Straßenschilder mit Namen von NSU-Opfern überklebt

  • Aktivisten haben Straßen in Bremen nach NSU-Opfern "umbenannt"
  • Es handelte sich um eine bundesweite Aktion
  • Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung
Ein Aktivist überklebt Das Straßenschild der Bismarckstraße

Unbekannte haben mehrere Straßennamen in Bremen "umbenannt". Wie die Polizei mitteilte, klebten sie auf mehrere Straßenschilder die Namen von Opfern der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Hintegrund ist der NSU-Prozess, der am Mittwoch nach gut fünf Jahren zu Ende geht.

Ein laminierter Zettel am Pfahl eines Straßenschildes informiert über den Mord an Halit-Yozgat.
Die Unbekannten hinterließen auch selbstverfasste Gedenktexte.

Die Aktivisten überklebten unter anderem Schilder an der Bismarckstraße, am Ostertorsteinweg, der Hermann-Böse-Straße und an der Contrescarpe. In Vegesack wurde der Aumunder Heerweg "umbenannt", außerdem wurde der Fußgängerüberweg mit Parolen besprüht. Es wurden Gedenkschreiben an den Pfosten der Straßenschilder befestigt.

Die Polizei kann der Aktion nicht viel abgewinnen: Weil sich nicht alle Aufkleber ohne Rückstände entfernen ließen, ermittelt sie jetzt wegen Sachbeschädigung.

Schilder in 20 deutschen Städten überklebt

Hinter der Aktion steht die Interventionistische Linke (IL). Damit wolle man "das Ausmaß rassistischer Gewalt sichtbar machen und den Opfern des NSU und ihren Angehörigen Respekt erweisen", teilte die IL am Dienstag mit. Bundesweit waren den Angaben zufolge 20 Städte und rund 200 Straßen betroffen, darunter auch Hannover und Göttingen.

Vor dem Oberlandesgericht München sollen am Mittwoch nach mehr als fünf Jahren Verhandlungsdauer die Urteile gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte gesprochen werden. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und anschließender Sicherungsverwahrung für Zschäpe. Die Anklage sieht die heute 43-Jährige als Mittäterin an allen Verbrechen des (NSU). Dieser verübte neun Morde an türkisch- und griechischstämmigen Gewerbetreibenden, einen Mord an einer deutschen Polizistin, zwei Bombenschläge mit Dutzenden Verletzten sowie 15 Raubüberfälle.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 10. Juli 2018, 13 Uhr