Fragen & Antworten

So leuchtet der Advent in Bremen und umzu – und daher kommt der Brauch

In Grasberg und Delmenhorst blinken wieder die Weihnachtshäuser, Bremen und Bremerhaven leuchten. Ein Religionswissenschaftler erklärt, warum wir mit Lichtern feiern.

Ein Haus in Grasberg ist weihnachtlich dekoriert
Alle Jahre wieder: Bei Familie Thölken aus Grasberg ( Landkreis Osterholz) weihnachtet es schon sehr. Bild: privat/Melanie Thölken
Warum ist Licht an Weihnachten besonders wichtig?
Im Christentum spielen Lichter und Kerzen nicht nur an Weihnachten eine große Rolle", erklärt Yan Suarsana, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Bremen. "Für die Bedeutung des Lichts gibt es auch viele plausible Erklärungen, aber man kann nicht sagen, wann es genau in den christlichen Glauben übergegangen ist."

"Licht allgemein vertreibt die Dunkelheit und damit im älteren Volksglauben auch böse Geister, Dämonen und Hexen", so der Professor. Mit dem Licht konnten die Menschen diese teuflischen Mächte vertreiben.
Im Christentum selbst gibt es eine sehr lange Verbindung zwischen Licht und Leben: Christus wird als Licht der Welt und ewiges Lebens gesehen, womit dem Licht eine besondere Bedeutung zugeschrieben wird.
Woher kommt der Brauch, einen Tannenbaum mit Lichtern zu schmücken?
Das Weihnachtslicht ist schon sehr alt, erste Berichte gab es im 15. Jahrhundert, so der Bremer Religionswissenschaftler. Damals wurde mit dem Licht einer Kerze an Weihnachten, um Schutz für Haus und Familie gebeten.

Heute hat das Weihnachtslicht an Bedeutung verloren und der Lichterbaum ist an seine Stelle getreten. Das Schmücken eines immergrünen Baumes gab es schon bei den Römern, Lichter hingegen sind erst seit dem 17. Jahrhundert belegt und zwar von zwei deutschen Adligen aus Sachsen und der Pfalz, so Suarsana. "Der erste Weihnachtsbaum war aber gar kein Weihnachtsbaum, sondern ein Nikolausbaum." Dieser Brauch hat sich dann wie die Bescherung vom Nikolausfest zum Weihnachtsfest verlagert.
Im 18. Jahrhundert gibt es immer mehr Belege für den Weihnachtsbaum in der Oberschicht – auch Goethe und Schiller erinnern sich an einen Tannenbaum im Lichterglanz mit Zuckergebäck und Schleifen. Von da an verbreitete sich der beleuchtete Weihnachtsbaum in die ganze Welt und in alle Gesellschaftsschichten.

Warum zünden wir jeden Sonntag eine Kerze am Adventskranz an?
"Der Adventskranz ist noch jünger als der Weihnachtsbaum und da kann man auch ganz konkret sagen, wo dieser Brauch herkommt", erklärt der Religionsprofessor. Der Brauch kommt aus Hamburg: "Der Leiter eines Waisenhauses, Theologe Johann Hinrich Wichern, hat ein Wagenrad mit vier großen und vielen kleinen Kerzen aufgestellt." Die Idee war, jeden Tag eine Kerze anzuzünden und den Kindern die Tage bis Weihnachten anschaulich zu machen.

Dieser Brauch wurde durch Krankenschwestern weiter getragen, die in diakonischen Werken, den sogenannten Wichern-Werken, ausgebildet wurden. Im Krieg brachten sie den Wichernkranz in die Feldlazarette und durch die Soldaten verbreitet er sich weiter bis heute

So winterlich leuchtet jetzt die Innenstadt in Bremen

Video vom 30. November 2020
Die Bremer Handwerkskammer wird mit winterlichen Motiven bunt bestrahlt.
Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun
Bild: Radio Bremen | Marike Deitschun

Autoren

  • Eva Linke Redakteurin
  • Marike Deitschun Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 25. November 2020, 19:30 Uhr