Geburtenzeit im Schafstall im Landkreis Cuxhaven: Doch Angst geht um

Ein Mann kniet im Stroh neben zwei Lämmchen und einem Schaf.

Geburtenzeit im Schafstall im Landkreis Cuxhaven: Doch Angst geht um

Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Ein Lämmchen nach dem anderen erblickt im Stall von René Krüger das Licht der Welt. Doch der Schäfer hat große Sorgen um seine Tiere. Ein Wolf hat bereits 30 Tiere getötet.

Im halbdunklen Stall in Wersabe im Landkreis Cuxhaven geht es Schlag auf Schlag. Fast im Minutentakt kommen Lämmer zur Welt. Viele der 800 Mutterschafe haben noch kugelrunde Bäuche. Schäfer René Krüger hat schon mehr als 200 Lämmer gezählt. Alle müssen versorgt, registriert und mit einer Vitaminspritze versehen werden – wahre Akkordarbeit.

Ein Mann hält ein Lämmchen im Arm.
René Krüger ist erst seit einem Jahr Deichschäfer in Wersabe. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

"Zur Zeit wohne ich sozusagen im Schafstall. Nachts stehe ich dann auch auf oder manche Nächte muss ich auch durcharbeiten, wenn viele Lammungen sind", erzählt der 43-Jährige und erspäht sogleich die nächste Geburt: "Wir können hier nochmal eben runter, da hat gerade eine gelammt."

Am anderen Ende des Stalls schleckt ein Schaf gerade sein braunes Lämmchen ab. Der Schäfer ist zufrieden. "So, das sieht auch gut aus", sagt er. "Es ist gleich vital und springt auf und sucht schon das Euter."

Viele Schafe brauchen Hilfe bei der Geburt

Doch so reibungslos wie eben klappt es nicht immer, berichtet der Schäfer. "Oftmals muss man bei den Geburten auch helfen, wenn das noch nicht so klappt oder wenn das Lamm zu groß ist." Einige Mutterschafe würden die Lämmer bei der ersten Geburt auch nicht immer sofort annehmen.

Krüger packt zwei neugeborene Lämmer an den Vorderbeinen und läuft mit ihnen zu einem speziellen Lamm-Stall. Das Mutterschaf trabt blökend hinterher. In der sogenannten Lamm-Box sollen das Schaf und die Lämmer eine Beziehung zueinander aufbauen, erklärt der Schäfer, damit sie sich später in der großen Herde immer wiederfinden.

Viele Totgeburten nach Wolfsangriff

Zwei Lämmchen liegen nebeneinander im Stroh.
So niedlich: Ein Lämmchen nach dem anderen kommt aktuell in Krügers Stall zur Welt. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

"Ich mag Schafe einfach, die ganze Art", sagt Krüger. Und obwohl er seinen Job liebt, hat er auch große Sorgen. Der Wolf treibt ihn um. Trotz Schutzzaun wurden im Dezember 25 seiner Schafe von einem Wolf gerissen. Fünf weitere Tiere, die geflüchtet waren, wurden später ebenfalls tot aufgefunden. Aus dieser Herde hätten nun ungewöhnlich viele Schafe Totgeburten. "Scheinbar hält ein Zaun auf Dauer die Wölfe nicht ab", sagt er.

Ich mag Schafe einfach, die ganze Art.

René Krüger, Schäfer

Hunde sollen Schafe beschützen

Den Job als Deichschäfer in Wersabe macht Krüger übrigens erst seit einem Jahr. Vorher arbeitete er in Wilhelmshaven als Schäfer und zwölf Jahre als Hundeausbilder bei der Bundeswehr. "Eigentlich bin ich gelernter Zimmermann, aber Schafe habe ich schon mein Leben lang", berichtet er. Schon sein Opa hatte Schafe. "Sie sind ja auch nützlich. Sie betreiben ja Küstenschutz. Sie treten den Deich fest und halten die Grasnarbe kurz, tun was für die Allgemeinheit."

Um seine Schafe zu schützen, möchte Krüger nun den Einsatz von Herdenschutzhunden ausprobieren. Das Know-how hat er ja. Trotz hoher Kosten sei das eine Chance, hofft er. Schließlich will der Schäfer, dass auch die Lämmer, denen er Tag und Nacht auf die Welt hilft, eine Zukunft haben.

Rückblick: Schäfer unter Schock – Wolf reißt im Kreis Osterholz rund 30 Schafe

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Das Wochenende aus Bremerhaven, 13. Februar 2022, 12:40 Uhr