Bremer Regierungskoalition will Mehrwegpflicht bei Veranstaltungen

Bratwurst-Pappe? Nein danke – Mehrwegpflicht in Bremen ab 2023

Bild: DPA | Gregor Fischer
  • Ab 2023 sollen Pappteller und Co. auf Festen, Märkten und Messen tabu sein.
  • Eine Initiative aus der Gastronomie und Eventbranche hatte die Mehrwegpflicht gefordert
  • Schaustellerverband sieht Mehrwegpflicht mit Unbehagen

Die Koalition hat sich auf eine Mehrwegpflicht für öffentliche Veranstaltungen in Bremen verständigt. Spätestens Anfang 2023 soll die Regelung in Kraft treten. Zunächst soll sie nur für Getränke gelten, nach einer Übergangsphase auch für Geschirr und Besteck. Betroffen wären alle Veranstaltungen, für die Bremen verantwortlich ist, etwa die Messe, aber auch Events im öffentlichen Raum, wie Freimarkt, Stadtteilfeste, Weihnachts- und Wochenmärkte. Für kleinere Veranstaltungen soll es Ausnahmeregelungen geben.

Nach Gesprächen mit Handelskammer und Vertreterinnen und Vertretern betroffener Branchen haben sich die Fraktionen der Regierungskoalition geeinigt, die Mehrwegpflicht auf den Weg zu bringen. "Das ist super-sinnvoll, weil es Energie spart, weil es Müll spart und es meines Erachtens längst fällig ist, so eine Regelung zu haben", sagt der stellvertretende Fraktionschef der Linken, Klaus-Rainer Rupp. Auch für Ralph Saxe, umweltpolitischer Sprecher der Grünen, ist Bremen mit der Mehrwegpflicht vergleichsweise spät dran. Solche Regelungen seien andernorts längst "state of the art". Selbst die SPD, die dem Vernehmen nach am meisten Bedenken hegte, ist mittlerweile überzeugt. "Niemand ist dagegen, die Handelskammer, selbst die Schausteller von Freimarkt und Osterwiese, sagen, das ist möglich, insofern machen wir das", sagt Volker Stahmann, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Einige Schaustellerinnen und Schausteller sind allerdings nicht glücklich mit der Aussicht auf eine Mehrwegpflicht. Manche befürchten Schwierigkeiten, wenn es etwa um Speisen zum Mitnehmen geht, andere haben Sorge vor zusätzlichen Kosten.

Es muss auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass es praktikabel bleibt – es nutzt uns das ganze System nichts, wenn der Bürger sich nicht mehr mitgenommen fühlt.

Susanne Keuneke, Vorsitzende des Verbandes der Schausteller und Marktkaufleute

Der Impuls zur Mehrwegpflicht kam allerdings aus der Branche selbst. Ein Bremer Bündnis aus Gastronomie- und Veranstaltungsfachleuten fordert seit Monaten eine entsprechende Regelung. Boris Barloschky, einer der Hauptinitiatoren, versteht zwar die Vorbehalte mancher Schausteller, betont aber auch, dass die Branche eine Verantwortung habe, die Flut an Einwegmüll zu verringern: "Ja, das kostet Geld und ja, man muss kucken, wo das Geld herkommt und einen fairen Weg finden, aber es gibt keine Alternative dazu."

Autor

  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 18. Dezember 2021, 19:30 Uhr