Brieffreundschaft mit Premierministerin Liz Truss – ein Bremer erzählt

Großbritanniens neue Premierministerin Liz Truss bei ihrer ersten Rede vor der Downingstreet Nummer 10 in London

Alte Brieffreunde: Liz Truss und Achim Winkelmann

Bild: DPA | dmg media Licensing/Mark Large

Als Teenager lernten sie sich kennen: Die neue Premierministerin Großbritanniens Liz Truss und der ehemalige Radio-Bremen-Reporter Achim Winkelmann. Ein paar Briefe hat er noch.

Wie heißt nochmal die neue Premierministerin von Großbritannien? Liz Truss – den Namen muss man sich merken. Und Liz Truss hat eben eine ganz interessante Verbindung zu uns, zu Bremen Eins: Achim Winkelmann, der viele Jahre für Radio Bremen als Reporter gearbeitet hat. Ihn verbindet etwas mit Liz Truss: Er war nämlich als Teenager Brieffreund der heutigen Premierministerin.

Achim, wie ist es denn zu dieser Verbindung gekommen?
Moin Dirk, Grüße in den Norden erstmal. Mein großer Bruder, 30 Jahre liegt das zurück, der war damals "assistand teacher", das heißt, er hat ein Auslandsjahr gemacht in Leeds, in Nord-England, als Englisch- und Deutschstudent. Da hat er auch Deutschkonversation angeboten und eine seiner Schülerinnen war Liz Truss. Und die hat ihn nach der Stunde gefragt: 'Kannst du mir nicht einen Brieffreund in Deutschland besorgen oder eine Brieffreundin?' Und er hat seinen kleinen Bruder gefragt – ich war 16. Also wir waren beide 16 oder dann 17 genau als es losging. Und wir haben uns dann gegenseitig geschrieben. Drei oder vier Jahre lang und haben uns auch gegenseitig besucht.
Wollte ich gerade fragen. Persönlich kennengelernt hast du sie dann ja auch?!
Genau, ich war mit meinen Eltern erst mal in Leeds Nordengland und habe ihre Familie kennengelernt. Der Vater Matheprofessor, die Mutter Krankenschwester. Und ich war mit ihr auch viel unterwegs: In der Schule, abends mit Freunden unterwegs im Pub und so weiter und hab' sie da echt gut kennengelernt. Und dann war sie ein Jahr später in Franken bei uns, für zwei Wochen, mit einer Freundin. Und dort haben wir auch einiges unternommen.
Was ist das so für eine? Ist die nett?
Die war sehr nett wirklich. Wir haben uns gut verstanden. Sie war lustig und zurückhaltend. Ich hab' noch mal meinen Bruder angerufen, der sie ein Jahr als Schülerin erlebt hat. Er weiß noch, sie war damals zurückhaltend, eher ruhig, aber dann wenn es an die Diskussionen ging, hat sie immer sehr hartnäckig ihre Meinung vertreten. Als ehrgeizig ist sie ihm schon damals aufgefallen.
Und jetzt hat sie nun eine Menge Grund zu diskutieren – Brexit wirkt nach, Energie- und Inflationskrise, wenig Geld, viele Sorgen. Da muss sie viel diskutieren. Kriegt sie das auf die Reihe?
Genau, sie hat ja in den letzten Jahren offenbar mehrmals ihre Meinung geändert. Sie war eine große Brexit-Befürworterin, ist jetzt aber zur Gegnerin mutiert. Also das habe ich jetzt so gelesen. Ich habe natürlich aus der Ferne, die letzten Jahre, ihre ganze Karriere verfolgt: Justizministerin, Staatssekretärin im Finanzministerium, Auslandsministerin und jetzt eben Chefin der Konservativen und seit gestern Premierministerin. Ja, ist eine schwierige Aufgabe, die ihr zukommt.
Schreibst du ihr noch mal und gratulierst du ihr jetzt?
Auf jeden Fall. Ja, ich habe sie auf Twitter angeschrieben und auf Instagram. Erst mal die sozialen Medien. Sie ist offenbar sehr aktiv auf Instagram habe ich gehört. Mal schauen, ob sie mir gleich antwortet. Und dann werde ich ihr einen ordentlichen Brief schreiben. Ich habe auch gestern geguckt, ich habe noch einige ihrer alten Briefe.
Das wollte ich nämlich gerade fragen, du hast die alten Briefe. Die werden ja richtig viel Geld wert sein jetzt.
Ach, das glaube ich nicht. Aber die standen wirklich in so einem Karton auf dem Dachboden bei meinen Eltern die ganze Zeit.

Autor

  • Dirk Böhling

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Vormittag, 7. September 2022, 11:10 Uhr