Warum störender Lärm nicht immer laut sein muss

Ein Mann hält sich die Ohren zu.

Warum Lärm uns krank machen kann

Bild: DPA | Monique Wüstenhagen

Eine Lärmforscherin erzählt im Gespräch mit Bremen Eins, wie Lärm krank machen kann – und ab wann Lärm überhaupt als solcher zu bezeichnen ist.

Ob in Bus und Bahn, bei der Arbeit oder beim Spazieren in Park – wir alle sind ständig Geräuschen ausgesetzt. Wenn diese Geräusche allerdings zu Lärm werden, können sie nicht nur unerträglich werden, sondern auch krank machen. Am offiziellen "Tag gegen Lärm" soll deshalb auf die Ursachen von Lärm und dessen Wirkungen hingewiesen und so die Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. Professorin Brigitte Schulte-Fortkamp ist Lärmforscherin und Psychoakustikerin.

Frau Schulte-Fortkamp, wo endet ein Geräusch und wo beginnt Lärm? Gibt es dafür eine Definition?
Es gibt eine ganz einfache Definition für Lärm, nämlich dass Lärm Geräusche sind, die stören und letztlich dann unter Umständen eben auch krank machen. Das Wichtigste daran ist, dass der Störfaktor eine Rolle spielt. Es geht nicht immer nur um die Lautstärke, sondern ob ein Geräusch in einer Situation gar nicht passt. Dann kann es definitiv auch schon zu Lärm werden – auch wenn es gar nicht richtig laut ist.
Wenn man angespannt ist, reagiert man auch nochmal anders, oder?
Ja, das stimmt. Es hängt immer davon ab, in welcher Situation man sich gerade befindet. Wir schauen da in der Lärmforschung immer, welcher Kontext eine Rolle spielt und was es eigentlich ausmacht, in der Situation ein ganz bestimmtes Geräusch zu hören und was das Geräusch bedeuten soll.
Brigitte Schulte-Fortkamp
Lärmforscherin Brigitte Schulte-Fortkamp. Bild: DPA | Böck
Was sind also die Folgen, wenn wir jetzt wirklich permanent Lärm ausgesetzt sind?
Es kommt schon darauf an, was das für Geräusche sind. Also wenn es ganz laute Geräusche direkt am Ohr sind, die einen bestimmten Schalldruckpegel haben – zum Beispiel über 85 dB(A) – dann können sie das Gehör schädigen. Aber es gibt auch andere Geräusche wie Umweltgeräusche, die gar nicht so laut sein müssen, aber unter Umständen permanent da sind und man sie auch gar nicht abstellen kann. So findet eine ständige Belastung statt. Das führt dazu, dass man darauf negativ reagiert und unter Umständen nervös und gestresst wird. Und wenn solche Geräusche auch noch über Nacht da sind – wie zum Beispiel bei Umgebungsgeräuschen – dann kann das auch zu Schlafstörungen und eben auch zu Krankheiten führen.
Was kann man machen, um dem dauerhaften Lärm, den man gerade zum Beispiel in Städten ausgesetzt ist, zu entweichen?
Wenn man einen ruhigen Raum in der eigenen Umgebung hat, gibt es unter Umständen die Möglichkeit, mal alles abzuschalten, was zusätzliche Geräusche macht und sich da in diese Ruhe zurückzuziehen. Die andere Sache ist – und das wird vielfach auch schon vorgeschlagen, sogar von der EU – dass man versucht, Ruhezonen aufzusuchen. Das kann zum Beispiel ein Wald sein oder es gibt in Städten ausgewiesen Ruhezonen. Wichtig ist, dass man ein wenig von dem abschaltet, was einen belastet und einem auf die Ohren dröhnt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 27. April 2022, 8:40 Uhr