Fragen & Antworten

Darum fordert ein Bremer Virologe auch in Bremen Kontaktbeschränkungen

Eine Frau im Gegenlicht steht mit Schutzmaske vor den Stadtmusikanten. (Symbolbild)

Leopoldina fordert Kontaktredkutionen

Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Forderung stellten zunächst die Experten der Leopoldina auf. Auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer findet, dass private Kontakte reduziert werden müssen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte umfassende Kontaktbeschränkungen gefordert. Die Einschränkungen sollten dabei auch für Geimpfte gelten – zumindest vorübergehend. Auch die Kontakte im privaten Bereich sollten aus Sicht der Leopoldina eingeschränkt werden. Schulen und Kitas sollen zwar möglichst offenbleiben, die Leopoldina schlägt aber vor, die Weihnachtsferien vorzuziehen.

Diese Maßnahmen sollen nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getroffen werden, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer ordnet diese Forderungen aus Bremer Sicht ein.

Was sagt der Bremer Virologe Andreas Dotzauer zu den Vorschlägen der Leopoldina?
Dotzauer teilt die Forderungen der Leopoldina. Aus seiner Sicht sind die Schritte notwendig, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Auch die Kritik der Leopoldina-Medizin Jutta Gärtner am Zögern der Politik kann Andreas Dotzauer verstehen: "Wissenschaftler tun sich einfacher als Politiker, die nach Kompromissen suchen. Aber die Politik hat die Gefahr auch etwas blauäugig eingeschätzt." Die Politik hat laut Dotzauer "völlig, vergessen, dass die große Schwachstelle die Nichtgeimpften sind."

Da die Mitglieder der Leopoldina aus verschiedenen Fachbereichen kommen, würden dort die Themen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert, so Dotzauer: "Alleine die Stellungnahmen zeigen deshalb, wie ernst die Situation eingeschätzt wird."
Wie kurz stehen wir aktuell vor einer Überlastung der Krankenhäuser?
"In den nächsten Wochen wird das Infektionsgeschehen überall weiter zunehmen", sagt Virologe Andreas Dotzauer. "In manchen Regionen mit sehr hohen Inzidenzen sehen wir schon, dass die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Dort mussten schon weitreichende Kontaktbeschränkungen erlassen werden, um die Infektionszahlen wieder nach unten zu bekommen", sagt Dotzauer.
Braucht es auch in Bremen Kontaktreduzierungen – und wie könnten die aussehen?
Aus Sicht von Virologe Andreas Dotzauer wird auch Bremen schwer um Kontaktbeschränkungen herum kommen: "Wir sehen ja: Auch hier steigen die Zahlen an. Keine Region bleibt verschont." Trotz der hohen Impfquote seien auch in Bremen mehrere Tausend Menschen nicht geimpft. "Damit meine ich nicht nur die Impfgegner, sondern auch diejenigen, die sich nicht Impfen lassen können, zum Beispiel Kinder", sagt Dotzauer.

Besonders unter Kindern sei die Inzidenz sehr hoch, daher brauche es Maßnahmen, die auch hier die Kontakte reduzieren. Auch eine großflächige Schließung von Schulen und Kindergärten könnte deshalb aus Sicht von Dotzauer sinnvoll sein. Der Bremer Virologe begrüßt auch in dem Punkt den Vorschlag der Leopoldina. Diese hatte vorgeschlagen, die Weihnachtsferien früher beginnen zu lassen.
Mit Omikron taucht aktuell eine neue Variante auf. Was bedeutet diese Variante in einer Corona-Welle?
Bisher könne man noch nicht sagen, wie stark die neue Variante sei, sagt Virologe Andreas Dotzauer. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass die Variante großes Potenzial hat, hochinfektiös zu sein." Falls das so ist, könne man die Variante auf Dauer nicht außen vor halten und nur die Ausbreitungsgeschwindigkeit einschränken. "Selbst wenn kein Flieger mehr Südafrika anfliegen würde, was ist dann zum Beispiel mit den Niederlanden?", sagt der Bremer Virologe.

Richtig gefährlich könnte es aus Sicht von Dotzauer werden, wenn sich eine Person während der Corona-Welle mit beiden Varianten, also Delta und Omikron, anstecken würde. "Dann könnte es zu einem Hybrid aus beiden Varianten kommen, und die Folgen davon kann man nicht vorhersagen." Im schlimmsten Fall würde sich das Virus dann mit den "aus seiner Sicht positiven Eigenschaften" beider Varianten verbreiten, sagt der Bremer Virologe.

Autor

  • Niklas Hons Volontär

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 27. November 2021, 16 Uhr