Name von der Redaktion geändert) aus Horn-Lehe ist gegen die Einführung einer Impfpflicht. Im Unterschied zu Feldmann ist er allerdings seinerseits nach eigenem Bekunden bereits dreifach gegen Corona geimpft: "Ich finde es unheimlich gut, dass wir die Impfstoffe haben. Ich bin vom Sinn der Impfung total überzeugt. Aber eine Impfpflicht finde ich schwierig in einer Demokratie", sagt er. Hochmeyer fürchtet, dass sich Impfunwillige radikalisieren könnten, würden sie zur Impfung gezwungen.

Man erreicht Menschen nicht durch Zwang.

Meinungsmelder Frank Hochmeyer

Sinnvoller als die Einführung einer Impfpflicht fände er eine breitere Aufklärung, auch mit Hilfe der Bevölkerung: "Man muss die Menschen dazu bringen, miteinander zu reden. Ich bin mir sicher, dass sich auch der eine oder andere, der sich noch nicht hat impfen lassen, im Gespräch überzeugen ließe", sagt Hochmeyer.

Und weil Omikron offenbar nicht ganz so gefährlich sei wie vorherige Varianten des Coronavirus, könne es sich die Gesellschaft erlauben, auf Überzeugungsarbeit zu setzen statt auf eine Impfpflicht. Das gelte insbesondere in Bremen. Denn hier sei die Impfquote auch ohne Impfpflicht schon sehr hoch.

Das sagen Bremerinnen und Bremer zur einer allgemeinen Impfpflicht

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. Januar 2022, 19.30 Uhr